Abschiebung und dann?

Ein Theaterstück thematisiert die Flüchtlingsproblematik. Halls Beauftragte für Integration spricht von einer „Entspannung der Lage“.

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Zwei Schauspielerinnen aus Heilbronn spielen in Hall Kurzgeschichten von Flüchtlingen mit Puppen nach.  Foto: 

Still ist es geworden rund um das Thema Geflohene. „Das stimmt, die Lage hat sich definitiv entspannt, obwohl immer noch täglich Flüchtlinge nach Hall kommen“, sagt Diana Pankau, die seit vergangenem September die Flüchtlingsbeauftragte der Stadt ist. Die Erstversorgung funktioniere, die Menschen befänden sich jetzt in Anschlussunterbringungen, suchen eine Wohnung oder hätten, mit Hilfe der unermüdlichen Ehrenamtlichen, ein eigenes Zuhause gefunden.

Diana Pankau hat bis letztes Jahr noch selbst in einer Integrations- und Vorbereitungsklasse am Schulzentrum Ost unterrichtet. Das Thema Flüchtlinge in den Schulen noch einmal aufzugreifen, war ihr ein Anliegen. Manche Schüler täten sich schwer, zu einer eigenen Meinung zu kommen. Manche seien immer noch skeptisch, nicht nur Deutsche, auch ausländische Kinder.

Verschiedene Blickwinkel

„Geschichten vom Fliehen und Ankommen“ heißt das Stück, das ihnen gezeigt wird. „Es spricht die Sinne an, weckt Empathie und wirkt nachhaltig“, so die Flüchtlingsbeauftragte.

Die zwei Schauspielerinnen des Heilbronner Theaters „Kultureller Zwischenraum“ stehen in Hall dreimal auf der Bühne. Morgens in den Schulzentren West und Ost sowie in einer Vorstellung für Erwachsene am Abend.

Nur wenige Besucher

Letztere ist eher mäßig besucht. Die meisten Zuschauer sind Mitglieder des Freundeskreises Asyl. Aus selbst geführten Interviews und recherchierten Berichten haben Cosima Greeven und Natasa Rikanovic ihre kleinen Szenen erarbeitet. Mal sind sie die Oma, die von der Flucht aus Polen im Zweiten Weltkrieg erzählt. Dann sind sie die DDR-Geflohene und die Fragen-im-Akkord-stellende Dame im deutschen Amt. Sie sind der Flüchtling, der von seiner schlimmen Flucht erzählt, und dazu den Deutschen seine weißen Zähne lächelnd zeigt und das Wort „Danke“ gelobt, als erstes lernen zu wollen.

Als Teenager  mit Basecap schwärmen sie von dem coolen Leben im Slum in Serbien, wohin er abgeschoben wurde, schön abgenommen hat, weil er kaum zu essen hat, dafür Muckis bekomme, weil er sich oft prügelt. Sie werden zu Flüchtlingen, deren Boot im Mittelmeer kentert. Sie rappen einen Song, beantragen darin einen Pass, in dem einfach nur „Erdenbewohner“ steht.

Und am Schluss schauen sie als Angela Merkel a.D. aus der Zukunft zurück in die Vergangenheit und erinnern sich an die angeblich schwierige Flüchtlingskrise,  die aber nur so lange Krise war, bis man verkündete, dass in Deutschland Millionen Erwerbstätige fehlen würden. Dann kam es zum wirtschaftlichen Aufschwung und dem Satz  der Zukunfts-Merkel: „Manchmal gelingen Utopien.“ Im Schulzentrum Ost stellen die Schüler einige Fragen, in den Klassen haben sie die Thematik besprochen. Im Schulzentrum West möchte ein Mädchen wissen: „Machen Sie nur das oder helfen Sie auch Flüchtlingen?“ Schauspielen sei ihr Hauptberuf, aber privat seien sie in Kontakt mit Flüchtlingen, helfen auch beim Deutschlernen, lautet die Antwort der Akteure.

Deutsch lernen klappt

In Hall, kann Diana Pankau berichten, würde mittlerweile die Nachfrage nach weiterführenden Deutschkursen steigen. Die Volkshochschule böte nun auch einen Kurs für berufsbezogene Sprachförderung an. Einige, die aufgrund ihres noch ausstehenden Asylantrags nicht arbeiten dürfen, würden Praktika machen. Es gebe viele positive Entwicklungen.

Aber natürlich auch Frust. Weil die Bewilligung zum Familiennachzug auf sich warten lasse, ebenso wie das endlose Warten auf Asyl. Immer noch sei es erfreulich, wie engagiert die Ehrenamtlichen in Hall seien. Jedoch sei auch hier bei manchen die Motivation zurückgegangen, aufgrund des Frustes mit den Ämtern.

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