Psychologe Hans-Dieter Hermann spricht über Spitzenergebnisse in Sport und Wirtschaft

Parallelen von Spitzensportlern zu Weltmarktführern hat Hans-Dieter Hermann gestern beim Gipfeltreffen aufgezeigt. Beiden Gruppen ist gemeinsam, dass die Vorleistungen immer übertroffen werden müssen.

JÜRGEN STEGMAIER |

Der schlaksige Ludwigsburger steht gelassen neben dem Rednerpult. Er scheint zu wissen, dass ihm die Manager und Eigentümer von erfolgreichen Unternehmen an den Lippen hängen werden. Es geht um Fußball. Aber auch um Freude, Kommunikation, Anerkennung und Kritikfähigkeit.

Hans-Dieter Hermann ist den Spielern der deutschen Fußball-Nationalmannschaft nahe - und vielen anderen Spitzensportlern. Als Psychologe blickt der 54-Jährige praktisch in ihre Seelen.

13. Juli 2014, WM-Finale im legendären Stadion Maracana in Rio de Janeiro: "Wir haben die vielleicht einmalige Chance, Weltmeister zu werden", denken die einen. "Wenn es schief geht, sieht die ganze Welt zu", die anderen. Die einen erkennen die Herausforderung, die anderen die Bedrohung. Das eine spornt an. Das andere lähmt. Dieses Muster sei verbreitet - im Sport wie in Unternehmen, so der Psychologie-Professor.

Die Nationalmannschaft habe ihre Vorleistungen messbar übertroffen, so Hermann. Beim Sommermärchen, der WM 2006, habe die durchschnittliche Kontaktzeit des Balles am Fuß eines deutschen Spielers 2,9 Sekunden betragen. In Brasilien 0,9 Sekunden.

Werden die Vorleistungen nicht erreicht, erkennt Hermann zweierlei Reaktionen: Die einen würden ihre Schwächen, aber auch neue Chancen erkennen, sie legten nach und verbesserten sich. Andere betonten die ungünstigen Umstände. Eine starke Stellung auf dem Weltmarkt lasse sich damit allerdings nicht halten oder zurückerobern.

Aus Fehlern lernen sei ein Schlüssel. So erklärt sich Hermann den 7:1-Halbfinal-Sieg gegen Brasilien. Die Ursachen für diese Leistung sieht er in der Partie gegen Schweden, als Deutschland eine 4:0-Führung verspielt habe. Als es gegen Brasilien wieder 4:0 stand, habe Miroslav Klose seinen Mitspielern erklärt: "Wir spielen weiter. Tor für Tor. Aber wir jubeln nicht mehr."

Die Zusammenarbeit mit dem Kletterer Stefan Glowacz habe Hermann dagegen gelehrt, dass Freude elementar ist für den Erfolg. "Wenn du weiterkletterst, ohne Freude zu haben, dann entscheidet irgendwann der Berg", so Hermann, der damit einen Absturz andeutet.

Empfehlungen gibt Hermann seinem wirtschaftsstarken Publikum nicht, doch seine Geschichten übertragen sich praktisch von alleine vom Sport auf die unternehmerische Ebene.

So auch das Beispiel von Vicente del Bosque, einem der weltweit erfolgreichsten Fußballtrainer. Die Kommunikation mache mehr als die Hälfte der Arbeit des Spaniers aus. In diesem Punkte würden sich Trainer und Manager nicht unterscheiden. "Kommunikation ist die Bringschuld der Führungskräfte", so Hermanns Erkenntnis.

Am Schluss packte Hermann dann doch einen Ratschlag an die Manager beim Gipfeltreffen aus: "Nehmen Sie sich nicht so wichtig. Der Chef sollte auch mal eine Niederlage einstecken können - und daraus lernen."

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Themenschwerpunkt

Das Gipfeltreffen der Weltmarktführer vom 27. bis 29. Januar.

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