Die vertuschten Phantombilder aus Heilbronn

Der Fall um die 2007 in Heilbronn ermordete Polizistin bleibt voller Widersprüche. Phantombilder hätten helfen können – blieben auf Anordnung eines Staatsanwalts aber unter Verschluss.

THUMILAN ... | 5 Meinungen
Herbert Tiefenbacher ist ein großgewachsener Mann, wirkt souverän. Er ist stolz auf seine Arbeit, stolz auf seine Kollegen. Dennoch ist Verbitterung in seiner Stimme zu hören, als der 64-jährige Kriminalbeamte, der seit zwei Jahren pensioniert ist, im Prozess gegen den mutmaßlichen Nationalsozialistischen Untergrund vor dem Oberlandesgericht in München aussagt.

Nach dem Polizistenmord am 25. April 2007 – Michele Kiesewetter wurde im Streifenwagen mit einem Kopfschuss getötet, ihr Kollege Martin Arnold überlebte schwerverletzt – ermittelte zunächst die Heilbronner Polizei. 2009 wurde der Fall an das Landeskriminalamt übergeben.

Tiefenbacher verliert kein schlechtes Wort über seine Kollegen in Heilbronn – offenkundig sind aber Fehler, die damals gemacht wurden. Jahrelang wurde ein Phantom gejagt, weil zur Spurensicherung kontaminierte Wattestäbchen eingesetzt worden waren. Videoaufzeichnungen von Tankstellen, Bäckerei und Hubschrauber wurden nicht ausgewertet, auch nicht hunderte Funkzellendaten der Handynetze. Das geschah alles erst zwei Jahre nach der Tat. Die privaten E-Mails von Kiesewetter wurden bis heute nicht überprüft. Die Ermittlungen gerieten ins Stocken.

Tiefenbacher war dabei, als der Polizist Arnold vernommen wurde – zwölfmal. „Beim ersten mal haben wir ihn behandelt wie ein rohes Ei.“ Der Überlebende habe sich sehr sicher gezeigt, sei von den Ermittlern nie unter Druck gesetzt worden. „Er war in Vollbesitz seiner geistigen Kräfte.“ Und: Er konnte sich an Tat und Täter erinnern.

Arnold ist nicht der einzige, der Hinweise geben konnte. „Es gab schon am Anfang mehrere Zeugen, die blutverschmierte Männer sahen.“ Ein Ehepaar habe einen Mann beobachtet, der beim Nähern eines Polizeihubschraubers in die Hecke gesprungen sei. Mehrere Zeugen berichten von einem dunklen Audi, in den ein blutverschmierter Mann gestiegen war. Auch ist die Rede von einer Frau mit Kopftuch.

Tiefenbacher und seine Kollegen waren überzeugt, wollten drei von 14 Phantombilder veröffentlichen. Der Heilbronner Staatsanwalt Christoph Mayer-Manoras untersagte dies aber, so Tiefenbacher.

Die Verteidiger der Hauptangeklagten Beate Zschäpe halten sich – wie an den meisten Prozesstagen – mit Nachfragen zurück. Dafür meldet sich Olaf Klemke zu Wort, Verteidiger des mutmaßlichen NSU-Helfers Ralf Wohlleben: „Haben Sie nachgefragt, wieso er Ihnen das untersagt hat?“ „Das steht mir nicht zu“, meint der Kriminalbeamte. Klemke: „Hätten sie nicht auch Einwände erheben können?“ „Ich habe es damals nicht gemacht.“ Hat es etwa Druck von den eigenen Vorgesetzten gegeben? Tiefenbacher enthält sich jeglichen Kommentars.

Er vermutet aber, dass der Grund für die Nichtveröffentlichung in einem Gutachten liegt, das der Staatsanwalt selbst in Auftrag gegeben hatte. Demnach sind die Angaben des verletzten Polizisten nicht verwertbar. Das LKA hatte, so steht es in den Akten, eine ganz andere Meinung. Denn Arnolds Angaben passen zur Tatrekonstruktion.

