Auftakt HT-Wahlstammtische in Bühlerzell: Sybille Ziegler und Rolf Funk im Interview

Die großen Investitionen abhaken und sich dann dem Schuldenabbau widmen. Das wünschen sich die erfahrenen Gemeinderatsmitglieder Sybille Ziegler und Rolf Funk in den nächsten fünf Jahren.

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"Wer zuerst zuckt, ist der Dreizehnte auf der Liste", witzelte Gerald Schreckenhöfer, als beim HT-Wahlforum zunächst kein Zuhörer Fragen an die beiden Gemeinderatsmitglieder auf dem Podium, Dr. Sybille Ziegler und Rolf Funk, richten wollte. Schreckenhöfer hat 1984 die Liste der Demokratischen Wähler als Alternative zu den Freien Wählern gegründet. 1999 schwächelten die Freien Wähler. Seither gibt es in Bühlerzell nur noch eine Liste: 13 Kandidaten für 13 Sitze im Gemeinderat und damit keine Konkurrenz.

Die Moderatoren des Haller Tagblatts, Chefredakteur Dr. Marcus Haas und Redakteur Jochen Korte, versuchten vergebens, den beiden Gemeinderäten gegensätzliche Ansichten zu entlocken. Die Harmonie überwiegt: Im Gremium gibt es wenig Reizthemen, die zwischenmenschliche Beziehung zu Bürgermeister Franz Rechtenbacher stimmt und Bühlerzell ist eine angenehme Gemeinde, "wo sich das Leben abspielt", so Sybille Ziegler. Die Allgemeinärztin mit eigener Praxis ist seit 1999 im Rat.
 

„Bürgermeister Franz Rechtenbacher blockt manchmal, wenn es um die Unterstützung der Vereine geht. Aber er wird dann im Gemeinderat überstimmt.“ Gemeinderat Rolf Funk

"Warum dann überhaupt noch zur Wahl gehen?", fragte Marcus Haas provokant. 2009 lag die Wahlbeteiligung nur bei 52 Prozent. Sybille Ziegler spürt, dass sie die Bürger im Gemeinderat nur gut vertreten kann, wenn sie genügend Unterstützung bekommt und wünscht sich eine hohe Wahlbeteiligung.

Rolf Funk, der seit 1994 ununterbrochen im Gemeinderat sitzt, bedauert das nachlassende Interesse an der Kommunalpolitik: "Es wird immer schwieriger Leute zu finden, die bereit sind, zu kandidieren." "Dabei ist der Zeitaufwand für das Amt durchaus überschaubar", fügt Dr. Ziegler hinzu.

Rolf Funk, der als E-Jugend-Trainer oft auf dem Fußballplatz zu aktuellen Themen angesprochen wird, sieht vor allem bei der Windenergie noch Gesprächsbedarf.

"Die anfängliche Goldgräberstimmung und Euphorie ist verflogen. Bei der Umsetzung fehlt es an Verlässlichkeit und Sicherheit", findet er und meint, "dass die ganze Geschichte von der Politik übers Knie gebrochen wurde". Er könne nicht prognostizieren, wann sich auf Bühlerzeller Gemarkung das erste Windrad drehen wird.

Herausforderungen hat die Flächengemeinde im oberen Bühlertal mit Wasser, Abwasser und seinen 30 Kilometern Gemeindeverbindungsstraßen.

"Da ist viel Geld vergraben worden und man sieht es nicht", klagt Funk im Hinblick auf die Abwasserentsorgung. Sybille Ziegler ist froh, wenn dieses Thema endlich abgeschlossen ist. "Die Gemeinde hat da enorm viel investiert."
 

„Kontakt zu mir nehmen die Menschen meist in meiner Sprechstunde auf. Wenn ich sage, Sie können sich wieder anziehen, kommt noch was zum Abwasserbescheid.“
Gemeinderätin Sybille Ziegler

Ein Ärgernis für beide ist, dass Bühlerzell nun auch noch bei der Wasserversorgung für die Feriensiedlung Grafenhof auf Bühlerzell Gemeindegebiet in die Pflicht genommen wird. "Die Gemeinde ist vom Haller Landratsamt verdonnert worden, für sauberes Wasser zu sorgen, weil der Besitzer kein Geld dafür hat", klagt Ziegler. "Wir sollen uns die Kosten vom Besitzer zurückholen, aber der zahlt nicht", ergänzt Rolf Funk. "Da hat es schon mehrere Insolvenzen gegeben. Über die Jahre kommen ganz schöne Summen zusammen."

Froh über niedrigen Zinssatz bei den Schulden

Summiert haben sich auch die Schulden in Bühlerzell. Von derzeit 1290 Euro pro Kopf will die Gemeinde bis 2017 auf unter 1000 Euro kommen. Doch erst einmal stehen 1,7 Millionen Euro für Kindergarten, Mensa und Ganztagsbetreuung an. Dann kommt die Generalsanierung der Grundschule und ein neuer Pausenhof für 830.000 Euro, zuletzt noch neue Feuerwehrfahrzeuge für 600.000 Euro.

"Die Schule soll erhalten bleiben", fordert Ziegler. Funk hält die Kinderbetreuung für wichtig. "Nur so können wir unsere Einwohnerzahl von 2000 halten." Bei der Schuldenlast ist er froh, dass der Zinssatz deutlich niedriger ist als noch vor 20 Jahren. "Wir müssten sonst glatt das Doppelte an Zinsen zahlen." Beide sehen langfristig den Schuldenabbau als oberstes Ziel.

Die sprudelnden Gewerbesteuereinnahmen mit jetzt über 600.000 Euro tragen dazu bei, ließen sich aber nur schwer steigern. "Betriebsansiedlungen im großen Stil sind bei uns nur schwer möglich. Dafür sind wir zu weit von der nächsten Autobahn entfernt", gibt Sybille Ziegler zu bedenken.

Die Wortmeldungen aus dem Publikum befassten sich alle mit den schlechten Feld- und Waldwegen in der Gemeinde, die schon lange nicht mehr für die schweren und breiten Fahrzeuge ausgelegt sind. "Die wassergebundenen Wege werden über die Jagdpacht saniert. Sorgen machen uns aber die Gemeindeverbindungsstraßen", meldete sich nun auch Bürgermeister Rechtenbacher zu Wort. "Dafür müsste man mal richtig viel Geld in die Hand nehmen und ordentlich was tun", fand auch Rolf Funk.

Info Der nächste Stammtisch zur Kommunalwahl ist am Dienstag, 25. März, um 19 Uhr im Vereinsheim des SV Großaltdorf, Im Geißholz 1 (zwischen Großaltdorf und Lorenzenzimmern). Mit HT-Chefredakteur Dr. Marcus Haas und Redakteurin Elisabeth Schweikert diskutieren Walter Neumann und Dr. Kathrin Heinritz von der Freien Wählervereinigung und Roland Rüdel und Kurt Lanzendorfer von der Vellberger Wählervereinigung. Der Eintritt ist frei. Das erste Getränk gibt es umsonst. Zudem werden Platten mit belegten Brötchen kostenlos serviert.

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