Bahn bringt neue Züge ab Ende 2017 auf die Murrbahn

Für Pendler, die auf der Murrbahn nach Stuttgart fahren, sollen Ende 2017 rosige Zeiten anbrechen. Großzügige Sitzabstände in neuen Zügen, Wlan und die Mitnahme von Fahrrädern werden versprochen.

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Die Deutsche Bahn soll am 21. August den Zuschlag bei der Ausschreibung im Vergabeverfahren Gäu-Murr erhalten, heißt es in einer Pressemitteilung des Verkehrsministeriums des Landes. Das Verfahren stehe unmittelbar vor dem Abschluss. Neufahrzeuge sollen ab Dezember 2017 die 40 Jahre alten "Silberlinge" ablösen und für mehr Komfort in den Zügen sorgen.

Nicht nur das: Wie die Landtagsabgeordnete Muhterem Aras, Betreuungsabgeordnete der Grünen für den Landkreis Hall, schreibt, soll sich die Fahrzeit von Hessental nach Stuttgart um bis zu 15 Minuten verkürzen.

Mit der Vergabe ist eine deutliche Ausweitung der Leistungen verbunden, schreibt das Ministerium. So werden künftig zwischen Stuttgart und Murrhardt von Montag bis Samstag ganztags bis zum frühen Abend halbstündliche Verbindungen von und nach Stuttgart angeboten. In den Hauptverkehrszeiten wird dieser Halbstundentakt bis Hall ausgedehnt. Und genau das hat auch Landrat Gerhard Bauer stutzig gemacht. In einem Telefonat mit dem Ministerium wurde ihm versichert, dass der Halbstundentakt bis Gaildorf-West kommen wird, nur nicht minutenscharf.

Ministeriums-Sprecher Edgar Neumann bestätigt das. Jeder zweite Zug halte in Fornsbach und Fichtenberg wie bisher nur jede Stunde. Gaildorf-West werde aber im Halbstundentakt bedient, wenn auch nicht exakt zu jeden vollen halben Stunden.

"Die jahrelangen Bemühungen des Landkreises und des Murrtalverkehrsverbandes, neues Wagenmaterial und ein spürbar verbessertes Verkehrsangebot auf die Murrbahn zu bringen, tragen jetzt Früchte. Für unsere Region ist dies ein bedeutsamer Meilenstein", lautet der Kommentar von Landrat Bauer.

"Das neue Angebot ist ein deutlicher Schritt nach vorn. Wenn das alles funktioniert, können wir sehr zufrieden sein", meint Erwin Tiroke, der Leiter des Amtes für Straßenbau und Nahverkehr im Landratsamt. Wlan, Klimaanlagen, die Mitnahme von Fahrrädern und der barrierefreie Zugang in die Waggons seien heute Stand der Technik.

Edgar Neumann führt weiter aus, dass die Bahn künftig mit deutlich geringeren Zuschüssen auskommen werde, als im derzeit geltenden "Großen Verkehrsvertrag". Der wurde 2003 von der CDU/FDPKoalition abgeschlossen und gilt bis Ende 2016. Pro Zugkilometer zahlt das Land bis dahin 11,69 Euro. Weitere Details will das Ministerium für Verkehr und Infrastruktur nach Zuschlagserteilung in etwa zwei Wochen, nach Ablauf der Widerspruchsfrist, bekannt geben. "Eine gute Handvoll Bewerber" habe es bei dieser Ausschreibung gegeben, sagt Neumann.

Kritisch geht der CDU-Landtagsabgeordnete Helmut W. Rüeck mit der an sich guten Nachricht ins Gericht. "Das wäre mit einem gut geplanten Ausschreibungsverfahren bereits für 2016 zu erreichen gewesen. Schade, dass Verkehrsminister Hermann die Ausschreibung nicht, wie von der CDU gefordert, rechtzeitig gestartet hat. Dann hätte das Land Geld gespart und Berufspendler und Reisende viel früher von einem besseren Angebot profitiert."

"Als ich das gehört habe, hab ich mich vor Freude auf den Hintern gesetzt", sagt der SPD-Landtagsabgeordnete Nikolaos Sakellariou. "Neue Züge, Halbstundentakt und Wlan, das haben wir immer gewollt. Ein Jahr später fährt alle zwei Stunden auch noch der IC auf der Murrbahn. Das sind gute Zeiten für Bahnfahrer."

Ganz ähnlich sieht es sein Kollege Friedrich Bullinger (FDP). "Es ist für die Infrastruktur der gesamten Region positiv, dass nach langer Ungewissheit nunmehr Einigkeit zwischen dem Land und der DB-Regio über die Murrbahn erzielt wurde. Insbesondere der barrierefreie Zugang, Wlan sowie das deutlich verbesserte Wagenmaterial waren mir seit Anbeginn meiner Landtagszugehörigkeit ein Herzensanliegen." Nun müsse die Landesregierung Wort halten und die halbstündige Vertaktung realisieren.
 


Die neuen Fahrzeuge auf der Murrbahn

Waggons Vierteilige Fahrzeuge der Baureihe "Talent 2" des Herstellers Bombardier mit jeweils 215 Sitzplätzen, erstmals lackiert im einheitlichen Landesdesign.

Ausstattung Klimaanlage, Klapptische, Steckdosen, Mobilfunkverstärker, barrierefreie Universaltoiletten in allen Fahrzeugen, Computer-Funknetzwerk Wlan für drahtlosen Internetzugang in allen Fahrzeugen, barrierefreier Zugang zu allen Waggons, großzügige Sitzabstände

Fahrräder 30 Fahrradstellplätze pro Waggon

SWP
 



KOMMENTAR VON JOCHEN KORTE
Höchste Eisenbahn

Die alte Tante Deutsche Bahn bewegt sich doch noch. Der Wettbewerb macht’s möglich. Plötzlich soll der Bahnverkehr auf der Murrbahn attraktiver werden. Gebetsmühlenhaft ist das jahrelang vergeblich gefordert worden. Fast schon schien es, als sei der ehemalige Staatsbetrieb draußen, da legt er so ein Angebot vor. Da staunt der Fachmann und der Laie wundert sich. Offensichtlich gibt es auch im Nahverkehr etwas zu verdienen. Die DB hat das richtig erkannt. Wer künftig noch mit dem Auto nach Stuttgart pendelt, ist selber schuld.

 
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