Bäuerliche Erzeugergemeinschaft trotzt der Krise - Bestes Ergebnis aller Zeiten

Zufriedene Bauern. Die gibt es auch heute in für den Berufsstand schwierigster Zeit. Zu sehen bei´der Jahreshauptversammlung der BESH.

|
Rudolf Bühler inmitten zweier zufriedener Mitglieder:  Links steht Klaus Süpple, rechts René König.  Foto: 

Fast 1400 Mitgliedsbetriebe hat die Bäuerliche Erzeugergemeinschaft Schwäbisch Hall. Etwa 150 Landwirte und rund 30 Ehrengäste kommen am Donnerstagabend in die Festhalle der BESH. Sie wollen den Geschäftsbericht von Vorstandsvorsitzendem Rudolf Bühler  und den Finanzbericht von seinem Stellvertreter Martin Hanselmann hören.  Es sind durchweg Zahlen, die andere  Bauern in diesen schweren Zeiten neidisch werden lassen könnten.

„Wir haben unsere Mission als bäuerliche Selbsthilfeorganisation erfüllt. Wir haben ein hervorragendes Jahresergebnis erzielt, das beste seit Gründung der Bäuerlichen Erzeugergemeinschaft“, legt Rudolf Bühler los. Noch wichtiger sei, dass die 1400 Mitglieder gute und auskömmliche Preise für ihre Erzeugnisse erzielt hätten. Davon könnten sie leben und ihre Zukunftsinvestitionen bestreiten. „Hohenloher Bauern haben Zukunft“, ruft Bühler den Bauern zu und  wiederholt seine Aussage vom ersten Hohenloher Bauerntag seiner Organisation an Lichtmess in Wolpertshausen.

Solidarisches und selbstbestimmtes Handeln, der Schulterschluss mit Verbrauchern, Qualitätsführerschaft, faire Partnerschaft, nachhaltiges Denken und Handeln – das sind Kernpunkte, die Bühler für die BESH reklamiert. Er nennt Fakten.

2014 hätten die Rostbratwürstchen der BESH bei der Stiftung Warentest auf Platz eins gelegen, in diesem Jahr seien die Würstchen bei Öko-Test ganz vorn.  Alnatura, die Firma, die das Produkt vertreibt, habe eine Verdreifachung der Produktion angekündigt. Bislang  werden  jede Woche 1,5 Tonnen dieser Bratwürste komplett in der eigenen Manufaktur in Hessental hergestellt und etikettiert.

„Dass wir uns stringent auf Regionalität, Ökologie und Nachhaltigkeit eingestellt haben, zahlt sich aus. Diejenigen, die auf den Weltmarkt gesetzt haben, verführt durch den Bauernverband, stehen im wirtschaftlichen Abseits. Es spielen sich große Tragödien ab. Und noch immer verlangt der Bauernverband nach dem Weltmarkt, nach TTIP, nach Gentechnik, und pocht vehement auf die weitere Verwendung von Glyphosat. Das ist unverantwortlich und nicht zukunftsfähig“, kritisiert Bühler die Standesorganisation der Landwirte. Die gute Erlössituation seiner Mitglieder belegt Bühler mit Zahlen.  Für eine 100er-Gruppe Ferkel bis 25 Kilo liege die Preisnotiz  in Baden-Württemberg heuer bei 43,95 Euro. Für eine Gruppe Schwäbisch-Hällischer Ferkel würden 62,95 Euro erzielt.  „Bei 150 000 Ferkeln sind das rund drei Millionen Euro Wertschöpfung, die zusätzlich in der Region bleiben“, erklärt Bühler. Hinzu komme noch  die Prämie Genreserve von 160 Euro je eingetragener Schwäbisch-Hällischer Sau.

Den allgemeinen Schlachtpreis je Kilo Schwein taxierte Bühler auf 1,60 Euro. Die BESH zahle im Hohenloher Programm aktuell 1,86 Euro/Kilo, bei den Schwäbisch-Hällischen seien es 2,19 Euro, bei den Schwäbisch-Hällischen Eichelmastschweinen 3,66 Euro, bei den Bio-Schweinen vier Euro, bei Schwäbisch-Hällischen-Demeter-Schweinen 4,34 Euro. Hinzu komme die Prämie für artgerechte Tierhaltung in Höhe von 9 bzw. 14 Euro je Tier, die Grün-Rot eingeführt habe.

