Babyboom in Schwäbisch Hall

Unter den 1101 Kommunen in Baden-Württemberg hatte Hall eine der höchsten Zuwachsraten an Geburten im vergangenen Jahr. Der Rekord täuscht aber: Der demografische Wandel schlägt trotzdem zu.

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Sind bald mehr Kinderwägen als Rollatoren im Stadtbild von Hall zu sehen? Die Familie Öztürk (Mitte) mit ihren drei Kindern im Alter von drei, sechs und neun Jahren läuft an Thomas Eberhardt (60, rechts) vorbei.  Foto: 

Störche über Schwäbisch Hall werden bald Nackenschmerzen haben. Denn sie mussten im vergangenen Jahr weit mehr Stoffbeutel mit Neugeborenen darin ausliefern als im Vorjahr. Bleibt man im Bild des Klapperstorchs, so luden die Tiere im vergangenen Jahr an fast jedem Tag einen Haller Neubürger ab: Die Stadtverwaltung zählt 336 Geburten - das statistische Landesamt, das nach anderen Richtlinien vorgeht, kommt sogar auf 362. Nicht zu verwechseln ist diese Zahl mit den Entbindungen im Haller Diakoniekrankenhaus. Dort wurde zwar mit 1115 Geburten ebenfalls ein außergewöhnlich gutes Jahr verbucht - mehr als zwei Drittel der Mütter kommen aber von außerhalb.

Die Zahl der Geburten Halls übersteigt im Jahr 2012 die der Sterbefälle um 15 Prozent. Wird Schwäbisch Hall aus eigener Kraft heraus größer und jünger? Was ist mit dem vielbeschworenen demografischen Wandel und dem Überaltern der Gesellschaft? Während anderswo die Rollatoren-Armada anfährt, wird Hall von einer Kinderwagen-Lawine überrollt?

Zahl der Geburten und Sterbefälle hält sich die Wage

Oberbürgermeister Hermann-Josef Pelgrim winkt ab: "Die Geburtenzahlen gehen mal rauf und mal wieder runter." Pressesprecher Robert Gruner ergänzt auf Nachfrage: "Ich würde sagen, 2012 war durch Zufall ein starkes Jahr." Denn schon 2013 geht es wohl mit den Geburten wieder bergab - ist zumindest bis jetzt abzusehen. Rechnet man die Zahlen des ersten Halbjahrs hoch, erfasst vom Bereich Bürgerdienste und Ordnung, kommt man auf rund 300 Geburten in diesem Jahr. Damit wären es nicht so wenige wie im schwachen Jahr 2011 (270 Geburten). Aber eben auch nicht so viele wie in den Jahren einer hohen Geburtenzahl: 1996 kamen 415 Haller auf die Welt - eine Zahl, die seitdem nicht mehr erreicht wurde.

Mittel- und langfristig erwartet das Statistische Landesamt daher, dass die Einwohnerzahl im Südwesten zurückgehen wird. Denn aufgrund der Altersstruktur der Bevölkerung - immer mehr älteren stehen weniger junge Menschen gegenüber - werde sich das Geburtendefizit im Land stetig vergrößern. "Die zu erwartenden künftigen Wanderungsgewinne werden dann aller Voraussicht nach das deutlich steigende Geburtendefizit nicht mehr kompensieren können", schreibt das Landesamt für Statistik.

Wachstumskurs vorgegeben

In Hall sieht es noch gut aus: Die Geburten können im Rückblick auf die vergangenen zehn Jahre die Zahl der Sterbefälle in etwa aufwiegen. Das Wachstum entsteht aber durch die recht vielen Zuzügler. Lebten 1990 nur 32200 Menschen im Stadtgebiet, stieg die Zahl bis Ende Juli 2013 auf 37627. Allein in diesem Frühjahr und Sommer sind 1588 Menschen nach Hall gezogen. 1207 packten allerdings ihre Kartons und kehrten der Stadt am Kocher den Rücken zu. Betrachtet man die letzten zehn Jahre, wuchs die Stadt unter dem Strich jedes Jahr um 150 Einwohner.

Welche Konsequenz hat das? Die Stadtverwaltung legt im Stadtleitbild vier Szenarien vor, wie sich die Bevölkerung entwickeln könnte. Demnach könnte im Jahr 2025 die Zahl der Haller im besten Fall dicht an die 40.000er-Marke heranreichen - oder eben auf 35000 abfallen. Allen vier Modellen ist gleich, dass die Zahl der Generation "66+" um rund 2000 anwächst und die Menschen unter 20 um 500 bis 1000 Personen geringer ausfällt als im Basisjahr 2012.

Wachsen oder Weichen? Im Stadtleitbild 2025, das im Herbst verabschiedet werden soll, ist ein klarer Wachstumskurs vorgegeben. Neue Baugebiete sollen Wohnraum schaffen, weiche Standortfaktoren - wie Kinderbetreuung und Kulturangebote - Fachkräfte locken.

Die Störche sollen in Schwäbisch Hall nicht arbeitslos werden.

Was sich Hall vornimmt
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