Faschingsumzug: „Wir wollen tanzen!“

Gruppen, die zu Fuß unterwegs sind, haben es bei Umzügen schwer, sich gegen aufwändige Wagenbauten zu behaupten. Nicht so „Gsuacht ond gfonda“ aus Bühlerzell.

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  • Egal, ob sie sich zum Stoffzuschneiden oder Nähen treffen, Spaß haben die Frauen immer. Von rechts: Jutta Kilian und Michaela Kohler, zwei der drei Organisatorinnen, mit den Teilnehmerinnen Viola und Miriam.  1/3
    Egal, ob sie sich zum Stoffzuschneiden oder Nähen treffen, Spaß haben die Frauen immer. Von rechts: Jutta Kilian und Michaela Kohler, zwei der drei Organisatorinnen, mit den Teilnehmerinnen Viola und Miriam. Foto: 
  • Die Frauen suchen sich jedes Jahr ein neues Thema für ihren Auftritt beim Bühlerzeller Fasching, zum Beispiel „Mini Maus“ oder „Supergirl“. Jede Teilnehmerin bekommt eine genaue Anleitung, wie das Kostüm zu nähen und das Make-up zu gestalten ist.  2/3
    Die Frauen suchen sich jedes Jahr ein neues Thema für ihren Auftritt beim Bühlerzeller Fasching, zum Beispiel „Mini Maus“ oder „Supergirl“. Jede Teilnehmerin bekommt eine genaue Anleitung, wie das Kostüm zu nähen und das Make-up zu gestalten ist. Foto: 
  • Supergirls. 3/3
    Supergirls. Foto: 
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Diese Gruppe ist der absolute Augenschmaus – perfekt gestylt, in komplett selbst entworfenen Kostümen sind die zwischen 60 und 75 Frauen immer ein Höhepunkt des Bühlerzeller Faschingsumzugs. Kein Wunder, dass sie seit ihrer ersten Teilnahme im Jahr 2004 bis auf zweimal immer als beste Fußgruppe ausgezeichnet wurden.

„Im April/Mai fahren wir immer für ein paar Tage zusammen weg und machen Kreativurlaub“, berichtet Katja Müller von sich und ihren beiden Freundinnen Jutta Kilian und Michaela Kohler, dem Führungstrio. „Da haben wir schon Stoffmuster dabei und sammeln Ideen, wie wir das Thema umsetzen“, erklärt sie. Dass das ein Riesenspaß ist, kann man sich gut vorstellen, wenn man die drei mit weiteren sechs bis acht quirligen und fröhlichen Frauen erlebt, die sich für das Zeitungsinterview bei Michaela Kohler getroffen haben. „Das ist ja das Schöne – alles gemeinsam zu organisieren, zu nähen, die Perücken auszusuchen, den Barwagen passend zum Thema zu bemalen...“, meint Jutta Kilian.

Aber der Reihe nach: Wer mitmachen will, meldet sich im Oktober an. „Zu achtzig  Prozent sind es immer die Gleichen. Toll ist, dass wir total bunt gemischt sind. Nicht nur aus Bühlerzell, auch aus Hall, Crailsheim und viele aus Gaildorf machen bei uns mit“, erklärt Jutta Kilian. „Wir haben uns halt ‚Gsuacht ond gfonda‘!“, ergänzt Michaela Kohler, die von allen Ela genannt wird. Sie habe 2003 mit dem Kinderturnen aufgehört und ein paar andere mit der Garde. Also trat die Frage auf, wo beim Fasching mitmachen? „Da haben wir beschlossen, selbst was zu organisieren“, sagt sie.

Die Master-Verteilerin

„Mich haben sie im Blumenlädle in Obersontheim angesprochen“, erinnert sich das Gruppenmitglied Carmen, die seither im Umzug dafür zuständig ist, dass die Süßigkeiten bis zum Ende reichen. „Du bist die Master-Verteilerin“, ruft Miriam und alle Anwesenden lachen.

Aber weiter in der jährlich wiederkehrenden Chronologie:  Wenn sie alle Utensilien für die Kostüme beisammen haben, schneiden die Topnäherinnen die Stoffe zu. „Dazu treffen wir uns im Vereinsheim der Sportfreunde, da haben wir viel Platz. Eine Riesenaktion in zwei Schichten und an fünf Stationen, wie am Fließband“, schildert Ela.  Jede Frau bekommt die passende Größe samt Reißverschluss, Pailletten, Glitzersteinen und sonstigen Zutaten in eine Tüte gepackt.

Genäht wird in Gruppen von zehn bis 15 Personen. „Wir nähen zuerst einen Prototyp und wenn der passt, erstellen wir eine genaue Anleitung mit Fotos und Beschreibung. Die geht dann elektronisch an alle“, so Katja Müller. Das funktioniere einwandfrei. „Meine Mutter ist trotzdem froh, dass sie mein Kostüm nicht mehr zu nähen braucht, sondern ich es von jemandem bekomme“, meint Miriam lachend.

Nicht jede Naht gelingt

Innerhalb der Nähgruppe macht jeder das, was er kann. „Die Auftrenner sind sehr beliebt“, meint eine der Frauen, was zu Lachsalven führt, denn nicht jede Naht gelingt auf Anhieb. Auch fürs Schminken gibt es eine Anleitung, damit alle gleich aussehen. Das i-Tüpfelchen ist die Perücke, die zwar keiner gern trägt, die aber für den perfekten einheitlichen Look unvermeidbar ist. „Wir haben es auch schon mit Hüten probiert, das war aber lang nicht so gut. Persönliche Eitelkeiten muss man eben hintanstellen“, meint Katja.

Zu den Themen wie Marilyn Monroe, Flamingos, Schneehasen, Minie Maus oder Drachen suchen sie sich passende Musik, die Elas Sohn zusammenmixt und auf die ein Teil der Fußgruppe beim Umzug tanzt. „Das üben wir natürlich auch vorher. Es ist schon wichtig, dass so eine große Gruppe eine Struktur hat, sonst wären wir nur ein riesiger, ungeordneter Haufen“, erklärt Ela.

Selbst die Süßigkeiten stimmt die Gruppe auf das Thema ab. Als Eisprinzessinen hatten sie je drei weiße Marshmallows als Schneemann auf Zahnstocher gespießt. Was sie jedes Mal dabei haben, sind kleine Leckereien aus Götterspeise. „Rot mit Alkohol für Erwachsene, grün ohne für Kinder. „Da duftet es in der Küche, wenn wir das zubereiten. Das sind sicher 100 Liter“, meint Katja.

Manchmal sind Männer dabei

Würden sie nicht gern mal bei einer Wagengruppe mitmachen? Einstimmiges empörtes „Nein“ ist die Antwort. „Viel zu langweilig, wir wollen tanzen, die Leute animieren, sie miteinbeziehen. Beim Thema Eisprinzessin hatten wir einen Thron, auf den wir die Leute draufgesetzt haben, wisst ihr noch, den Ufuk?“, schildert eine der Frauen, und wieder lachen alle. So etwas gehöre immer dazu, genauso wie ein Schlachtruf oder ein passender Spruch.

Und wie sieht es mit Männern aus? Ab und zu sind mal ein paar in der Gruppe dabei, aber dieses Jahr beschränkt sich ihre Mitwirkung im Wesentlichen auf den Bau des Barwagens. „Der alte ist kaputt und durch das viele Überstreichen auch zu schwer geworden“, erklärt Ela, deren Mann nach Anweisung der Frauen den neuen Wagen baut. Denn den brauchen sie unbedingt – für die Süßigkeiten und die Flüssigkeiten zum Stärken.

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