Bausparkasse ist gut ins neue Jahr gestartet

Im ersten Quartal stieg die Baufinanzierung um 14, das Bausparen jedoch nur um 0,1 Prozent.  Vorstandschef Reinhard Klein gibt sich kämpferisch.

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Reinhard Klein (Vorstandsvorsitzender), Caren Miosga (Fernseh-Moderatorin), Wolfgang Kirsch (Aufsichtsratsvorsitzender) und Alexander Lichtenberg (Vorstandsmitglied) gestern bei der Hauptversammlung der Bausparkasse.  Foto: 

Wir kommen gut durch, auch wenn die Zinsen so niedrig bleiben. Aber es reicht noch nicht, um eine vernünftige Dividende zu zahlen“, rief Reinhard Klein am Mittwoch bei der Hauptversammlung den Aktionärsvertretern zu. Langen Beifall erhielt der Schwäbisch-Hall-Vorstandschef dennoch. Die Teilhaber dürften ohnehin kaum mit einer bedeutenden Ausschüttung gerechnet haben.

Besonders gut gefallen hat dem Aufsichtsratsvorsitzenden Wolfgang Kirsch, was Reinhard Klein in Zusammenhang mit Niedrigzins, Regulatorik und Digitalisierung gesagt hat: „Wir hören auf zu jammern, krempeln die Ärmel hoch. Wir können auch in diesem Umfeld erfolgreich sein.“ Als Marktführer mit einem Anteil von mehr als 30 Prozent gebe es genügend Punkte, um zu forcieren. Klein schloss nicht aus, dass es in der Branche weitere Zusammenschlüsse geben wird. Schwäbisch Hall würde das eher nützen als schaden. Die Position sei glänzend. Der Bekanntheitsgrad in Deutschland liege bei 94, die Markensympathie bei 47 Prozent. Das seien jeweils die Spitzenwerte in der Branche. Schwäbisch Hall werde in den kommenden Jahren mit aller Kraft auf Angriff spielen.

Klares Wachstumsfeld

Immer deutlicher kristallisiert sich heraus, dass das Geschäftsfeld Baufinanzierung (Darlehen an private Bauherren) ein klares Wachstumsfeld für Schwäbisch Hall ist. Das wurde auch im ersten Quartal 2017 deutlich. Die Baufinanzierung wuchs um 14 Prozent gegenüber dem Vorjahr, das Bausparen hat dagegen nur ein schwach positives Vorzeichen.

Im zurückliegenden Jahr ging das Volumen des Neugeschäfts von 35 auf 29,2 Milliarden Euro zurück. Die Bausparkasse erklärt dies auch mit Vorzieheffekten im Zuge einer Tarifumstellung.

Zum Gesamtumsatz des Konzerns trugen die drei Tochterunternehmen SH Facility Management, SH Kreditservice und SH Training zusammengefasst 215 Millionen Euro, nach 240 Millionen im Vorjahr.

Nahezu konstant ist der Anteil, den das Auslandsgeschäft zuträgt: rund 20 Prozent. 2016 ist das Neugeschäft in Tschechien, Ungarn der Slowakei und China leicht gestiegen, das Ergebnis etwas gesunken.

Zinsüberschuss sinkt

„Die Niedrigzinspolitik frisst sich in den Zinsüberschuss rein“, machte Reinhard Klein deutlich. Dieser Zinsüberschuss ging von 2015 auf 2016 um 28,6 Prozent zurück – von 918 auf 655 Millionen Euro.

Rückläufig ist auch das Konzernergebnis vor Steuern. 2014 lag es bei 379 Millionen Euro, 2015 bei 341 und im vergangenen Jahr bei 158 Millionen Euro. Belastet ist das Ergebnis 2016 durch die Bildung von Rückstellungen in Höhe von 175 Millionen Euro. Mit denen sollen künftige Zinsforderungen bedient werden. Hintergrund: Angesichts der anhaltend niedrigen Zinsen auf dem freien Markt beanspruchen immer weniger Kunden nach erreichter Zuteilungsreife ihrer Bausparverträge die möglichen Bauspardarlehen. Damit laufen die Bausparverträge fort.

Zu Gast waren die ehemaligen Vorstandsvorsitzenden Matthias Metz und Alexander Erdland. Metz ist inzwischen Aufsichtsratsvorsitzender der Bechtle AG. Erdland blieb nach seinem Ausscheiden als Vorstandschef der W&W-Gruppe Präsident des Gesamtverbands der Deutschen Versicherungswirtschaft.

Am Tag vor der Hauptversammlung der Bausparkasse Schwäbisch Hall werden traditionsgemäß die 100 Raiffeisenbanken in Hall geehrt, die im zurückliegenden Jahr die meisten Bausparverträge verkauft haben. Diese Veranstaltung fand am Dienstagabend statt. Als Ehrengast hatte Schwäbisch Hall dazu die Schauspielerin Senta Berger eingeladen. „Eine faszinierende Frau“, sagte Gerhard Hinterberger. Der Vertriebsvorstand der Bausparkasse interviewte die Schauspielerin, die übermorgen 76 Jahre alt wird. Zu Gast bei den „Top 100“ war auch der irische Sänger Johnny Logan (“What’s Another Year“).

Die Gastrede bei der Hauptversammlung hielt gestern die ARD-Nachrichtensprecherin Caren Miosga zum Thema „Kommunikation in digitalen Zeiten“. Die Tagesthemen-Moderatorin sprach über die Schwierigkeiten, richtige von falschen Nachrichten zu unterscheiden. Angesichts der Vielzahl an Medien und Nachrichten seien die Parameter durcheinandergekommen, die helfen, wahre von erfundenen Fakten zu unterscheiden. „Fakten sollten unantastbar sein“, so Caren Miosga. Für die Unternehmenskommunikation gab die 48-Jährige Journalistin den Bankern vier Grundregeln mit auf den Weg: ehrlich sein, zu Fehlern stehen; mutig sein, nicht vor den Schwächen weglaufen; Grenzen ziehen, nicht alles akzeptieren sowie sich verantwortungsbewusst mitteilen, dabei an die Folgen denken. just

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