„Wo ist nun die Opa-Schildkröte?“

Der Sitzungssaal im Vellberger Rathaus reicht wegen des Besucheransturms fast nicht aus. Andreas Schumanns Einblick in die Urgeschichte der Erde kommt gut an.

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  • Ein Paläontologe präsentiert im Löwentormuseum in Stuttgart die versteinerte Urschildkröte aus dem Steinbruch in Eschenau. 1/2
    Ein Paläontologe präsentiert im Löwentormuseum in Stuttgart die versteinerte Urschildkröte aus dem Steinbruch in Eschenau. Foto: 
  • Die Chefs (von links): Hartmut Schumann (bisheriger Leiter des Baubereichs), Friedrich Schumann (der Älteste der drei Geschwister, der das Unternehmen 1970 von seinem Vater übernommen hat), Andreas Schumann und Jürgen Schumann (die beiden neuen Chefs) und Manfred Schumann, der für den technischen Bereich zuständig war. Im Bildvordergrund liegt der versteinerte Schädel eines Sauriers.   Foto:  Sigrid Bauer 2/2
    Die Chefs (von links): Hartmut Schumann (bisheriger Leiter des Baubereichs), Friedrich Schumann (der Älteste der drei Geschwister, der das Unternehmen 1970 von seinem Vater übernommen hat), Andreas Schumann und Jürgen Schumann (die beiden neuen Chefs) und Manfred Schumann, der für den technischen Bereich zuständig war. Im Bildvordergrund liegt der versteinerte Schädel eines Sauriers. Foto: Sigrid Bauer Foto: 
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In letzter Zeit war es um den einmaligen Fund der Urschildkröte im Steinbruch Schumann bei Eschenau ruhiger geworden. „Wir hatten nichts zum Vorzeigen“, erklärt Vellbergs Bürgermeisterin Ute Zoll die bisherige Zurückhaltung bei der Vermarktung des Fossils. Selbstverständlich will sie den weltweit einzigartigen Fund für Vellberg als Werbung nutzen und hat deshalb Fördergelder vom Land beantragt.

Das dauert aber. Seit dem Sensationsfund sind zweieinhalb Jahre vergangen. „Ich habe gehofft, dass wir zum jetzigen Vortragstermin schon weiter sind“, so Zoll. Mit den Fördermitteln wird zuerst ein Themenweg mit Infotafeln und Blick auf die Fundstelle im Steinbruch finanziert. Außerdem wird  im Vellberger Natur- und Heimatmuseum eine Replik des wertvollen Fossils ausgestellt. „Immerhin haben wir jetzt den Gipsabdruck des Fundes“, so Zoll. Allerdings fehlen noch die Erklärungen zur Versteinerung und zu den damaligen Lebensbedingungen. Die sollen nicht nur auf Tafeln kommen, sondern auch über eine Touchscreen-Präsentation. „Die Replik sieht für den Laien wenig spektakulär aus“, räumt Zoll ein.

Andreas Schumann, Geschäftsführer des Steinbruchs und inzwischen ein Experte für das Erdzeitalter der Trias, in dem die Urschildkröte lebte, bestätigte das in seinem Vortrag: „Der Fund ist ein Haufen versteinerter Knochen. Das Besondere ist, dass das Skelett ziemlich vollständig ist, denn meist findet man nur einzelne Knochen. Für die Paläontologen waren die abgeplatteten Rippen, aus denen sich später der Panzer bildete, der Beweis, dass das Tier die Urform der späteren Schildkröten ist“, erklärte er den etwa 100 Besuchern, die, zum Teil stehend, seinen gut verständlichen Ausführungen folgten. Das komplette Tier sei nicht länger als 20 bis 30 Zentimeter gewesen. Es zu rekonstruieren sei so ähnlich, wie das Zusammensetzen eines 1000-Teile-Puzzles. „Dazu kommt, dass die Knochen durch die Gesteinsschichten darüber total zusammengedrückt sind und erst wieder in die 3-D-Form zurückgebracht werden müssen“, schilderte Schumann die Herausforderung für die Paläontologen.

Er demonstrierte dem Publikum die zeitlichen Dimensionen. Das Erdalter von  4,6 Milliarden Jahren stellte er mit einem Zwei-Meter-Zollstock dar. Die Urschildkröte lebte vor 235 bis 230 Millionen Jahren. „Da sind wir etwa zehn Zentimeter vor unserer Zeit. Die Dinosaurier kamen erst viel später, vor etwa 2,8 Zentimetern. Menschen gibt es seit zwei Millionen Jahren, das sind 0,9 Zentimeter auf dem Zollstock“, veranschaulichte er.

Ein Jahr lang suchen

Die Versteinerungen aus dem Steinbruch liegen alle im sogenannten Lettenkeuper, einer rund 30 Zentimeter hohen Schicht. Darunter hat sich aus dem Sediment eines urzeitlichen Meeres Muschelkalk gebildet, der im Steinbruch abgebaut wird. Um an die fossilienreiche Schicht zu gelangen, brauchen die Paläontologen die Hilfe der Schumanns. „Wir räumen die bis zu 30 Meter mächtige Schicht darüber ab, dann können die Wissenschaftler etwa ein Jahr lang im Lettenkeuper suchen. Danach bauen wir den Muschelkalk darunter ab“, erklärte der Bauingenieur.

„Wo ist denn nun die Opa-Schildkröte?“, wollte eine Frau aus dem Publíkum wissen. Leider nicht in Vellberg. „Solche Funde, vor allem so wertvolle Erstfunde, gehören dem Land“, stellte Schumann klar. Das Urtier der Gattung Pappochelys ist im Naturkundemuseum in Stuttgart.

Ute Zoll will Dr. Rainer Schoch – der Paläontologe, der das Fossil gefunden und untersucht hat – zur Einweihung des Themenwegs und der Ausstellung im Heimatmuseum zu einem Vortrag nach Vellberg holen. Dann kann die Stadt auch endlich mit dem Marketing beginnen. „Bisher haben wir keine Werbung gemacht, weil die professionelle Aufarbeitung im Heimatmuseum noch fehlt“, so Zoll.

Das beauftragte Büro werde sich auch mit „Hohenlohe + Schwäbisch Hall-Tourismus“ in Verbindung setzen, um auch über diese Schiene auf Vellberg und seinen Fossilfund aufmerksam zu machen.

Aus der Pressestelle des Landratsamts kommt dazu der Hinweis, man sei offen für Vorschläge – etwa jenen, den Fund in einen der Bühlertalwege miteinzubauen. Bisher gebe es aber dazu noch keine Kontakte zu Vellberg.

Hier steht der Anlauf, und hier der Text

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