Der Wirtschaftsweise Lars Feld spricht in Hall - Produktivität lässt nach

Wer genau hinhörte, erkannte die Kritik von Lars Feld an Entscheidungen der Bundesregierung: Rente mit 63, Mütterrente und Mindestlohn seien Fehler. Viele Investitionen förderten nicht die Produktivität.

JÜRGEN STEGMAIER |

Die Augen des Wirtschaftswissenschaftlers funkelten - gerade dann, wenn Deutschland nicht besonders schmeichelhaft davonkommt. "Für Ökonomen ist es in turbulenten Zeiten interessanter", verriet Lars Feld am Dienstag in der Haller Bausparkasse seinen knapp 200 Zuhörern.

Eingeladen hatte die Südwestbank. Deren Vorstandssprecher Wolfgang Kuhn bezeichnete Feld als den Shooting-Star der deutschen Finanzökonomie. Der Freiburger Professor ging auf diese Schmeichelei mit keiner Silbe ein - vielleicht, weil er Lorbeeren gewohnt ist. Im Alter von 35 Jahren übernahm er seine erste Professur in Marburg. Inzwischen leitet er das Walter-Eucken-Institut an der Universität Freiburg. Dort ist er Professor für Wirtschaftspolitik und Ordnungsökonomie. Im Alter von 45 Jahren, das war 2011, wurde er Mitglied im Sachverständigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung Deutschlands. Die fünf Mitglieder des Sachverständigenrats werden vom Volksmund "Wirtschaftsweise" genannt. Im November stellten sie ihr aktuelles Gutachten der Bundeskanzlerin vor. Daraus gewährte Feld am Dienstag in Hall Einblicke aus erster Hand.

"Die Konjunktur ist auf Dope", behauptete der Wirtschaftsprofessor. Getrieben sei die Entwicklung vom privaten Konsum. Dieser werde beflügelt vom Abbau der Arbeitslosigkeit, dem Anstieg der Beschäftigung sowie der positiven Reallohnentwicklung.

Einen Schwerpunkt setzte Feld mit dem Thema Produktivität. Diese habe sich in der deutschen Wirtschaft zuletzt negativ entwickelt. Feld betonte, dass es bei Investitionen darauf ankommt, dass sie die Produktivität steigern.

Beim Thema Flüchtlinge positionierte sich der Ökonom klar: "Das ist eine humanitäre Aufgabe. Es geht dabei nicht darum, ob die Bewältigung der Flüchtlingsmigration gut ist für die deutsche Wirtschaft." Die Hilfe für Flüchtlinge werde sich im nächsten Jahr mit einem Plus von 0,2 Prozent auf das Wachstum der deutschen Wirtschaft auswirken. "Die Flüchtlingsmigration ist für Deutschland zu bewältigen", zeigte sich der Wirtschaftswissenschaftler überzeugt.

Die Banker unter den Besuchern versuchte Feld mit seiner Ansicht zu beruhigen, dass die expansive Geldpolitik in Europa - Ursache für die extrem niedrigen Zinsen - vielleicht schon im Frühjahr endet.

Die Südwestbank ist seit 1923 in Hall vertreten

Größe Dr. Wolfgang Kuhn ist Vorstandssprecher der Südwestbank. Diese hat ihren Sitz in Stuttgart. Seit 1923 betreibt die Bank eine Niederlassung in Schwäbisch Hall. Diese wird von Michael Huber geleitet. Kuhn bezeichnet die Südwestbank als größte unabhängige Privatbank Baden-Württembergs und als Nummer 2 in Deutschland. Zum aktuellen Geschäftsjahr sagte Wolfgang Kuhn: "Das Kreditgeschäft zieht ständig an, der Zinsüberschuss wächst solide." just

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