Nebenklagevertreter Yavuz Narin weist darauf hin, dass die Beobachtungen der Zeugen „doch sehr plausibel waren“, was Tiefenbacher bestätigt. Narin: „Ist es üblich, dass in einem Fall so viele Zeugen blutverschmierte Personen sehen?“ Tiefenbacher ist dazu kein anderer Fall bekannt, bei dem es so eindeutig war.

Dennoch wurden von Staatsanwalt Mayer-Manoras auch die Zeugen als unglaubwürdig abgestempelt, obwohl in diesen Reihen ein V-Mann gelistet ist, der von der Behörde als zuverlässig eingestuft wurde.

Zu Mayer-Manoras Entscheidung gibt es heute keine Auskunft mehr. Die Pressehoheit liege bei der Generalbundesanwaltschaft (GBA), teilt Erster Staatsanwalt Harald Lustig aus Heilbronn mit. Auch die GBA wertet die Hinweise der Zeugen als unglaubwürdig – wohl auch, weil keine der Beschreibungen zu Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt passen. Laut Staatsanwälte kämen nur diese beiden als Täter in Frage.
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5 Kommentare

08.02.2014 10:03 Uhr

Herr Arnold´s Falschaussage beim U-Ausschuss

Tiefenbacher: „Er war in Vollbesitz seiner geistigen Kräfte.“ Und: Er konnte sich an Tat und Täter erinnern.

Tja, Herr Arnold hatte doch vor ein paar Tagen als Zeuge im U-Ausschuss dahingehend gelogen, dass er sich an nichts mehr erinnern kann, einen Blackout hat, der ca. 10min vor dem Überfall einsetzt. Dazu habe ich ja schon zwei Kommentare geschrieben:
http://www.swp.de/schwaebisch_hall/nachrichten/politik/nsu./NSU-Prozess-Kiesewetters-Kollege-bringt-kein-Licht-ins-Dunkel;art4306,2403901#kommentare

Welche (Schwäbisch Haller) Kollegen muss er schützen? Evtl. die, die auch Raubüberfälle auf Geldtransporter verüben und Wachleute ermorden und Unschuldige dafür in den Knast sollen?

Mein letztes Schreiben an den Generalbundesanwalt anno 2005 wurde dahingehend kommentiert, dass die Heilbronner Sta.schaft gegen sich selber ermitteln soll. Für wie dämlich hält man eigentlich das Volk??

Staatsrechtler Hans Herbert von Arnim:
"Hinter die Kulissen zu schauen heißt zu erkennen: Hinter der demokratischen Fassade wurde ein System installiert, in dem völlig andere Regeln gelten als die des Grundgesetzes. Das System ist undemokratisch und korrupt, es missbraucht die Macht und betrügt die Bürger skrupellos".

Buchautor und Journalist Jürgen Roth:
"Politiker (und Schwäbisch Haller Beamte bei Juxtiz und Bolizei) haben massive Interessensverflechtungen mit der Organisierten Kriminalität und unterbinden oder blockieren gezielte Ermittlungen".

Ulrike Meinhof, RAF-Mitglied (1934-1976)
"Wir können sie nicht zwingen, die Wahrheit zu sagen, wir können sie aber dazu bringen, immer dreister zu lügen."

Guido Westerwelle (FDP)
"Diese Terroristen sind brutale Kriminelle, die auch vor der Ermordung von Unschuldigen keinen Halt machen." (Schwäbisch Haller Bolizisten mit ihren Handlangern und AZUBIS beim NSU)

+++ Nicht vergessen – nicht vergeben +++
Schaut euch die Laternen nochmals von unten an!!
http://siggi40.de/schwaeb-hall/

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09.02.2014 13:07 Uhr

sorry

Nicht U-Ausschuss, sondern Münchner Kasperl-Theater natürlich.

