„Lachen verboten!“ im Haller Theaterzelt: Anrührendes Slapstick-Feuerwerk

Max Merker und Aaron Hitz gelingt mit ihrer Buster-Keaton-Hommage „Lachen verboten!“ im Haller Theaterzelt eine charmante Verneigung vor dem legendären Stummfilmstar. Kurzum: ein Genuss.

|
Vorherige Inhalte
  • Keaton (Aaron Hitz) spielt für seine anmutig am Türrahmen lehnende Angebetete (Max Merker) auf der Säge eine sehnsuchtsvolle Melodie.  1/3
    Keaton (Aaron Hitz) spielt für seine anmutig am Türrahmen lehnende Angebetete (Max Merker) auf der Säge eine sehnsuchtsvolle Melodie. Foto: 
  • Mit Paddel und Netz versuchen der alte Keaton und der Tod aufeinander einzuschlagen: Das geht bis zur Erschöpfung – beider. 2/3
    Mit Paddel und Netz versuchen der alte Keaton und der Tod aufeinander einzuschlagen: Das geht bis zur Erschöpfung – beider. Foto: 
  • Max Merker (oben) und Aaron Hitz in Bühnenaktion. 3/3
    Max Merker (oben) und Aaron Hitz in Bühnenaktion. Foto: 
Nächste Inhalte

Wohl keiner konnte stürzen wie er: mit derartiger Leidenschaft, Eleganz, so voller Hingabe – und zugleich mit stoischer Miene. Buster Keaton war der Meister halsbrecherischer Stunts. Der Stummfilmstar kämpfte auf der Leinwand nicht gegen die Schwerkraft, sondern machte sich ihr zum Komplizen – mit vollem Körpereinsatz.

Den bringen auch Max Merker und Aaron Hitz mit ihrer Hommage „Lachen verboten!“ auf die Bühne des Haller Theaterzelts, dass das Premierenpublikum am Mittwochabend kaum noch aus dem Staunen herauskommt und ungläubig mit dem Kopf schüttelt. Keatons verblüffende Gags, ihre clevere Mechanik, aber auch sein tragisches Leben haben die beiden Darsteller zu äußerst unterhaltsamen und zugleich anrührenden 75 Minuten inspiriert.

Ein Leben voller Tragik

Eigentlich war das Leben von Joseph Frank, genannt „Buster“ Kea­ton (1895 – 1966), eher trostlos. Mit dem Aufkommen des Tonfilms wurde der geniale Humor-Mechaniker kaltgestellt, geriet in Vergessenheit. Der Mann mit dem so genannten Stoneface, dem Gesicht, das niemals lachte, wurde zum Alkoholiker, starb vereinsamt 1966. Auch das erzählen Merker und Hitz – rauchend, hustend, trinkend, aber eben liebevoll, mit Respekt und Humor. Zumal der anklopfende Tod im Skeletttrikot seine liebe Mühe mit dem alten Keaton hat. Und schon nimmt der Abend mit seinem Keaton-ähnlichen Slapstick-Feuerwerk seinen Lauf.

Merker und Hitz, die nicht nur spielen, was das Zeug hält, sondern das Stück auch selbst konzipiert und inszeniert haben, schaffen es, genau auf dem so feinen Grat zwischen irre-lustig und irre-tragisch zu balancieren. Beide schlüpfen in die Rolle Buster Keatons, sind auch jeweils gegenseitig Klamauk-Partner, Kollege und Geliebte, die Merker übrigens mit einem hinreißenden Tanz ausstattet. Oder eben der Tod.

Dem war Buster Keaton mit seinen riskanten Stunts wohl immer wieder ziemlich nahe. Man denke nur an eine berühmte Szene, in der eine Hausfront über ihm einbricht. Oder als er von einem Ast fällt, den er selbst absägt. Immer wieder bauen Merker und Hitz diese Film-Zitate gelungen ein – ohne dabei zu sprechen. Dafür erzählen sie mit Blicken, Gesten, Akrobatik und Musik, dass es eine Freude ist.

Wohnwagen wird zur Zauberkiste

Ihr dritter Mitspieler ist dabei das kongeniale Bühnenbild von Martin Dolnik. Keaton war von Technik und Mechanik fasziniert, was auch seine ausgetüftelten Stunts prägte. Diese Faszination muss sich auf Dolnik und die beiden Spieler übertragen haben. Der anfangs harmlos erscheinende Wohnwagen entpuppt sich im Laufe des Abends als veritable Zauberkiste, die Merker und Hitz im nonchalanten Bühnenarbeiterspiel munter aufschlagen, umbauen, mit Hämmern und Zwingen bearbeiten und während einer gespielten Seereise ordentlich ins Schwanken bringen.

Ständig tun sich neue Klappen und Türchen auf, aus denen überraschend neue Utensilien oder Instrumente auftauchen oder in welche die beiden Darsteller kurz verschwinden, um hinter der Drehtür wieder zu erscheinen. Die rasend schnellen Kostümwechsel und wilden Verfolgungsjagden mit immer neuen Wendungen klappen dank zweier versierter Helfer hinter der Bühne reibungslos. Die Zuschauer können sich wie in einem lustigen, humorvollen und ergreifenden Live-Stummfilm fühlen.

Fazit: „Lachen verboten!“– das kann man hier gar nicht wörtlich nehmen – im Gegenteil. Und ganz ehrlich: Wer es nicht gesehen hat, der hat etwas verpasst.

Info Im Haller Theaterzelt auf dem Teurershof gibt es noch zwei Aufführungen von „Lachen verboten!“: Am Freitag und Samstag, jeweils ab 20 Uhr. Weitere Infos und Karten gibt es auch auf www.freilichtspiele-hall.de.

Abonnieren Sie das kostenlose Morning-Briefing aus der Chefredaktion
Damit starten Sie top informiert in den Tag. Außerdem im Newsletter: Die Wettervorhersage und die aktuelle Verkehrslage in der Region.
» zur Registrierung

Noch kein Kommentar

Schreiben Sie Ihren eigenen Kommentar

noch 3000 Zeichen
Mit Ihrem Kommentar akzeptieren Sie unsere Netiquette

Für registrierte Nutzer

Melden Sie sich an und schicken Sie Ihren Kommentar ab:

Für noch nicht registrierte Nutzer

Registrieren Sie sich kostenlos, um Ihren Kommentar abzuschicken:

Ich bin damit einverstanden, dass die Neue Pressegesellschaft mbH & Co. KG und ihre Tochterunternehmen mich schriftlich (per E-Mail oder Brief) oder telefonisch über ihre Medienangebote und kostenlose Veranstaltungen informieren dürfen. Meine Daten dürfen zu diesem Zweck gemäß den Bestimmungen des BDSG gespeichert, verarbeitet und genutzt werden. Die Einwilligung kann ich jederzeit widerrufen.
Ich bin mit den Datenschutzbestimmungen einverstanden. *

Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:

neu laden
Content Management by InterRed GmbH Logo
weiter zur Startseite

Abfluggewicht erhöht

Der Gemeinderat stimmt der Ausweitung der Tonnagebegrenzung auf 35.000 Kilogramm für besonders leise Maschinen zu. weiter lesen