"Wir spielen aus dem Herz heraus"

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Um was es bei klassischer indischer Musik geht, haben Workshop- und Konzertbesucher am Montag in der Kirchberger "fabrik" vom Sarod-Spieler Abhisek Lahiri und dem Tabla-Spieler Parthasarathi Mukherjee erfahren.

Tags zuvor waren die beiden Musiker bereits in der Haller Akademie der Künste zu hören - allerdings weniger mit klassischer indischer Musik, sondern mit Weltmusik. Sie traten gemeinsam mit dem Japaner Hideaki Tsuji auf, der in Straßburg am Konservatorium Gitarre unterrichtet sowie das dreisaitige Lauteninstrument Shamisen spielt. Akademiedozent Ralf Nikel, der Lahiri seit einem Kalkutta-Aufenthalt vor 13 Jahren kennt, hatte das als Trio "Ionah" auftretende Ensemble schon zum zweiten nach Hall gelockt. Dort boten sie typische Momente des Raga-Spiels mit Wiederholungen, ebenso komplexe, dennoch schön fließende indische Rhythmik, die eine Komposition wie "Aelwynn" bestimmte. Auch Stücke des japanischen Gitarristen wie "Lliane" waren zu hören oder das von Flamenco-Rhythmen bestimmte "Duende", das ebenso wie "Vrindabani Sarang" das Publikum in Hall begeisterte.

Die Kirchberger Konzertbesucher mussten auf Hideaki Tsuji verzichten. So konzentrierte sich das zum Duo geschrumpfte Ensemble auf klassische Abend-Ragas: "Chayanat" nannte sich der erste mit einem ausführlichen Sarod-Solo. Nach schweifendem Beginn mit Verschleifungen und Verzierungen steigerte Lahiri sein Solo mit rhythmische Verkleinerungen der Notenwerte. Die eigentlichen Temposteigerungen folgten aber erst als das Tabla-Spiel dazu kam. So gelang den beiden Musikern eine wunderbar weit gespannte Steigerung bis in die ekstatisch virtuosen und packenden Schlusspassagen. Diese waren zudem durch schnelle Wechsel zwischen Tabla- und Sarod gekennzeichnet. Mit "Kirawani" erklang ein "tiefgründiger und ernster" Raga . Lahiri gestaltete den Anfang mit sanften Seufzern. Mehrfach wurde das Tempo gesteigert. Rasante Skalenbewegungen und schnelle Wiederholungen charakterisierten das Stück ebenso wie die hervorgehobenen Improvisationswechsel zwischen Tabla und Sarod.

Das Publikum war begeistert. Ebenso erging es den Workshopteilnehmern. Die beiden Künstler hatten ihnen zuvor erklärt, wie das Wechselspiel beim Improvisieren funktioniert, wie das indische Tonsystem aufgebaut ist, was Raga und Tala sind, aus welchen Materialien die Instrumente bestehen und vieles mehr. Bei aller Theorie betonte Abhisek Lahiris aber: "Wir spielen aus unserem Herzen, aus unserem Gemüt heraus."

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