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01.02.2014 16:20 Uhr

grosse Quizfrage

Hat eine der oben abgebildeten Figuren Ähnlichkeit mit einer Person die hier zu sehen ist, insbesondere mit der vom 25. Oktober 2008 :
http://gamma.noblogs.org/archives/1105
Besteht eine Ähnlichkeit zwischen einem der Phantome und dieser Person :
http://www.boa-ist-das-schlecht.de/sites/default/files/user2/thino_brand.jpg
http://mobil.frankenpost.de/storage/scl/intern/import/fp-mpo/laenderspiegel/ofrbay/2659635_m1t1w260q75v25848_npnd_ari_brandt_tino_310813_1.jpg?version=1380583405

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01.02.2014 13:03 Uhr

Ein Untersuchungsausschuss !

Ist zwingend !! notwendig !!!

Nicht nur die Angehörigen ! auch das Volk !! hat ein Recht !!! auf Aufklärung !!!!

-----

Habe Mut, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen!
Immanuel Kant

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08.02.2014 16:20 Uhr

Ein U-Ausschuss bringt nur in einem Rechtsstaat was, davon sind wir meilenweit entfernt

Ein Beispiel, wie das bei uns in der BRD GmbH so abläuft mit einem U-Ausschuss:

+++Zeugen im Untersuchungsausschuss wurden bedroht +++
Ein deutscher Skandal und ein Armutszeugnis für unseren Rechtsstaat

Jürgen Roth Web-Blog, 14:00 Uhr, 08.07.2007. Sachsensumpf und Ministerpräsident Milbradt – Neue Enthüllungen.

Ein sächsischer Bundestagsabgeordneter hat damals ausgeplaudert, dass die Order der Chefetage lautete,
+++ der Ausschuss muss schnellstens zerschossen werden +++

40 Aktenordner mit Kopien laut Sachsens Innenminister Albrecht Buttolo von der CDU aufgrund eines „internen Missverständnisses“ vernichtet worden. Zahlreiche weitere Aktenordner mit Originaldokumenten sind indessen verschwunden und sind nicht mehr auffindbar. Monatelang waren die sächsischen Justizmafiosos damit beschäftigt, belastende Unterlagen zu vernichten und haben dann festgestellt, dass alle Anschuldigungen haltlos sind und nicht mehr nachgewiesen werden können!!! Nicht mal im tiefstem Urwald werden solche Schweinereien von ganz oben straffrei gestellt.

Das Bewusstsein der Menschen soll von den handelnden Verfassungsfeinden an den höchsten Regierungsstellen gesteuert werden.

Vom Osten lernen heißt siegen lernen, meinte Frau Merkel. Der größte Verbrecher im Sachsen-Sumpf, der jegliche Aufklärung verhinderte hatte es wörtlich genommen und wurde jetzt sogar Innen/Verteidigungsminister.

Wer die Anti-Demokratie sät, wird die Anarchie ernten. Das ist neben der polizeistaatlich erzwungenen Friedhofsruhe die einzig denkbare Folge der Negierung der Demokratie.

+++ Ein Rechtsstaat zeichnet sich dadurch aus, wie er mit solch einem Vorfall umgeht +++
"Wie unsere Körper ohne Geist, so ist ein Staat ohne Gesetz."- Cicero, Pro Cluentio 53 !
Es tritt das alte Testament in Kraft!

Albert Einstein: „Die Welt ist nicht gefährlich wegen denen, die Böses tun, sondern wegen denen, die tatenlos dabei zusehen“.

"In einer Zeit allgegenwärtigen Betrugs ist es ein revolutionärer Akt, die Wahrheit zu sagen" (George Orwell)

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Themenschwerpunkt

Die Mordserie des NSU und ihre Aufarbeitung

Die Mordserie des NSU und ihre Aufarbeitung

München/ Stuttgart: Zehn lange Jahre zog die neonazistische Terrorzelle NSU mordend durch Deutschland. Anfang 2013 hat in München der Prozess gegen die letzte Überlebende, Beate Zschäpe, begonnen. In Stuttgart tagt währenddessen ein Untersuchungsausschuss.

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