Bahnhofsareal: Stadt beteiligt Haller Bürger vor Start des Architektenwettbewerbs

Moderne Wohnformen, begrünte Treffpunkte, Angebote für Senioren und Jugendliche: Das sind Wünsche von rund 150 Hallern für das Bahnhofsareal. Die Ideen könnten Teil des Architektenwettbewerbs werden.

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Lebhaft diskutieren Teilnehmer des Workshops am Dienstagabend in der Haalhalle vor einer Pinnwand. Zu sehen ist das Haller Bahnhofsareal, das sich die Stadt vor zweieinhalb Jahren gekauft hat.  Foto: 

Nach zweieinhalb Stunden Workshop formuliert Oberbürgermeister Hermann-Josef Pelgrim am Dienstagabend sein Resümee: "Es soll eine urbane Erweiterung der Altstadt werden - nicht eine Neubausiedlung auf der grünen Wiese, wie der Teurershof." Das Stadtoberhaupt erntet Applaus.

Rund 150 Besucher diskutieren zuvor in der Haalhalle. Für das Areal des Haller Bahnhofs (11,3 Hektar) ist ein Architektenwettbewerb geplant. Die groben Ziele sollen durch Bürgerbeteiligung formuliert werden, erklärt Peter Klink, Fachbereichsleiter Planen und Bauen. Wohnraum sei das Oberziel. "Dienstleistung und wohnverträgliches Gewerbe" sind aber nicht ausgeschlossen. Zudem müsse das Thema Parkierung berücksichtigt werden. "Rund um den Bahnhof herrscht bereits ein hoher Parkdruck."

Vertikal-Gardening soll alte Gebäude verschönern

Begleitet wird der Architektenwettbewerb vom Büro Wick + Partner aus Stuttgart, das bereits in Hall gewirkt hat: mit dem Siegermodell zum Baugebiet An der Breiteich. Architekt Michael Schröder gibt den Teilnehmern mit, dass die neue Silhouette des Areals vom Schwalbennest am Neubau gut sichtbar sein wird und mit dem Stadtbild harmonieren müsse. "Aber auch die Sicht von oben ist wichtig", meint Schröder, mit Blick auf den Reifenhof.

In drei Gruppen diskutieren die Teilnehmer über Wünsche. Eine Frau fordert einen generationsübergreifenden Spielplatz mit einem steinernen Mühle-Feld. Eine andere will einen Jugendtreff.

Sophia Jakob (25) arbeitet derzeit an ihrer Masterarbeit für Integrales Planen und Bauen. "Das Areal ist absolut attraktiv", sagt die Bibersfelderin. "Ich sehe moderne Wohnformen wie Mehrgenerationenhäuser mit Inklusion." Außerdem müssten Treffpunkte im Grünen berücksichtigt werden. "Neben Urban-Gardening ist Vertikal-Gardening geeignet, um Wände in die Höhe zu begrünen." Mutter Dagmar Spohn-Jakob würde das ebenfalls begrüßen. "Etwa bei den Velag-Gebäuden, um die Optik zu verschönern."

Unter den Teilnehmern ist Hans Firnkorn, Geschäftsführender Gesellschafter der Löwenbrauerei, die in unmittelbarer Nähe ihren Sitz hat. Neben Wohnen, so schlägt Firnkorn vor, könnte auf dem Gelände Gewerbe realisiert werden. "Das Areal ist dreimal so groß wie das Kocherquartier." Pelgrim relativiert: "Man kann das Areal nicht so dicht bebauen wir das Kocherquartier." Straßen, Grünflächen, Parkierung - all das nehme Raum in Anspruch.

Elisabeth Lay und Peter Wild leben an der Neumäuer Straße. "Wir wohnen lieber da unten als am Bahnhofsareal", meint Wild. Dieses könne aber durchaus attraktiv werden, wenn genug grüne Flächen eingeplant würden. Zudem müsse sich das Quartier dem "Stadtbild harmonisch anschmiegen, ohne als Fremdkörper zu wirken". Seine Partnerin hofft, dass nicht zu viele Mehrfamilienhäuser von Bauträgern entstehen, sondern kreative Objekte. Lay kritisiert, dass die Tendenz zu großflächigem Wohnraum gehe. "100 Quadratmeter reichen für vier Personen, da braucht man keine 250."

Explizit mehr Wohnraum wünscht sie Hans Röhm, der mit Partnerin und zwei Töchtern auf 65 Quadratmetern lebt. "Die Mieten in Hall sind teuer. An der Breiteich ist Eigentum kaum leistbar. Sozialer Wohnraum fehlt." Das steht auch auf einem der dutzenden Zettel, die als Ideen an den Pinwänden hängen. Zu lesen ist auch der Wunsch nach kleineren Läden und eingeschossigen Einfamilienhäusern. "Gewünscht wurde auch, dass das Bahngebäude erhalten bleibt", berichtet Florian Kohlmann vom Büro Wick + Partner. "Die Kegelbahn dort im Untergeschoss soll wieder belebt werden, außerdem die Gastronomie." Im Velag-Gebäude könnten Loft-Wohnungen entstehen. Sein Kollege Michael Schröder resümiert, dass nach kreativen Modellen wie das französische Viertel in Tübingen gefragt worden sei.

Der Bau- und Planungsausschuss des Gemeinderats will sich am Dienstag mit den Ideen befassen und entscheiden, ob Teile davon in den Auslobungstext fließen. Bis zum Herbst soll der Wettbewerb abgeschlossen sein (siehe Info).

Die Stadt hat das Grundstück vor zweieinhalb Jahren von der Bahn gekauft. Ein Großteil der Fläche liegt brach. Einige alte Gebäude werden von Betriebe genutzt. Da Objekte abgerissen werden sollen, müssen einige Betriebe weichen. Veränderungen sind bereits sichtbar: Dort, wo einst das Haus des Motorradclubs "Black Souls" stand, wird derzeit eine Außenstelle der Weissenhof-Klinik gebaut. Diese soll in wenigen Wochen eröffnet werden.

Architekten-Wettbewerb

Ablauf Die Ideen aus dem Workshop werden nun dem Bau- und Planungsausschuss des Gemeinderats vorgelegt, der am Dienstag tagt. Das Gremium entscheidet über den Auslobungstext, der dann öffentlich ausgeschrieben wird. 30 Architektenbüros können am Wettbewerb teilnehmen. Das Ende des Bewerbungsverfahrens ist für den 10. Juni vorgesehen. Die Pläne und Modelle sollen im September eingereicht werden. Das Preisgericht könnte dann am 16. Oktober tagen.

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SWP

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