„Wir haben keine Alternative“

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Viel Platz hat Steffen Schumacher, stellvertretender Kommandant der Feuerwehr Braunsbach, nicht zwischen dem Löschfahrzeug und dem Garagentor. Das Braunsbacher Feuerwehrmagazin ist schon vor der Sturzflut veraltet gewesen und hat modernen Normen nicht entsprochen, wie das Bild anschaulich darstellt. Das soll sich durch den Bau eines neuen Magazins ändern.  Foto: 

Tobias Eberlein, stellvertretender Kommandant der Freiwilligen Feuerwehr Braunsbach, steigt im Feuerwehrmagazin an der Orlacher Straße in das dort stationierte LF 8 (Löschgruppenfahrzeug). Er startet den Motor und fährt ein kurzes Stück vor bis zum Garagentor. Steffen Schumacher, ebenfalls stellvertretender Kommandant, quetscht sich durch den schmalen Freiraum, der noch zwischen LF 8 und dem Tor ist. „Sehen Sie, sehr viel Platz haben wir hier wirklich nicht“, sagt er zum Reporter. Die beiden wollen veranschaulichen, dass das Braunsbacher Magazin schon lange nicht mehr zeitgemäß ist. „Unabhängig von der Flut haben wir keine Alternative zu einem Neubau“, sagt der Kommandant der Braunsbacher Wehr, Rolf Dierolf.

Enge Absprachen

Schon in den Feuerwehrbedarfsplan von 2009 ist eine Sanierung oder Erweiterung des Magazins um eine Box aufgenommen worden, führt der Kommandant weiter aus. „Die Sturzflut hat aber solche Schäden verursacht, dass eine Sanierung viel zu aufwändig wäre“, ergänzt Bürgermeister Frank Harsch. Außerdem sei der alte Bau einfach nicht mehr zeitgemäß. Hier stelle sich auch eine völlig andere Situation dar als bei der Burgenlandhalle, die noch zu sanieren sei. Man sei zwar gut versichert, aber um einen Neubau des Magazins, der auch den aktuellen Richtlinien für Feuerwehrbauten und dem Arbeitsschutz entspreche, werde man nicht herumkommen. Sanierungen würden von der Versicherung übernommen, bei einem Neubau werde aber nur der Zeitwert ausbezahlt. Das wären wohl nur geschätzte 100 000 Euro. Für ein neues Magazin, für das schon erste Planungen vorliegen, geht Architekt Siegfried Kienle aus Schwäbisch Hall von einer Investitionssumme von 1,6 Millionen Euro aus – inklusive dem dafür notwendigen Grunderwerb. „Bei einer Sanierung können wir nicht mal ansatzweise die modernen Vorgaben einhalten“, stellt Kienle klar. Das wäre „ein Fass ohne Boden und rausgeschmissenes Geld“.

Seine Planungen seien in enger Absprache mit der Feuerwehr entwickelt worden. „Die wichtigsten Gründe für einen Neubau sind für mich die Sicherheit und Gesundheit der Feuerwehrleute, deren Aufgaben ja schwer genug sind“, schreibt Kienle in seinem Vorentwurf, der auch dem Gemeinderat vorliegt. Dort steht man auch hinter dem Neubau. Man wolle auch keinen Industriebau, so der Architekt, sondern setze auf Holztafelbauweise: „Der Bau soll ordentlich gestaltet werden, damit er auch in den historischen Ort passt.“

Nun ginge es darum, auszuloten, was an Fachförderung für das Projekt vom Land zu bekommen ist. In Frage kämen die Feuerwehrfachförderung und Mittel aus dem Ausgleichstock. Davor müsse das Baugesuch durch den Gemeinderat (in der gestrigen Sitzung ist darüber beraten worden. Mehr dazu am Freitag). „Wir dürfen uns aber nichts vormachen. Es wird ein hoher Eigenanteil an der Gemeinde hängenbleiben“, stellt Bürgermeister Harsch klar. Er geht von rund 450 000 Euro aus. Die Finanzierung sei aber noch nicht geklärt. Harsch nennt aber mögliche Optionen, um an das Geld zu kommen: Verkauf von Gemeindeeigentum, zum Beispiel Grundstücke, oder eine Kreditaufnahme. Man dürfe aber auch nicht vergessen, ergänzt er, dass mit einem neuen und modernen Magazin auch Vermögen geschaffen werde.

Der Standort bleibt

Die Zeit bis zur Bewilligung der Zuschussanträge soll genutzt werden, um die Planung noch weiter detailliert auszuarbeiten. „So was hätten wir nicht schon ein halbes Jahr nach der Sturzflut machen können“, sagt Architekt Kienle. Seit über einem Jahr hat sich daher die Braunsbacher Feuerwehr, also der Löschzug 1 im Hauptort, provisorisch eingerichtet. „Das funktioniert auch bislang gut“, sagt Kommandant Dierolf. Am Standort des Magazins in Braunsbach soll sich übrigens nichts ändern. „Wir hatten zwar fünf Optionen für andere Standorte, aber wir sind überzeugt, dass der Standort Orlacher Straße der beste ist“, so Dierolf. Beispielsweise sei es am Kocher wegen der Hochwassergefahr zu unsicher, desweiteren könne man ja auch nicht vom Hauptort weg.

Mit einem Baubeginn rechnet Architekt Kienle nicht vor 2018. Dann sollte der Bau aber in einem Dreivierteljahr abgeschlossen sein. „Wir können uns keine anderthalbjährige Bauzeit leisten“, ergänzen unisono Bürgermeister und Feuerwehrkommandant. Es müsse auch noch geklärt werden, wo der Löschzug 1 in der Bauzeit untergebracht werde.

In seinem Vorentwurf listet Architekt Siegfried Kienle die Mängel des bestehenden Feuerwehrmagazins in Braunsbach auf. So entsprächen die Stellplatzgrößen nicht den Vorgaben und Sicherheitsabstände in den Fahrzeughallen seien nicht vorhanden. Die Umkleide- und Sanitärräume sowie WCs und Duschen seien nur unzureichend und nicht nach Geschlechtern getrennt – zu den 52 Feuerwehrleuten des Löschzugs 1 gehören auch drei Frauen. Es gebe, so Kienle, keinen Funk- und Telekommunikationsraum, keinen Jugendraum, keinen Ruhe- oder Bereitschafts-/Aufenthaltsraum, keinen Raum für Lagebesprechungen und auch keine Verwaltungs- oder Büroeinheit.

Das neue Gebäude wird im Betriebsgebäude zweistöckig und verfügt über alle genannten Räumlichkeiten. Im Erdgeschoss stehen 147 Quadratmeter Nutzfläche zur Verfügung, im Obergeschoss 141,50 Quadratmeter. Die Halle mit insgesamt drei Stellplätzen, Lager und Werkstatt verfügt über 229 Quadratmeter Nutzfläche. noa

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