Apfelbaumallee in Rieden darf vorerst bleiben

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Es war nur eine Meldung im Haller Tagblatt vom 25. Januar, aber in Rieden hat sie große Freude ausgelöst: Die Apfelbaumallee auf dem neu ausgewiesenen Baugebiet Langäcker darf für unbestimmte Zeit weiterblühen. Wie lange, hängt von der Nachfrage nach Bauplätzen auf der Fläche ab. Gemeinderätin Dorothea Mang berichtet von den positiven Reaktionen der Ortsteilbewohner auf den neuen Gemeinderatsbeschluss.

Als Vorschlag zur Güte legte Vermessungsingenieur Matthias Käser dem Gemeinderat einen zweiten Vorentwurf für die Aufteilung des Baugebiets beim Gelände des SV Rieden vor. Die bisherige Planung hatte der Allee von Anfang an keine Chance gelassen, da eine der beiden Zufahrtsstraßen zum künftigen Wohngebiet vom Langäckerweg aus genau auf Linie der Allee verlaufen wäre. Im neuen Entwurf rückt diese Zufahrt nun etwas nach Osten. Eine Stichstraße mit Wendeplattform erschließt die sieben Baugrundstücke, auf denen dann die vielgeliebten Obstbäume erst einmal stehen bleiben dürfen. Rund 30 Bauplätze umfasst die Planung insgesamt.

Die Allee als solche kommt im Bebauungsplan aber trotzdem nicht vor. Würde sie darin als Grünfläche festgesetzt, wäre die Fläche  zweckgebunden und könnte nur nach einer erneuten Bebauungsplanänderung gerodet werden, erläuterte Käser. So weit wollten die Gemeinderäte dann doch nicht gehen. Die Bäume werden künftig lediglich geduldet, und die ausgewiesenen Bauplätze, auf denen sie stehen, sollen erst als letzte auf den Markt gebracht werden. Sobald die entsprechenden Flächen – die immerhin einen Verkaufswert von mehr als 350 000 Euro darstellen – bauwillige Käufer finden, müssen die Bäume weichen.

Noch sind die Grundstücke gar nicht im Eigentum der Gemeinde. Was die Begnadigung der Bäume zumindest teilweise zunichte machen könnte: „Wenn einer der Eigentümer im Bereich der Baum­allee sagt, ich möchte im Zuge des Verkaufs einen Bauplatz auf meinem ehemaligen Grundstück zugewiesen bekommen“, beschreibt Käser den „Worst Case“. Jedoch auch dann fiele immerhin nicht gleich die ganze Allee.

Die überwiegende Zahl der Gemeinderäte zeigte ein Herz für Äpfel und  sprach sich klar für den Kompromiss im Sinne der Riedener Bürger aus. Anderen ist die Schönheit des Ortes unter den gegebenen Umständen eher ein Dorn im Auge. Sie haben Sorge, dass die Front der Baumfreunde im Zuge der Neubesiedlung noch stärker werden könnte. Sie forderten, mit der möglichst baldigen Rodung Fakten zu schaffen. Je länger man die Bäume am Ort belasse, umso größer sei die Gefahr, dass am Ende zusätzlich zu den Alt-Riedenern auch die neuen Langäcker-Bewohner den Erhalt der Allee verlangen könnten.

„Irgendwann werden Sie die Bauplätze dort an den Markt bringen müssen“, gibt Matthias Käser zu bedenken, „denn wenn Sie im Flächennutzungsplan neue Bauflächen ausweisen wollen, müssen Sie nachweisen, dass in der Gemeinde Bedarf besteht und keine Baulücken mehr vorhanden sind.“ Dabei sei es gleichgültig, ob sich die ungenutzten Bau­flächen in Kommunal- oder Privatbesitz befänden, wobei die Behörden im letzteren Fall mitunter ein Auge zudrücken würden.

Kulturapfelbäume leben nicht ewig. Je nach Größe und Beschaffenheit des Untergrunds werden sie 20 bis 80 Jahre alt. In Fachforen werden auch seltene Baumsenioren beschrieben, die es auf 150 Jahre und mehr gebracht haben. Sicherlich spielt dabei die richtige und regelmäßige Pflege eine Rolle. Der betörende Duft der Apfelblüten liegt übrigens in der Familie: Der Kulturapfelbaum Malus domestica gehört zu den Rosengewächsen.

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