Anspruch und Realität in Hall

Die Holbein-Madonna in der Johanniterhalle, Werke von Picasso in der Kunsthalle Würth, mittelalterliches Fachwerk in der Altstadt, dazu die Freilichtspiele auf der Treppe vor St. Michael: Schwäbisch Hall hat so einiges zu bieten – und versteht sich zu Recht als Kultur- und Tourismusstadt und wirbt mit dem Slogan „Die kleinste Metropole der Welt“.

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Auch die Freilichtspiele auf der Treppe vor St. Michael ziehen viele Touristen nach Schwäbisch Hall.  Foto: 

Die Stadtverwaltung untermauert das mit Übernachtungszahlen. Rund 220.000 seien es 2015 gewesen, sagt Erste Bürgermeisterin Bettina Wilhelm. Bei 39.000 Einwohnern kommen auf jeden Haller im Schnitt 5,6 Übernachtungsgäste. Klingt nach viel – ist das auch so?

Einen Anhaltspunkt kann das Magazin „fashionlane.de“ bieten, das hierzu Übernachtungsdaten von 250 Städten und Gemeinden ausgewertet hat. Die Reporter fanden nämlich die „heimlichen Touristen-Hochburgen“ in Deutschland.

Nach dieser besonderen Würdigung werden aber im Haller Rathaus wohl keine Sektkorken knallen. Die schmucke Kocherstadt wird im Bericht nicht als besonders gut besuchte Touristen-Hochburg genannt – sie schaffte es nicht mal auf die Liste der 250 abgefragten Städte.

Magazin wertet Übernachtungen in Städten aus

Waren in der Magazin-Redaktion nur Kulturbanausen am Werk? Und ist Hall eine noch geheimere Touristenhochburg als Norddorf auf Amrum, Spitzenreiter im Bericht?

Weit gefehlt! Nordrum hat rund 560 Einwohner, aber 335.124 Übernachtungen im Jahr 2015. Pro Kopf sind das stolze 625. Es folgen Ediger-Eller in Rheinland-Pfalz mit einer Quote von 486 sowie die Ostfriesen-Insel Langeoog mit 425. Allesamt Orte mit relativ wenigen Einwohnern.

Berlin etwa mit rund 31 Millionen Übernachtungen landet mit 3,5 Millionen Einwohnern auf Platz 122 der Liste. Allerdings liegt auch die Hauptstadt mit einem Verhältnis von 8,7 Übernachtungen je Einwohner noch vor Hall. Die Kocherstadt, wenn sie denn in der Umfrage aufgenommen worden wäre, hätte es auf Platz 145 geschafft – zwischen Köln (sechs Millionen Übernachtungen, eine Million Einwohner / Verhältnis 5,7) und St. Wendel im Saarland (141.000 Übernachtungen, 26.000 Einwohner / Verhältnis 5,5).

Hall braucht sich dennoch nicht zu verstecken. Heilbronn mit dreimal so vielen Einwohnern hatte 2015 rund 331.000 Übernachtungen. Pro Kopf sind das 2,8. Stuttgart ist dagegen knapp besser als Hall – mit 3,56 Millionen Übernachtung bei 620.000 Einwohnern. Pro Kopf macht das 5,8 Übernachtungen.

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