A6-Ausbau: Lärmschutz bereitet Sorgen

Die A-6-Anlieger haben zum Thema Autobahnausbau Redebedarf. Das zeigt das Interesse am Bürgerdialog des Regierungspräsidiums Stuttgart.

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Bei einem Ausbau der A?6 sollen entsprechende Lärmschutzmaßnahmen vorgenommen werden. Das haben die Planer des Regierungspräsidiums beim Bürgerdialog in Wolpertshausen erklärt.  Foto: 

Die zahlreichen Redebeiträge von Bürgern zeigen es deutlich: Die größten Befürchtungen beim sechsstreifigen Ausbau der A 6 hat man beim Thema Lärmbelastung. „Der Lärm ist jetzt schon unerträglich“, sagt ein Besucher des Bürgerdialogs. Er wollte den Aussagen der Vertreter des Regierungspräsidiums (RP) Stuttgart nicht glauben, dass der Lärm nach dem Ausbau abnehmen werde. Das RP hatte in den Europasaal in Wolpertshausen zu einer Informationsveranstaltung gebeten. Rund 100 Menschen aus Wolpertshausen, Ilshofen und Kirchberg sind der Einladung gefolgt. Bevor Wolpertshausens Bürgermeister Jürgen Silberzahn die Versammlung eröffnet, bilden sich vor den an der Wand befestigten Plänen Trauben von Interessierten.

Dann sind die Planer an der Reihe. Jürgen Holzwarth, Referatsleiter Straßenplanung beim RP, erklärt, dass man jetzt viereinhalb Jahre geplant habe. Aber wenn das Projekt über eine öffentlich-private Partnerschaft (ÖPP) finanziert werden soll, dann brauche man eben gut ausgearbeitete Pläne. „Die Zeichen deuten auf ÖPP“, so Holzwarth, der noch einmal erläuterte, dass der A-6-Ausbau im Entwurf des Bundesverkehrswegeplans 2030 unter „Weiterer Bedarf mit Planungsrecht“ gelistet ist.

Holzwarth macht deutlich, dass es bei der Veranstaltung nur um einen Abschnitt der A-6-Planung geht: den Teil von der Kochertalbrücke bis Kirchberg, den sogenannten Abschnitt A-6/5. Der Gesamtausbau vom Kreuz Weinsberg bis zur bayerischen Grenze sei in sechs Planungsabschnitte mit je rund zehn Kilometern bei einer Gesamtlänge von 64 Kilometern aufgeteilt. Die geschätzten Gesamtkosten lägen bei 893 Millionen Euro. Der Abschnitt A-6/5 liege je nach gewählter Ausbauvariante zwischen 106 und 108 Millionen Euro. Zu einem Baubeginn könne man aber noch nichts sagen.

Dr. Anne Wolff, Projektleiterin beim RP, erklärt, dass ihre Behörde die Planungsvariante 1 empfehle. Dies bedeute einen symmetrischen Ausbau rechts und links der bestehenden Fahrbahn. Der Anschluss an die Ausbaustücke A-6/4 und A-6/6 sei so einfacher zu gestalten. „Wir haben hier auch die geringste Inanspruchnahme landwirtschaftlich genutzter Flächen“, so Wolff.

Im Anschluss an die Präsentation haben die Bürger das Wort. Das beherrschende Thema war der Lärm. „Grundsätzlich ist alles dazu in der Bundesimmissionsschutzverordnung geregelt“, meint Holzwarth. Lärmbelastung durch Autobahnen würde beispielsweise anders berechnet als die in Misch- oder Gewerbegebieten. Er zeigt sich überzeugt, dass die Belastung nach einem Ausbau sogar sinken werde. Durch moderne Lärmschutzmaßnahmen beispielsweise, aber auch laute „Elefantenrennen“ seien bei sechs Fahrspuren nicht mehr zu befürchten. Ob man nicht mit leiserem Fahrbahnbelag arbeiten könne, wollte ein Besucher wissen. Das sei nicht zu empfehlen, antwortet Holzwarth, mit „offenporigem Belag“ habe man beispielsweise auf der A 8 schlechte Erfahrungen gemacht: „Der hält einfach nicht so lang.“ Außerdem könne dies nach den geltenden Verordnungen zu einem schlechteren aktiven Lärmschutz durch Wälle und Wände führen. Bei normalem Asphalt könne man diese auch höher bauen. Generell setze man auf diesen aktiven Schutz, nur könne man dies nicht überall an der Strecke garantieren. „Wie wäre es mit einer Geschwindigkeitsbeschränkung?“, lautet ein weiterer Vorschlag. Das bringe nicht viel, so Holzwarth, der meiste Lärm komme von den LKWs.

Weitere Themen waren der benötigte Grundstückserwerb, die Oberflächenwasserbeseitigung und die Feldwege entlang der Autobahn. Während des Baus wolle man eine Querung für die Landwirtschaft gewährleisten, verspricht dazu Dr. Wolff. „Alle Möglichkeiten, die wir haben, legen wir zu Ihren Gunsten aus“, mit diesen Worten beendet Holzwarth die Versammlung. Im Anschluss nehmen noch viele Besucher die Gelegenheit wahr, sich persönlich mit den Planern zu unterhalten.
 

Bürgerbeteiligung an den Planungen

Ausblick Bis zum 5. August haben Bürger die Möglichkeit, Anregungen zum Autobahnausbau beim Regierungspräsidium Stuttgart schriftlich einzureichen. Bis Mitte September sollen diese ausgewertet sein. Im Oktober soll dann endgültig über die gewählte Variante entschieden werden. Die Planung wird dann dem Bund zur Genehmigung vorgelegt. Mit dieser wird Ende 2017 gerechnet. 2018 soll dann das Planfeststellungsverfahren mit erneuter öffentlicher Auslegung der Planung und Gelegenheit zur Stellungnahme eingeleitet werden.

Kontakt Anregungen gehen schriftlich an das Regierungspräsidium Stuttgart, Referat 44 – Straßenplanung, A-6-Team, Postfach 80 07 09, 70507 Stuttgart, oder per E-Mail an a6team@rps.bwl.de.

Einladung Der nächste Bürgerdialog ist am Dienstag, 5. Juli, um 19 Uhr in der Sport- und Festhalle Satteldorf. Dabei geht es um den Planungsabschnitt von Kirchberg bis zur Landesgrenze (A-6-6). noa

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