„Wir müssen Mensch und Natur in Einklang bringen“

Simone Peter, Bundesvorsitzende von Bündnis 90/Die Grünen, setzt sich beim Besuch in Schwäbisch Hall für eine ökologische Landwirtschaft ein.

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„Auf ein Eis mit Simone Peter“: Diesen Slogan haben der grüne Bundestagsabgeordnete Harald Ebner (von rechts), seine Landtagskollegin Jutta Niemann und die Bundesvorsitzende von Bündnis 90/Die Grünen, Simone Peter, am späten Freitagnachmittag im Haller Froschgraben wörtlich genommen. Natürlich gab es ein nachhaltig erzeugtes Bio-Eis vom Bauernhof.  Foto: 

Der heftige Schauer, der am Freitag gegen 16.30 Uhr über Schwäbisch Hall niedergegangen ist, hat die Grünen nicht von ihrer Wahlkampfveranstaltung mit ihrer Bundesvorsitzenden Simone Peter abgehalten. „Wir haben entschieden, dass die Wolken vorbeiziehen“, sagt Harald Ebner, Bundestagsabgeordneter und Kandidat für den Wahlkreis Schwäbisch Hall/Hohenlohe, nachdem er und Peter mit rund 30 Minuten Verspätung endlich am Froschgraben beim Kocherquartier eintrifft. Das Wetter hatte Erbarmen, der Regen machte eine Pause. Zuvor hatte es für die Vorsitzende eine Tour durch ökologisch produzierende Lebensmittelbetriebe in der Region gegeben. Unter anderem war man bei der Bäuerlichen Erzeugergemeinschaft Schwäbisch Hall (BESH) in Wolpertshausen zu Gast. Beeindruckt zeigte sich Peter bei der BESH von der hohen Zahl an Bio-Betrieben in der Region – 490 der rund 1450 BESH-Mitglieder arbeiten nach ökologischen Richtlinien: „Uns ist es ein Anliegen, regionale Kreisläufe wie diese zu unterstützen und dieses Thema mit Umwelt- und Naturschutz zusammenzubringen“, sagte sie dort laut einer Pressemitteilung der BESH.

Gedanken zu Barcelona

„Lassen Sie mich zu Anfang kurz etwas zu dem schrecklichen Anschlag von Barcelona sagen“, so steigt Peter dann in ihre Ansprache in Hall ein. Man sei mit den „Herzen und Gedanken“ bei den Opfern und ihren Angehörigen. Es müsse alles getan werden, um den Hass, der den Terrorakten zugrunde liege, zu bekämpfen. Dafür gibt es Applaus von den rund 40 Zuhöreren. „Die meisten sind tatsächlich nicht von den Grünen“, sagt Sarah Bergmann, Ortsverbandsvorsitzende aus Schwäbisch Hall, bei einem Blick in die Runde. Sie steht hinter einem Stand und verteilt gratis Bio-Eis aus Fichtenau. Passanten gehen vorbei, manche bleiben stehen und hören sich ein  paar Minuten die Ausführungen von Peter und Ebner an.

Eine der wichtigsten Fragen für die Zukunft, so Harald Ebner, sei die nach der nachhaltigen Produktion von Lebensmitteln: „Landwirtschaft hat dann eine Zukunft, wenn sie ökologisch ist.“ Entscheidend sei, wie man die Wertschöpfung in der Region halten kann, sagt die Bundesvorsitzende. Man müsse auch in die Nahrungsmittelsicherheit investieren. Das zeige zurzeit mehr als klar der Skandal um die vergifteten Eier. „Das ist ein Punkt, den wir schon sehr lange fordern“, unterstreicht Peter. Die Grünen stünden für eine Verstärkung der ökologischen Landwirtschaft und gegen die Massentierhaltung. „Es ist eine Schande, dass bundesweit nur vier Prozent der Anbauflächen ökologisch genutzt wird“, ergänzt sie.

Auch beim Thema Handel müsse es ein Umdenken geben. Große Handelsabkommen wie TTIP oder CETA seien kontraproduktiv, wenn es um regionale Versorgungsstrukturen gehe. „Der Handel muss fair sein“, so Peter. Die Grünen hätten sich auch gewünscht, dass beim G20-Treffen in Hamburg bessere Ergebnisse vor allem für Afrika herausgekommen wären.

Der Wert der Lebensmittel

Peter kommt zurück auf ihr ursprüngliches Thema und sagt: „Wir müssen es schaffen, Mensch und Natur in Einklang zu bringen.“ Bei der ökologischen Landwirtschaft müssten aber auch die Rahmenbedingungen für die Produzenten stimmen. Landwirte müssten auch gut von ihren Einnahmen leben können. Man müssen endlich wieder über den Wert von Lebensmitteln reden. Die Deutschen zahlten europaweit am wenigsten für Nahrungsmittel, das müsse sich auch im Interesse der Bauern ändern. Den Landwirten könne auch helfen, wenn europäische Fördermittel „umgelenkt“ würden. Außerdem müsse der Bund in den Ausbau einer nachhaltigen Agrarlandschaft investieren.

„Wir werden kämpfen bis zum 24. September“, verspricht Peter und sagt etwas, was man bei den Grünen oft hört: „Wir sind immer dann am besten, wenn uns der Wind entgegen bläst.“ Dazu passt, dass ein paar starke Windstöße die im Froschgraben platzierten Banner und Schirme fast weggepustet hätten. Nach einem weiteren Gespräch mit Harald Ebner klingt die Veranstaltung langsam aus. Einige Interessierte nehmen die Gelegenheit wahr und sprechen die Politiker an. „Die Region Hohenlohe muss man als beispielhaft für die nachhaltige Erzeugung gesunder Lebensmittel bezeichnen“, sagt Peter im Anschluss auf Nachfrage dieser Zeitung. Sie nehme viele Anregungen mit zurück nach Berlin.

Simone Maria Peter ist 1965 in Quierschied, Saarland, geboren worden. Nach dem Abitur studierte sie in Saarbrücken Mikrobiologie. Von 2001 bis 2004 war sie wissenschaftliche Mitarbeiterin und Chefredakteurin der Zeitschrift „Solarzeitalter – Politik, Kultur und Ökonomie Erneuerbarer Energien“. Anschließend baute sie die Agentur für Erneuerbare Energien in Berlin mit auf und war bis 2006 deren Leiterin. Von 2006 bis 2009 arbeitete sie als Projektmanagerin der Agentur. Von 1999 bis 2000 war Peter energiepolitische Sprecherin des Landesvorstands von Bündnis 90/Die Grünen Saarland. 2003 bis 2004 war sie Sprecherin der Bundesarbeitsgemeinschaft Energie der Grünen. Von 2009 bis 2012 war sie Landesministerin für Umwelt, Energie und Verkehr im Saarland. Seit Oktober 2013 bildet Peter gemeinsam mit Cem Özdemir des Bundesvorstand von Bündnis 90/Die Grünen.

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