Auch die Milchbauern in Geifertshofen, die den Grundstoff für die Dorfkäserei  liefern, können zufrieden sein. „Deutlich über 60 Cent“, so Bühler,  gibt es für den Liter;  für Spitzenqualitäten mehr als 70 Cent. Der Marktpreis in Deutschland liege unter 25 Cent, der Weltmarktpreis bei 16 Cent. „Unsere Auszahlungspreise sind die höchsten in Deutschland und werden es auch bleiben“, verspricht der  Vorstandsvorsitzende.

„Wir können noch einige Betriebe aufnehmen, insbesondere beim Schwäbisch-Hällischen-Programm, Eichelmast und ganz dringend suchen wir noch weitere Biobetriebe“, meint Bühler.

Geliefert werde an 980 Stammkunden aus Gastronomie und Fleischerfachgeschäften.  So werde sichergestellt, nicht von einem Großkunden abhängig zu werden.

Dass auch die BESH unter den sinkenden Preisen für Schweinefleisch leidet, macht  Martin Hanselmann deutlich.  2013 hätten die Mitglieder noch 20 Cent mehr je Kilo als heute erhalten. Eine Million Euro, sprich sechs Prozent weniger, hätten die Mitgliedsbetriebe 2015 erlöst. Aus dem operativen Geschäft habe die BESH die Preise für die Erzeuger mit 500 000 Euro gestützt. „Das ist unser Satzungsauftrag. Zum Wohle unserer Betriebe zu wirtschaften“, führt Hanselmann im Gespräch mit unserer Zeitung aus.

Die Entlastung für Vorstand und Aufsichtsrat ist Formsache, alle Beschlüsse fallen einstimmig. Trotz wiederholter Fragen nach Kritik oder Wortmeldung meldet sich niemand. Das Ergebnis scheint überzeugt zu haben.

Die BESH in Zahlen

Bilanzgewinn 2015 sind 594 813 Euro ausgewiesen, 2014:  413 363 Euro

Personalaufwand 2,875 Millionen Euro (in Klammern die Zahlen aus dem Jahr 2014, da waren es 2,373 Millionen Euro)

Mitglieder 1398 (1439). Die Zahl ist laut Bühler gesunken, weil Betriebe altershalber aufgehört haben. Zudem sind die Mitgliederlisten aktualisiert worden.

Verbindlichkeiten gegenüber Kreditinstituten: 860 496 (755 781 Euro)

Anlagevermögen 1,62 Millionen Euro (1,37 Millionen Euro)

Umsatzerlöse 47,299 Millionen Euro (45,398 Millionen Euro)

Rechtsform Die Bäuerliche Erzeugergemeinschaft Schwäbisch Hall ist ein wirtschaftlicher Verein nach Paragraph 22 Bürgerliches Gesetzbuch, er wurde am 21. Juni 1988 gegründet.

Abonnieren Sie das kostenlose Morning-Briefing aus der Chefredaktion
Damit starten Sie top informiert in den Tag. Außerdem im Newsletter: Die Wettervorhersage und die aktuelle Verkehrslage in der Region.
» zur Registrierung
Kommentieren

Kommentare

03.07.2016 15:03 Uhr

Positive Bilanzen auf Kosten der Tiere

Es sind immerhin noch Lebewesen und keine Sache. Hier werden Lebewesen sprich Schweine; Kühe zu Kilopriesen verschachert. Die „BESH“ ist noch stolz darauf dass tausende Tiere geschlachtet werden, ich wäre es nicht. Und ich frage mich warum muss so ein Artikel im Hohenloher Tagblatt erscheinen?

Antworten Kommentar melden

Schreiben Sie Ihren eigenen Kommentar

noch 3000 Zeichen
Mit Ihrem Kommentar akzeptieren Sie unsere Netiquette

Für registrierte Nutzer

Melden Sie sich an und schicken Sie Ihren Kommentar ab:

Für noch nicht registrierte Nutzer

Registrieren Sie sich kostenlos, um Ihren Kommentar abzuschicken:

Ich bin damit einverstanden, dass die Neue Pressegesellschaft mbH & Co. KG und ihre Tochterunternehmen mich schriftlich (per E-Mail oder Brief) oder telefonisch über ihre Medienangebote und kostenlose Veranstaltungen informieren dürfen. Meine Daten dürfen zu diesem Zweck gemäß den Bestimmungen des BDSG gespeichert, verarbeitet und genutzt werden. Die Einwilligung kann ich jederzeit widerrufen.
Ich bin mit den Datenschutzbestimmungen einverstanden. *

Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:

neu laden
Content Management by InterRed GmbH Logo
weiter zur Startseite

5600 Leuchten ersetzt

Die Stadt Hall senkt den Strombedarf der Straßenbeleuchtung auf die Hälfte des bisherigen Verbrauchs. Bis 2019 sollen alle Lampen ersetzt sein. weiter lesen