Adventliches mit schönen Stimmen

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Einen Chor mit sehr hoher Klangkultur erleben rund 350 Zuhörer am vergangenen Samstag in der „Stunde der Kirchenmusik“ in St. Michael. Die Singakademie Stuttgart rühmt sich, zu den besten deutschen gemischten Chören zu gehören und kann zur Unterstützung dieser Einschätzung auf das zweithöchste Prädikat beim Deutschen Chorwettbewerb 2014  in Weimar verweisen.

Die 25 Frauen und 18 Männer, die den Chor bilden, sind stimmlich ausgebildet und singen mit beeindruckender Sicherheit in der Intonation, sodass der Chor auch sehr anspruchsvolle zeitgenössische Werke aufführen kann.

Den Anfang macht aber ein Werk, das auch ein guter Laienchor bewältigen kann: „O Magnum Mysterium“ des 1943 geborenen amerikanischen Komponisten Morten Johannes Lauridsen. Die Singakademie Stuttgart wählt dafür eine Aufstellung hinter dem Altar, bei der die Chormitglieder größere Abstände zwischen sich haben. Das bewirkt, dass der Chorklang sich im Kirchenschiff sehr gut mischt, so dass beim Publikum weiche, harmonische Klänge ankommen.

Mehr Stimmung als Genauigkeit

Allerdings erschwert es die Gleichzeitigkeit in der Ausführung. Dazu kommt das an dieser Stelle unpräzise Dirigat von Stefan Weible. Er macht große Bogenbewegungen mit beiden Armen, die den Chorsängern viel über die gewünschte Stimmung sagen, aber wenig strukturelle Orientierung geben. Trotzdem: Schon bei diesem eher leisen, ruhigen Einstieg wird die Klangqualität des Chores offenbar.

Das „Deutsche Magnificat“ von Heinrich Schütz wird sehr viel deutlicher dirigiert. Das ist bei diesem polyphonen und polyrhythmischen Werk aber auch unbedingt nötig. Der Chor steht jetzt vor dem Altar und etwas dichter beisammen, sodass der Gesamtklang kompakter wird. Die achtstimmige Komposition spielt mit reizvollen Echo-Effekten. Der Chor singt aufgeweckt und zupackend.

Bei Anton Bruckners „Ave Maria“ entfalten die Sänger eine volle Klangpracht. Und dann kommt eines jener Werke des Abends, die von jedem einzelnen Sänger sehr hohe Stimmsicherheit erfordern: „O Freude über Freude“, vertont von dem 1962 geborenen Wolfram Buchenberg.

Der Anfang klingt wie ein Geläut, dann schält sich das Weihnachtslied heraus. Keine Strophe gleicht der anderen. Dabei sind abenteuerliche Harmonien, Rückungen und Einsätze zu bewältigen. Es ist das schwierigste Stück dieses Konzerts, und die Singakademie Stuttgart bringt es mit bewundernswerter Souveränität zur Aufführung.

Ein Schluss zum Genießen

Ein „Ave Maria“ von Margaret Rizza (geboren 1929) ist zwar ebenfalls mit Dissonanzen gespickt, bleibt aber im tonalen Bereich.  Der Chor bietet es mit Ruhe und mit fein geführten Stimmen dar. Ebenso „Which was the Son of …“ von Arvo Pärt. Der aus Estland stammende, in Deutschland lebende Komponist hat darin die Genealogie aus dem Lukas-Evangelium vertont, das heißt, es ist einfach eine Aufzählung von Vätern und Vorvätern bis zu dem Schluss, dass Gott der Stammvater aller ist. Die Komposition ist für Pärt untypisch, denn dieser hat meist mit Klangflächen gearbeitet, setzt hier aber deutliche rhythmische Akzente.

Den sechsstimmigen Satz „Machet die Tore weit“ von Andreas Hammerschmidt geht Chorleiter Stefan Weible sehr zügig an und bildet damit einen Kontrapunkt zum letzten Werk: Mit einem erneuten „O Magnum Mysterium“ schließt sich der Kreis, diesmal ist der Text vertont von Ola Gjeilo (geboren 1978). Dazu verteilt sich der Chor im ganzen Kirchenraum, und eine Geige (Stefanie Manocchio) steuert leise Liegetöne bei. Ein Schluss zum Genießen.

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