Bauern befürchten Ernteausfall

Das Hohenloher Land ist von einer langanhaltenden Trockenheit betroffen. Die Feldfrüchte leiden, die Bauern kämpfen mit erheblichen Ertragseinbußen. Es sinkt die Menge und die Qualität der Ernte.

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Hartmut Engelhardt drückt das Laub der gelben Rüben zur Seite. Wenn er das Feld bewässert, reicht die Wassermenge gerade aus, um das Grün zu erfrischen. Damit das Wurzelgemüse besser wächst, bräuchte es Landregen.  Foto: 

Der Wind bläst über die Hohenloher Felder, die Sonne brennt vom Himmel. Landwirte, Gärtner, Obst- und Gemüsebauern warten auf Regen. "Es ist unmöglich in einer Trockenperiode, wie dieser, mit Gießen die Feuchtigkeit zu ersetzen", stellt Hartmut Engelhardt, Bio-Bauer in Schönenberg, klar. Sein Traktor mit einem 4000-Liter-Wasserfass auf dem Anhänger ist momentan im Dauereinsatz. Heute werden die Möhren gegossen und durch langsames Fahren mit der Wasserspritze, im Grunde genommen nur am Blattwerk erfrischt, damit die Möhre vital bleibt. Der robuste Lauch, Sellerie, Rosenkohl und Möhren würden schon mal eine Trockenzeit aushalten. Allerdings befürchtet Engelhardt, dass es auch diesen Früchten langsam an die Substanz geht. "Beim Salat sieht es anders aus. Hat er in seiner fünf- bis siebenwöchigen Wachstumsphase nur zwei Wochen kein Wasser, ist er hinüber", erläutert der Bio-Landwirt.

Bis zur Hälfte weniger Ernte als in anderen Jahren

Hartmut Engelhardt zeigt zwei bis fünf Zentimeter breite Risse im staubtrockenen Ackerboden eines Kürbisfeldes. Dort wachsen deutlich weniger und kleinere Früchte als sonst. Gleich daneben liegen in einem Zuckerrübenacker die Blätter "völlig erschöpft" auf den Rüben.

Die letzte Hitzeperiode, vor einigen Wochen, machte auch dem Ernteerfolg bei den Johannisbeeren einen gewaltigen Strich durch die Rechnung. "Gut der halbe Ertrag fehlte uns dieses Jahr", resümiert Emmi Bullinger, vom Obsthof in Kupfer. Auf rund 100 Hektar baut der Familienbetrieb Johannisbeeren an. Bei Wassermangel fehle es den Pflanzen an der Belaubung, dies habe zur Folge, dass die Früchte stark der Sonne ausgesetzt sind: "In der schwarzen Beere kommt es zu einer Hitzeentwicklung von teilweise mehr als 50 Grad Celsius - die Frucht verkocht, die Blätter verbrennen." Darunter leidet die Qualität und wertvolle Inhaltsstoffe gehen verloren. Zudem musste abgewartet werden, bis die verdorbenen Früchte abfallen. Am 5. Juli wurde bei Bullingers mit der Ernte begonnen. "Die Anforderungen an Säure, Zucker und Farbstoff wurden gerade noch erfüllt um den Saft der Beeren zu einer guten Qualität verarbeiten zu können", so die Seniorchefin des Familienunternehmens. Leider gehe die Sorge nun aber weiter, denn "jetzt müsste es mindestens 50 bis 100 Liter im Monat regnen". Denn die Blütenknospen der Johannisbeere werden in den kommenden Wochen bereits für das nächste Jahr gebildet. So könnte sich die derzeitige Dürre auch für die Ernte 2016 fatal auswirken.

Beerenimporte aus Polen drücken die Preise

Neben Ernteeinbußen machen den Erzeugern auch noch schlechte Preise zu schaffen. Emmi Bullinger bezeichnet den Beerenpreis als den "niedrigsten seit 30 Jahren". Dies komme von einem "riesigen Angebot von polnischen Feldern", die durch die EU subventioniert würden. Dem Angebot von rund 200.000 Tonnen aus dem Ausland stünden nur 5000 Tonnen Beeren aus Deutschland gegenüber.

"Marktpreise werden nicht regional, sondern überregional gemacht", bestätigt auch der Untermünkheimer Biobauer Hartmut Engelhardt. Der erhebliche Mehraufwand in Form von Pflege und Gießen könne nicht einfach an den Verbraucher weitergegeben werden.

Engelhardt hofft aber auf das Verständnis seiner Kunden, dass Früchte auch geschätzt werden, wenn sie mal kleiner sind oder an der Wurzel etwas krumm gewachsen sind.

Mais wird dieses Jahr früher geerntet

Wenig Heu Der Geschäftsführer des Bauernverbandes Hohenlohe, Helmut Bleher sieht insbesondere auch bei den Milchbauern "eine Dramatik". Aufgrund der anhaltenden Trockenheit fällt der Grünlandaufwuchs in weiten Teilen extrem gering aus, so dass das Futterangebot für die Nutztiere knapp wird. Der Deutsche Bauernverband habe deshalb eine Ausnahmeregelung für die Nutzung des Aufwuchses von ökologischen Vorrangflächen gefordert. Dabei handelt es sich um Flächen, die beim sogenannten Greening aus der landwirtschaftlichen Produktion genommen worden sind. Bleher nimmt an, dass bereits im August mit dem Maishäckseln angefangen wird, nur um die etwa 30-prozentige Reife auszunutzen, bevor die Feldfrucht nahezu wertlos wird.

JOHO

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