Amtsgericht: 37-Jährige wegen gefährlicher Körperverletzung angeklagt

In ihrer Wut hat eine 37-jährige Frau gegen die Lebensgefährtin ihres Ex-Ehemannes Pfefferspray versprüht. Sie muss nun 750 Euro bezahlen.

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Ohne die familiäre Vorgeschichte ist der Übergriff der 37-jährigen vierfachen Mutter gegen die neue Partnerin ihres geschiedenen Ehemannes nicht zu verstehen. Ausführlich schildert die eher kleine, stämmige Frau in der Verhandlung vor dem Haller Amtsgericht, wie es zu den schweren Spannungen innerhalb der zerrissenen Familie gekommen sei.

Die Scheidung im Jahr 2013 sei glatt über die Bühne gegangen, berichtet sie. Der heute 13-jährige älteste Sohn blieb beim Vater, die drei jüngeren Kinder bei ihr. Seitdem die neue Partnerin ihres Ex-Mannes „auf der Bildfläche aufgetaucht sei“, sei aber alles zunehmend schwierig geworden. Bei der Scheidung habe man noch einen gemeinsamen Anwalt gehabt, jetzt streite man in Unterhaltsprozessen mit eigenen Rechtsvertretern gegeneinander. Während sie erzählt, kommen ihr die Tränen.

"Ich hab’ Angst vor meinem Ex-Ehemann"

Am 31. Januar dieses Jahres waren die drei jüngeren Kinder beim Vater zu Besuch. Der zweitälteste Sohn soll sich mittags telefonisch bei der Mutter über die Behandlung durch den Vater beklagt haben. Er bat sie, ihn abzuholen. Die Mutter machte sich auf den Weg zur Wohnung des Mannes im nordwestlichen Kreisgebiet. Sie nahm ihren eigenen Lebensgefährten als Begleitschutz mit und steckte Pfefferspray ein: „Ich hab’ Angst vor meinem Ex-Ehemann.“

 Als sie beim Vater der Kinder geklingelt habe, seien nur zwei Kinder sofort gekommen. Sie habe auch das dritte abholen wollen, aber das sei in der Wohnung geblieben. Da habe sie mit ihrem Ex-Mann lauthals gestritten. Plötzlich sei die Lebensgefährtin des Mannes aufgetaucht und habe sich erregt eingemischt. Ein Wort habe das andere gegeben, bis die Lebensgefährtin gerufen habe: „Und du, du, du bist ’ne dumme, fette, hässliche Kuh!“

"Pfefferspray ist ein Tick zu viel"

Die Angeklagte gibt zu: „Dann hab’ ich einfach das Spray ’zückt, das war nur zu meiner Verteidigung!“ Der Richter fragt: „Wohin haben Sie gesprüht?“ Die Angeklagte antwortet ehrlich: „Schon in Richtung Gesicht!“ Ehrlich ist auch die 46-jährige Frau, die Opfer der Attacke war. Die schlanke Zeugin, die im sommerlichen Hosenanzug mit High Heels einen eleganten Eindruck macht, gibt offen zu, dass sie die Ex-Ehefrau ihres Mannes als „dumme, fette Kuh“ bezeichnet habe. Die Frau berichtet: „Ich hab‘s einmal gesagt, und daraufhin kam das Pfefferspray.“ Die Angreiferin habe sie auch von hinten auf den Kopf geschlagen. Die Zeugin berichtet, sie sei mit ihren schmerzenden Augen direkt nach dem Vorfall zum Künzelsauer Krankenhaus gefahren, aber dort habe man sie nicht behandeln können. Sie habe dann einen Augenarzt in Crailsheim aufgesucht.

Schmerzensgeld wolle sie nicht, beteuert die 46-Jährige. Aber zur Anzeige wegen „gefährlicher Körperverletzung“ stehe sie: „Dass sie mit Pfefferspray kommt, das ist ein Tick zu viel!“

Dass auch die beiden Männer sich im Streit beschimpften und einer dem anderen einen Blumenkübel ans Knie warf, wird vor Gericht nicht weiter erörtert. Die Staatsanwältin und der Richter finden eine andere Lösung: Mit Einverständnis der Angeklagten und ihrer Verteidigerin wird das Verfahren eingestellt gegen eine Geldauflage, die einem guten Zweck dienen soll. Das Gericht bestimmt per Beschluss einen Geldbetrag von 750 Euro. Die Summe soll von der Angeklagten direkt an das Albert-Schweitzer-Kinderdorf in Waldenburg gezahlt werden.

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