Alles wieder im Gleis

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„Vorsteher“ Michael Theimel (2. v. links) und einige seiner Eisenbahnfreunde posieren hinter einer Mini-Club-Eisenbahnanlage. Die neue Dauerleihgabe ist zum Tag der offenen Tür in den lange ersehnten Vereinsräumen im Solpark schon voll funktionsfähig.  Foto: 

Frieden und Glück sind in die Herzen der Eisenbahnfreunde Schwäbisch Hall zurückgekehrt. Vergessen ist der Kummer, der den Verein seit 2016 umtrieb, als die langjährige Unterkunft in Sulzdorf gekündigt und eine bezahlbare Alternative nicht in Sicht war. Jetzt ist alles wieder im Gleis: Am ersten Tag der offenen Tür im neuen Zuhause in der Alfred-Leikam-Straße 9 sind überall strahlende Gesichter zu sehen.

Das Licht am Ende des Tunnels erschien seinerzeit recht zügig und hatte die Umrisse von Hermann-Josef Pelgrim: Der Haller Oberbürgermeister brachte die leerstehenden Räume des ehemaligen US-Warehouse im Solpark bereits kurz nach dem ersten Notsignal der von Obdachlosigkeit bedrohten Eisenbahner ins Spiel, das sie am 24. November per Bericht im HT abgesetzt hatten. Fortan träumten Vorstand Michael Theimel und seine Mitstreiter von den hellen, beheizbaren 460 Quadratmetern in bester Lage, die einen winzigen Fehler aufwiesen: Die Miete war für den kleinen Verein mit seinen damals 60 Mitgliedern zu hoch. Von vier Euro je Quadratmeter sprach der Vorsitzende damals. Eine Zahl, die heute niemand mehr bestätigen möchte. Sicher ist: Seit Juli steht der Mietvertrag mit der GWG, befristet auf fünf Jahre, mit der Option auf Verlängerung.

Mitgliedsbeitrag verdreifacht

Die Haller Eisenbahnfreunde genießen offenbar so etwas wie Artenschutz: „Als städtisches Unternehmen steht man bei einem solchen Fall in der Verantwortung, auch wenn das Eingreifen nicht völlig selbstverständlich ist“, erklärt GWG-Prokurist Klaus Wackenheim. Das Zustandekommen des Mietverhältnisses habe allen Beteiligten einiges abverlangt, „doch wenn, wie geschehen, wirklich alle an einem Strang ziehen, dann klappt das eben auch“. Die Nutzungsänderungen für die als Lager zugelassene Fläche hätten bewirkt, dass die Räumlichkeiten im ersten Stock von der Gesamtfläche abgetrennt werden müssen. Unzählige Orts­termine seien notwendig gewesen.

Nicht zuletzt sei es darum gegangen, hinsichtlich der Miete eine Verhältnismäßigkeit herzustellen: „Wenn man die Relation zwischen der Mitgliederzahl und dem Flächenbedarf der Eisenbahnfreunde anschaut, dann müssten wir einem Massenverein eigentlich die halbe Stadt übertragen.“ Darum hätten sich die Verantwortlichen zwar sehr bemüht, eine erträgliche Miete zu generieren, aber lediglich auf einer rechnerischen Teilfläche. Etwa die Hälfte der 460 Quadratmeter würden von der Stadt nicht bezuschusst.

Dreimal so hoch wie in den vormaligen, im feuchten Untergeschoss eines Industriebaus gelegenen Räumen sei der aktuelle Mietzins, verrät Michael Theimel. Darum habe der Verein zum Umzug seinen Mitgliedsbeitrag verdreifacht: 120 statt der bisherigen 40 Euro kostet die Jahresfahrkarte ins Miniatureisenbahnparadies.

Obwohl 12 Euro monatlich als überschaubare Summe gelten können, sorgte die Erhöhung für eine Austrittswelle. Diese eigentümliche Sparsamkeit verwundert umso mehr, da Modellbahnbau ein hochpreisiges Hobby darstellt, das man sich leisten können muss. Allerdings brachten der mediale Wirbel und engagierte Eigenwerbung nicht nur großzügige Sponsoren aus den Reihen der Haller Unternehmer, sondern auch ausgleichende Neuzugänge. Derzeit sind es 50 Männer (das bislang einzige weibliche Mitglied gehört zu den Abtrünnigen), die sich in der Alfred-Leikam-Straße mit Hingabe eine schöne neue Welt aufbauen.

Da rund 200 Quadratmeter weniger zur Verfügung stehen als zuvor, können nicht alle Anlagen wieder aufgestellt werden. Ausgerechnet die Gleislandschaft um den Bahnhof Hessental bleibt wegen Ausscheidens ihres Betreuers eingelagert. Um wieder einen regionalen Bezug herzustellen, soll dafür der Bahnhof Hall prominent präsentiert werden. Eine Weile wird der Wiederaufbau sicher noch dauern. Fertig ist ein echter Modellbahnfreund mit seiner Anlage ohnehin nie.

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