Amtsgericht: Metalldieb fünf Jahre nach der Tat verurteilt

Im Juni 2011 hat eine Bande zehn Tonnen Edelstahlbleche aus einem Mainhardter Betrieb gestohlen. Der achte von neun Tätern wurde jetzt  verurteilt.

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Der 35-jährige Rumäne, der sich vor dem Haller Schöffengericht verantworten muss, ist wegen schweren Bandendiebstahls angeklagt. Im März dieses Jahres wurde er an seiner Wohnadresse bei Saarbrücken festgenommen. Fast fünf Jahre lang war er mit internationalem Haftbefehl gesucht worden. Wo sich der vierfache Familienvater in der Zwischenzeit aufgehalten hat, kann nur gemutmaßt werden. Eine Interpol-Meldung, die dem Haller Amtsgericht vorliegt, spricht dafür, dass er fast drei Jahre in einem Gefängnis in Holland verbracht hat.

Der 35-Jährige wird jetzt aus der Untersuchungshaft von Haller Vollzugsbeamten in den Gerichtssaal gebracht. Er ist klein gewachsen und hat eine im Schulterbereich gebeugte Haltung. Sie wird verstärkt durch die engen Handfesseln, die er trägt. Dass er solche Bärenkräfte hat, um tonnenweise gestohlenes Edelstahl in zwei Autotransporter zu verladen, kann man sich kaum vorstellen. Aber er hatte acht Mittäter. Sieben von ihnen wurden bereits im September 2011 vom Haller Amtsgericht verurteilt.

Bei allen Tätern handelt es sich um Mitglieder einer größeren rumänischen Familie. Sie sind Brüder, Schwäger, Cousins. Wie seine Komplizen vor ihm gibt der Angeklagte den Mainhardter Diebstahl unumwunden zu. Am 23. Juni 2011 fuhr  die Tätergruppe mit zwei Kastenwagen – einem Fiat Ducato und einem Peugeot Boxer mit spanischen Kennzeichen – von Saarbrücken bis nach Mainhardt. In Hohenstraßen fand man den Metall-Betrieb, in dem man Beute machen wollte. Zuerst verschob man mit gemeinsamen Kräften einen 400 Kilogramm schweren Naturstein, so dass eine erste Zufahrt frei wurde.

Gegenstände im Wert von etwa 50.000 schleppten die Täter vom Betriebsgelände

Zwei Überwachungskameras wurden weggedreht. Ein Täter überkletterte einen zweieinhalb Meter hohen Metallzaun mit Stacheldrahtaufsatz. Vom Innenhof aus  konnte er ein Vorhängeschloss an einer Tür aufbrechen. Fast zehn Tonnen Edelstahlbleche mit einem Wert von 50.000 Euro schleppten die Täter aus dem Betriebsgelände zu den beiden bereitgestellten Transportern. Als alles gut gefüllt war, fuhr die Bande wieder los – sieben Personen saßen im Fiat Ducato, zwei in dem vorausfahrenden Peugeot Boxer.

Ein Nachbar aus der Umgebung des Betriebs hatte die nächtliche Aktion bemerkt und die Polizei alarmiert. Streifenbeamten aus Schwäbisch Hall, Weinsberg und Backnang starteten sofort mit der Fahndung. Sie hatten Erfolg: 20 Minuten später konnte der Fiat Ducato vor Löwenstein gestoppt werden. Die sieben Insassen wurden festgenommen. Edelstahl im Wert von 11.000 Euro wurde sichergestellt.

Der jetzt angeklagte Mittäter und ein weiterer Komplize konnten dagegen im Peugeot Boxer entkommen und mit ihnen der Löwenanteil der Beute. Der angeklagte 35-Jähige gibt zu, das gestohlene Material sofort nach der Tat an einen Schrotthändler bei Saarbrücken verkauft zu haben. Richter Dr. Wolfgang Amendt bezeichnet den unbekannten Ankaufsort als einen „Hehler-Schrottplatz“.

Das Haller Gericht, das im September 2011 schon die ersten sieben Angeklagten verurteilt hat, will gerecht vorgehen. Wie die anderen vor ihm, bekommt der 35-Jährige eine Freiheitsstrafe von einem Jahr und sechs Monaten. Sie wird wie bei den sieben Mittätern zur Bewährung ausgesetzt. Der Mann soll unter Anleitung eines Bewährungshelfers an seinem Wohnort im Saarland 50 Stunden gemeinnützige Arbeit ableisten.

Erleichtert akzeptiert der Rumäne zusammen mit seinem Verteidiger aus Saarbrücken das Urteil. Ihm werden die Handschellen abgenommen. Mit Ehefrau und Bruder, die zur Verhandlung angereist sind, kann er nach Hause fahren. Im Saarland wohnt die Großfamilie nach wie vor unter einem Dach.

Nur der namentlich bekannte, neunte Mittäter des Metall-Diebstahls von Hohenstraßen fehlt dort in der Runde – der mit Haftbefehl gesuchte Mann ist seit der Tat untergetaucht.

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