Aufrecht, unbequem, konsequent

Er überlebte das KZ Buchenwald und half Mithäftlingen: Vor 25 Jahren ist der Haller Notar Alfred Leikam gestorben.

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Alfred Leikam erhält 1979 das Bundesverdienstkreuz. Es wird ihm überreicht von Halls OB Karl Friedrich Binder.  Foto: 

Wer an Christen denkt, die im Widerstand gegen die Nationalsozialisten aktiv waren, dem fallen etwa Bonhoeffer oder die Geschwister Scholl ein. Weniger bekannt wurde der ehemalige Haller Notar Alfred Leikam. Dem aufrechten, unbequemen und konsequenten Mann war jegliche Beweihräucherung fremd. Und für ihn war die menschliche Unterstützung seiner Mithäftlinge im Konzentrationslager Buchenwald Ausdruck eines selbstverständlich gelebten Glaubens. Über jene Zeit zu schweigen, das half ihm aber auch, zu überleben. Seiner Frau hatte er verboten, nach den Erlebnissen im KZ zu fragen – „sonst bin ich ein toter Mann“.

Theologie hat ihn geprägt

Geboren wurde Leikam am 1. September 1915 in Korb bei Waiblingen. Als 15-Jähriger leitete er den örtlichen CVJM (Christlicher Verein Junger Menschen). Er absolvierte eine Ausbildung zum Bezirksnotar. Durch den Pfarrer Helmut Goes befasste er sich intensiv mit der Theologie. Mit der zunehmenden Macht der Nationalsozialisten wurde Leikam zum erklärten Gegner der neuen Herrscher. 1937 bei einer Diskussion im Rathaus Korb äußerte Leikam, er werde „den Nationalsozialismus bekämpfen bis aufs Messer“. Zwei Monate später wurde er von der Gestapo verhaftet und kam im November 1938 ins KZ Buchenwald, wo er unter anderem als Häftlingsschreiber im Krankenbau arbeiten musste. Er setzte sich für Mitgefangene ein, sicher ist auch, dass er einem holländischen Juden das Leben rettete.

Ende 1943 wurde Leikam aus Buchenwald entlassen. In Waiblingen heiratete er 1945 Maria Kurz. Die beiden bekamen drei Kinder. 1961 kam Leikam als Notar nach Hall, wo er sich politisch und kirchlich engagierte. Er war SPD-Kreisvorsitzender, Kreisrat und Kirchengemeinderat. Am 8. Februar 1992 starb er in Blaufelden.

Die Ehrung als „Gerechter unter den Völkern“ – den Antrag hierfür stellte sein Freund Fritz Laukenmann – erhielt er zehn Jahre nach seinem Tod.

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