Bahnhof Hessental in der Kritik

Ursprünglich wollte Rüdiger Grube kommen. Nun wird eine Delegation ohne den terminlich verhinderten Bahnchef in Hall empfangen. SPD-Bundestagsabgeordnete Annette Sawade will Missstände anprangern.

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  • Protestplakat gegenüber dem Bahnhof Hessental: Kein Geld sei für Hohenlohebahn und S-Bahn in Künzelsau vorhanden, dafür aber 4,5 Milliarden Euro für Stuttgart 21. 1/2
    Protestplakat gegenüber dem Bahnhof Hessental: Kein Geld sei für Hohenlohebahn und S-Bahn in Künzelsau vorhanden, dafür aber 4,5 Milliarden Euro für Stuttgart 21. Foto: 
  • Der Zug nach Stuttgart kurz vor der Ausfahrt auf Gleis 3 des Bahnhof Hessentals. Um zum Bahnsteig zu gelangen, müssen Reisende eine Unterführung benutzen, in der weder Aufzug noch Rolltreppe vorhanden sind. 2/2
    Der Zug nach Stuttgart kurz vor der Ausfahrt auf Gleis 3 des Bahnhof Hessentals. Um zum Bahnsteig zu gelangen, müssen Reisende eine Unterführung benutzen, in der weder Aufzug noch Rolltreppe vorhanden sind. Foto: 
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Treffpunkt Bahnsteigkante in Hessental und Crailsheim: Die Liste der Gäste am Mittwoch liest sich wie das Who is Who der Entscheidungsträger der Bahn. Mit Eckart Fricke, Konzernbevollmächtigter der DB AG für Baden-Württemberg kommt der wichtigste Repräsentant vor Ort. Im Schlepptau bringt er sieben leitende Mitarbeiter verschiedener Bahn-Geschäftsbereiche mit. Ursprünglich wollte Bahnchef Rüdiger Grube kommen, daher haben die vielen, hochrangigen Mitarbeiter zugesagt. Die Eisenbahnvertreter treffen morgen auf Lokalpolitiker und Fahrgastvertreter, um über Bahnhöfe und -verbindungen zu reden.

So lang wie die Liste der Gäste, ist die Liste der Forderungen. „Alte Züge, schwer zugängliche Bahnsteige, keine Toiletten, wenig Informationen.“ SPD-Bundestagsabgeordnete Sawade erläutert: „Trotz Beteuerungen der Deutschen Bahn AG, in die Instandhaltung zu investieren, kommt bei manchen das Gefühl auf, dass sich wenig tut auf der Murrbahn.“ Sie hatte Bahnchef Grube am Rande einer Veranstaltung in Berlin dazu überredet, nach Hall zu kommen. Er hatte den Termin fest zugesagt, kommt nun doch nicht. „Ich sehe ihn aber zwei Tage nach dem Termin in Berlin“, sagt Sawade. Da werde sie ihm klar machen: „Wir können nicht Entwicklungsland in Sachen Bahnverkehr bleiben.“

„Ich bin froh, dass es Annette Sawade geschafft hat, bei der Bahn die Sensibilität auf Nicht-Großprojekte zu lenken“, sagt Oberbürgermeister Hermann-Josef Pelgrim (SPD). Während es bei den Vorzeigeprojekten nicht auf 100 Millionen Euro hin oder her ankäme, werde andernorts am Nötigsten gespart. Aus seiner Sicht vernachlässigt der Konzern seine Ost-West-Achse.

Mit dem Argument, dass nur wenige Züge zwischen Heilbronn und Hall verkehre, würde eine Elektrifizierung der Strecke abgelehnt, sagt Pelgrim. Dabei könnte die Strecke auch für den Fernverkehr ausgebaut werden und ähnlich wie die Autobahn 6 zu einer großen Verbindungsachse werden.

Verdreckt und schwer zu erreichen: Was Passagiere denken

Wolfgang Scherl (72), Rentner aus Hall
„Es ist einfach alles vergammelt. Ihn ein bisschen zu säubern, wäre gut. Ich bin 15 Jahre lang nach Backnang gependelt. Heute, als Rentner, fahre ich nicht mehr mit dem Zug. Damals musste ich fast jedes Mal alten Menschen beim Koffertragen helfen. Die kommen einfach nicht mit dem Gepäck die Treppen hoch. Was auch fehlt, sind kostenlose Kurzzeitparkplätze.“

Angelika Rieger (69), Hausfrau aus Hall
„Was mich am meisten stört, ist die Unterführung. Wenn ich mit dem Fahrrad unterwegs bin, muss ich erst das Gepäck vom Rad abnehmen, dann alles runter- und hochtragen. Reisende mit einem schwereren E-Bike bekommen das nicht hin. Ich fahre nur selten Bahn – meist nur bei Gruppenreisen zu Radausflügen und zum Weihnachtsmarkt.“

 

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Kommentare

14.11.2012 09:44 Uhr

Antwort auf „Minimum 4.500.000.000 müsste es heißen auf dem Plakat heißen”

Wie hat eigentlich Hessental bei der Volksabstimmung abgestimmt? Eigentlich hätten sie ja mehrheitlich mit "JA zum Ausstieg" stimmen müssen, damit das Geld für sinnvolle Maßnahmen im ganzen Land, z.B. für den Bahnhof Hessental verwendet werden könnte.

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14.11.2012 09:42 Uhr

"Das Projekt S21 ist der größte technisch-wissenschaftliche Betrugsfall der deutschen...

Das Ganze ist umso schlimmer, weil man die Milliarden in Stuttgart nicht für einen sinnvollen Bahnhof ausgibt, sondern für einen Nadelöhr-Tiefbahnhof, der weniger leisten wird als der heutige Kopfbahnhof! Stuttgart21 ist ein nicht genehmigter Rückbau des Bahnknotens in Stuttgart: S21 wurde nur für 32 Züge in der Spitzenstunde geplant - der heutige Kopfbahnhof kann aber 50 Züge pro Stunde abfertigen. "Das Projekt S21 ist der größte technisch-wissenschaftliche Betrugsfall der deutschen Industriegeschichte" sagt Christoph Engelhardt, der die Unterlagen genau studiert hat. Mehr dazu: http://www.stern.de/wirtschaft/news/dokumente-naehren-zweifel-s21-weniger-leistungsfaehig-als-der-alte-kopfbahnhof-1914538.html Und dazu kommen noch die enormen Mängel beim Brandschutz, deren Behebung entweder unmöglich ist oder das Ganze drastisch verteuern würde: http://www.stern.de/wirtschaft/news/bahnhofsneubau-stuttgart-21-brandschutzmaengel-koennten-s21-stoppen-1908099.html Schluss mit S21 jetzt!

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13.11.2012 14:48 Uhr

Minimum 4.500.000.000 müsste es heißen auf dem Plakat heißen

Was brechente die ehrenwerde Cdu-Regierung schon 2009

Hamburg - Nach Informationen des SPIEGEL hatten Landesbeamte aus Baden-Württemberg auf Grundlage von Bahn-Unterlagen Gesamtkosten von mindestens 4,9 Milliarden Euro kalkuliert. Für wahrscheinlicher hielten sie sogar einen Endbetrag von bis zu 6,5 Milliarden. :

Und das ohne dieaktuellen "Verbesserungen" , Änderungen und die seitherige Presisteigerung!

Und was wurde bei der Volksabstimmung von dieser politischen Seite "erzählt"?

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