A6-Ausbau: Besserer Lärmschutz vorgesehen

Der geplante Ausbau der Autobahn 6 hat eine dynamische Wende genommen, sagt Jürgen Holzwarth. Die Planungen schreiten schnell voran. Lärmschutz und Entwässerung sollen verbessert werden.

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    Die an die Wand gepinnten Ausbaupläne der A6 werden nach der Veranstaltung von den Bürgern noch ausgiebig unter die Lupe genommen. Foto: 
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Etwa 180 Meter über dem Kulturhaus Geislingen fließt der Verkehr auf der Kochertalbrücke über die Autobahn 6. Unten im Tal ist ein leises, aber dauerhaftes Rauschen zu hören. Im Kulturhaus Geislingen sitzen gut 80 Bürger, die sich vom A6-Team des Regierungspräsidiums mit Leitendem Baudirektor Jürgen Holzwarth über den sechsstreifigen Ausbau der wichtigen Ost-West-Verbindung informieren lassen wollen. Es ist nach 2012 der zweite Bürgerdialog, der in Geislingen geführt wird.

"Die Dynamik bei dem Projekt ist auch daran abzulesen", erklärt Holzwarth, "dass sich die Bundesminister für Verkehr und Finanzen geeinigt hätten, den Ausbau als einen von zehn bundesweiten Projekten in Öffentlich-Privater-Partnerschaft (ÖPP) ablaufen zu lassen." Dabei werden Bau, Betrieb und Unterhaltung für 30 Jahre an ein Konsortium vergeben. Mit privatem Kapital könne die Strecke schneller ausgebaut werden als ein öffentliches Projekt in mehreren Abschnitten.

Kein Pannenstreifen auf der Brücke

"Der Lärmschutz wird sich wesentlich verbessern", führt Projektleiterin Anne Wolff aus. Bislang gebe es kaum aktiven Lärmschutz. Dieser soll beispielsweise für Brachbach, Rückertsbronn und Herdtlingshagen nach einem bundesweit standardisierten Verfahren errechnet werden. Mit Lärmschutzwällen und -wänden oder einer flächenschonenden Kombination aus beidem soll der Lärm gesenkt werden. Auch Lärmschutzfenster könnten helfen. Deutlich verbessert werde auch die Entwässrung. "Fünf neue Regenklärbecken und Regenrückhaltebecken werden gebaut, allein zwei für die Kochertalbrücke", so Wolff.

Steffen Leitl stellt die Ausbauvarianten vor. Während der Ausbau bis Kupferzell nördlich der bestehenden Trasse erfolgen soll, wird die Strecke bis zur Kochertalbrücke links und rechts der Autobahn ausgebaut. Das Bauwerk werde bereits auf den sechsstreifigen Ausbau vorbereitet. Allerdings werde es auf der Brücke keinen Pannenstreifen geben. Der weitere Verlauf ab Wolpertshausen stehe noch nicht fest.

Nicole Brucker als Grünplanerin des RP versicherte, dass die umweltverträglichste Variante gewählt werde. Der zusätzliche Flächenverbrauch liege bei etwa 12 Hektar. In der Diskussion ging es auch um ÖPP. "Das ist eine politische Entscheidung des Bundes", enthielt sich Holzwarth einer Bewertung. Befürchtungen, dass die Qualität leiden könnte, seien nicht begründet. Standards würden vertraglich festgeschrieben. Würden in der Laufzeit Baustellen eingerichtet, gebe es für den Betreiber finanzielle Einbußen.

Nach knapp zwei Stunden sind alle Fragen beantwortet. Mit scheinbar zufriedenen Gesichtern gehen die Bürger nach Hause.

Info Bis zum 8. Juni können Anregungen schriftlich beim RP eingereicht werden. Die Auswertung wird anonym im Internet veröffentlicht.

www.rp-stuttgart.de

Fakten zum Planungsstand beim A6-Ausbau

Ausbau Der Ausbau auf sechs Fahrstreifen zwischen dem Weinsberger Kreuz und der bayerischen Landesgrenze - das sind 64,4 Kilometer - wird in sechs Abschnitten geplant. Bei dem Termin in Geislingen ging es um Abschnitt 4 zwischen Kupferzell und der Kochertalbrücke (10,7 Kilometer). Der Gesamtausbau soll mehr als 750 Millionen Euro kosten, der Abschitt 4 runde 100 Millionen Euro.

Verkehrsbelastung Seit der Eröffnung der Autobahn 1979 hat sich der PKW-Verkehr mehr als verdreifacht, der LKW-Verkehr ist nach Darstellung des Regierungspräsidiums um den Faktor 7 gestiegen. 2008 wurden auf der A6 im Schnitt täglich 50.000 Kraftfahrzeuge gezählt. Bis 2030 sollen es Schätzungen zufolge 62.000 Fahrzeuge sein. Der Schwerlastverkehr wird dann 39 Prozent ausmachen.

Planungsstand Der A6-Ausbau bis Kupferzell ist im vordringlichen Bedarf des Bundesverkehrswegeplans. Der Abschnitt weiter bis zur bayerischen Landesgrenze ist im weiteren Bedarf. Das Regierungspräsidium rechnet damit, dass auch dieser Abschnitt in den neuen Bundesverkehrswegeplan als vordringlicher Bedarf aufgenommen wird. Er soll Ende dieses Jahres verabschiedet werden. Im sechsstufigen Planungsablauf des RP ist man jetzt am Ende der zweiten Stufe, das heißt, dass die Untersuchung der Varianten abgeschlossen ist. Es folgen die Entwurfsplanung, das Planfeststellungsverfahren, die Ausschreibung und die Bauausführung.

Zeitachse Der Vorentwurf für den Abschnitt 4 könnte 2016 stehen, das rechtskräftige Planfeststellungsverfahren 2018. Der Ausbau der Gesamtstrecke könnte 2019 rechtskräftig werden. Das Vergabeverfahren dauert zwei bis drei Jahre. Die Bauzeit könnte vier Jahre betragen, sodass der Ausbau im günstigsten Fall 2026 fertig wäre.

KOR

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