Auch für Arbeitnehmer attraktiv

Wolpertshausen hat in den letzten Jahrzehnten eine Entwicklung hingelegt, die sogar einem Geografie-Schulbuch einen Bericht wert ist.

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Die Türen in Wolpertshausen stehen weit offen für neue Betriebe: Gottfried Gronbach vermietet Platz in einer Halle und entwickelt ein Gewerbegebiet.  Foto: 

Kein Wunder, dass auch die Zahl der Arbeitsplätze in Wolpertshausen hoch ist. Derzeit sind es 1170 ­– 2011 waren es noch 1046. Die Tendenz ist steigend. Entsprechend groß ist die Zahl der Einpendler, also die Anzahl der Personen, die aus einer anderen Gemeinde nach Wolpertshausen zum Arbeiten kommen. Das sind aktuell 969.  Auspendler gibt es mit 751 weniger. „Damit sind wir natürlich zufrieden“, sagt Bürgermeister Jürgen Silberzahn. „Wir freuen uns über jeden Arbeits- und Ausbildungsplatz in der Gemeinde.“

Als Silberzahn 1990 nach Wolpertshausen gekommen ist, gab es noch kein Gewerbegebiet: „Das war damals noch nicht nötig. Wir waren landwirtschaftlich geprägt.“ Doch mit den Gewerbegebieten kam auch das, worauf Silberzahn heute stolz ist: die Entwicklung. Mehr Firmen, mehr Arbeitsplätze, mehr Leute, die die Infrastruktur aus gemeindeeigenen Hallen, der Grundschule und den Kindergarten nutzen.

Dass dies so gut – und so exemplarisch – geklappt hat, war einem Geografie-Schulbuch aus dem Verlag Seydlitz sogar einen Bericht über Wolpertshausen wert. Bürgermeister Silberzahn hat ihn geschrieben. „Wer hätte gedacht, dass ich mal in einem Schulbuch auftaucht?“, sagt er und ist – natürlich nur stellvertretend im Namen seiner Gemeinde –  auch hierauf stolz.

In Wolpertshausen wurde früh Wert auf Ressourcenschonung gelegt. Schon in den 1990er-Jahren gab es in der Gemeinde Energiesparbirnen in den Straßenlaternen und eine Nachtabschaltung. „Nachts braucht man ja kein Licht. Der Marder kommt auch im Dunkeln zurecht“, meint Silberzahn augenzwinkernd. „Außerdem haben wir hier schon Wind­räder gebaut, da hat das noch keiner gemacht.“ Auch die Bewohner seien für regenerative Energien immer offen gewesen. „Die Entscheidung für die Wind­räder war damals einstimmig, wenn ich mich recht erinnere“, sagt Silberzahn. Heute erzeugt Wolpertshausen mehr Strom, als es selbst verbraucht. „Wir hatten hier sehr früh Pioniere für Solar­thermie und Photovoltaik“, sagt der Schultes. Hilfreich sei auch gewesen, dass die Stromversorgung in Wolpertshausen damals noch (bis 2012) bei dem kleinen Energieunternehmer Ley lag, meint Silberzahn. „Die haben regenerative Energien immer unterstützt.“

Alternative Energien

Früh schon gab es in Wolpertshausen eine Gemeinschafts-Biogasanlage, die jetzt durch eine Hackschnitzelanlage unterstützt wird. Damit heizt Gottfried Gronbach seinen Ökopark. Das sind Häuser, Büros und eine große Halle. Diese ist gerade erst fertig geworden und steht noch zur Hälfte leer. „Hier können sich Handwerksbetriebe einmieten, die sich vergrößern, aber noch nicht selbst bauen wollen“, sagt Gronbach. Er führt derzeit Gespräche mit Interessenten. Im Bürohaus stehen ebenfalls noch Räumlichkeiten zur Verfügung, die angemietet werden können. Die Türen in Wolpertshausen stehen also weit offen für die Ansiedlung neuer Betriebe.

Eine gute Anbindung

Was aber spricht für Wolpershausen als Arbeits- und Wohnort? Die Gemeinde liegt mitten im Landkreis, ist mit der Bundesstraße und der Autobahn gut ans Straßennetz angeschlossen. Der Bus von Crailsheim nach Schwäbisch Hall hält ebenfalls in der Ortschaft – die beiden größeren Städte sind also auch mit dem öffentlichen Nahverkehr gut zu erreichen.  „Außerdem haben wir mit der Bäuerlichen Erzeugergemeinschaft Schwäbisch Hall und der Landmetzgerei Setzer zwei Versorgungsbetriebe am Ort“, sagt Gronbach. „Welche Gemeinde in vergleichbarer Größe hat das schon?“

Ein Gewerbeverein fehlt noch

Allerdings: Einen Gewerbeverein gibt es nicht in der Gemeinde. „Aber alle Gewerbetreibenden haben eigentlich Interesse an einer Gründung bekundet“, meint Gronbach. Das sei bei der großen Gewerbeschau in Wolpertshausen vor zwei Jahren mehr als deutlich geworden. Gescheitert ist es bis jetzt allerdings an einem Punkt: „Es war halt noch keiner da, der‘s machen wollte“, sagt Gronbach.

Von einem landwirtschaftlich geprägten Dorf hat sich Wolpertshausen in den vergangenen 50 Jahren zu einer Gemeinde entwickelt, die mehr Arbeitsplätze als Einwohner hat. Sie bietet einer ganzen Reihe von Industriebetrieben und weiterem Gewerbe eine Heimat.

Die Landwirtschaft gibt es noch, auch wenn hier die Zahl der Betriebe in den vergangenen Jahren abgenommen hat und weiter abnimmt. Während es im Jahr 1979 noch 92 landwirtschaftliche Betriebe im Haupterwerb und 24 im Nebenerwarb gab, verringerte sich die Zahl jeweils auf 28 Haupt- und 14 Nebenerwerbslandwirte im Jahr 2007. Die jüngsten Zahlen, die das Bürgermeisteramt zur Verfügung stellen konnte, stammen von 2010. „Und sie sind danach noch weiter massiv gesunken“, sagt Bürgermeister Jürgen Silberzahn. uts

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