Freilichtspiele: Anwohner sind heiß aufs Zelttheater

Während unten im Tal über die Finanzierung des Globe-Neubaus gestritten wird, freuen sich Bewohner auf der Höhe über die Interimsspielzeit. Die beschert ihnen einen Biergarten.

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Es wird noch etwas dauern, bis auf dem Unterwöhrd wieder ein Theater steht. In dieser Saison wird im Zelttheater gespielt.  Foto: 

Wenn man schon mal den neuen Intendanten als Gast zum Stammtisch „Auf der Höhe“ habe, dann müsse man ihn doch zum Thema Kostenexplosion beim Globe-Theater befragen, fordert der Anwohner Wolf Döner. Kein Applaus. Das Globe ist ein Randthema bei den 40 Bewohnern des Teurershofs, der Heimbachsiedlung, des Katzenkopfs und der Breiteich, die ins Schöneck gekommen sind „Nein, nein“, entgegnet eine Bewohnerin sogleich, „das ist unser Stadtteilabend“. An diesem Montagabend gehe es nicht ums Theater im Tal, sondern um die Interimsspielzeit auf der Höhe. Die ist nötig, weil das alte Globe abgerissen und das neue Theater als zweite Spielstätte noch nicht gebaut wurde.

Christian Doll trinkt ein Schluck Gaildorfer Bier. Organisatorin Monika Duhm vom Stadtteilverein hat ihn dazu aufgefordert. Schließlich habe man zum Stammtisch geladen.  Doll schildert die Kostensteigerung von 5,2 auf 7,5 Millionen Euro mit ähnlichen Worten wie in der vergangenen Woche im Gemeinderat. Auf dem Weg von der bisherigen Sommerspielstätte zum ganzjährig bespielbaren Theater sei die Kostensteigerung erfolgt. Und: „Die Bühnentechnik ist im Grunde am Anfang nicht richtig eingeplant worden.“

Doch an diesem Abend wird nicht über die Kostensteigerung gepoltert. Die Lufthoheit über die Stammtische im Speiseraum gehört den Themen auf der Höhe. Die Bewohner freuen sich schon: Sie müssen nicht mehr runter zum Kocher oder zur Treppe zum Theater. Die Freilichtspiele kommen für eine Spielzeit ins Zelt des Circus Compostelli. Das steht auf einer Fläche neben der Reitanlage. Es scheint weit genug weg zu sein, um alle Unannehmlichkeiten wie den Lärm durch Verkehr abzuhalten. Aber es ist nah genug, um zu Fuß von der Haustür bis vor die Bühne zu gehen.

„Wie können wir davon profitieren, dass es ein gutes Miteinander wird?“, gibt Monika Duhm die Devise vor. Die Antwort bleibt nicht aus. Tilman Finger steht auf und berichtet: „Wir machen die Bewirtung am Theaterzelt.“ Ein Raunen geht durch die Reihen. Denn eine Gastronomie, über die kleine Kneipe, das Stehcafé und die Sportgaststätte hinaus, scheinen sich viele zu wünschen.

„Wir werden eineinhalb Stunden vor den Aufführungen öffnen, Crêpes, Galettes, Popcorn und Brezeln anbieten“, macht der Gastronom sein Angebot im neuen Biergarten am Theaterzelt bekannt. Zudem würden Cocktails und andere Getränke ausgeschenkt. Monika Duhm ist begeistert: „Da treffen Sie den Nerv. Wir werden kommen.“ Denn mit dem bestehenden Gastronomieangebot sind einige nicht zufrieden. Das sei schon in der Vergangenheit bei den Stammtischen Thema gewesen.

Leises Trinken erlaubt

Doch es gibt einen Haken. „Wir dürfen die Vorstellungen nicht stören“, berichtet Tilman Finger, der mit seinem Stand 360-Grad-Crêpes den Haller Weihnachtsmarktbesuchern bekannt ist. Die Zeltwand halte keinen Lärm ab. Christian Doll relativiert die Ausschankregelung: „Wir haben das bei meiner vorherigen Station in Bad Gandersheim auch schon gemacht, dass während der Vorstellung nebenan bewirtet wurde.“ Mit entsprechenden Hinweisschilder könne es klappen. Er sei zumindest für einen Versuch offen. Aber auch nach Vorstellungsende soll es noch ein Bier geben.

Doll stellt den Anwohnern die Freilichtspiele-Saison vor. Die staunen nicht schlecht, als ihnen klar wird, dass sogar das Eröffnungsfest zu Saisonbeginn im und ums Zirkuszelt herum gefeiert wird. Verschiedene Ideen werden diskutiert: Sollen die Bewohner eine Vorstellung gemeinsam besuchen? Könnte das Zelt in Spielpausen für Kulturevents genutzt werden?

Doll zeigt sich an vielem interessiert, macht aber Vorbehalte: Er muss mit den Schauspielern seine erste Spielzeit vorbereiten und zugleich den Theaterneubau begleiten.

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