„Wie eine Landarztpraxis“

Die kleine Tüngentaler Raiffeisenbank mit ihren vier Mann hat Besuch aus der Frankfurter Zentralgenossenschaftsbank bekommen.

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Treffen in Tüngental: (von links) Thomas Birnbaum und Hans-Bernd Wolberg besuchen Wolfgang Greulich und Andreas Stein.  Foto: 

Während ringsum Bankfilialen schließen und Banken fusionieren, widersetzt sich Andreas Stein, seit 2009 gemeinsam mit Wolfgang Greulich Vorstand der Tüngentaler Raiffeisenbank, dem Trend – mit Erfolg. „Wir werden unseren Gewinn 2017 verdoppeln“, verkündet er, als der stellvertretende Vorsitzende der DZ-Bank AG, Hans-Bernd Wolberg, und der Regionaldirektor der genossenschaftlichen Zentralbank in Stuttgart, Thomas Birnbaum, die Mini-Bank auf dem Land besuchen.

„Vertrauen ist die Basis“

Neugierig auf das ungewöhnliche und vermeintlich überholte Geschäftsmodell der Tüngentaler Bank wurde der DZ-Vorstand im Juni 2017 auf einem Genossenschaftssymposium der Uni Münster. Dort war Andreas Stein Teilnehmer einer Podiumsdiskussion – und seine Bank das Gegenbeispiel zu den großen Häusern. „Diese Bank wollte ich mir unbedingt anschauen“, so Wolberg.

Aber was läuft in Tüngental anders? „Wir führen die Bank wie eine Landarztpraxis. Vertrauen ist für uns die Basis der Beziehung zu unseren Kunden. Ich habe das Gefühl, die Menschen suchen in Zeiten von Online-Banking die Nähe. Wir sind Vertrauenspersonen, die länger da sind und nicht alle paar Jahre wechseln“, erklärt Stein. Inzwischen kämen sogar Kunden aus der Stadt nach Tüngental.

Wolfgang Greulich, seit 2016 Steins Vorstandskollege, betont, dass die beiden sich nicht zu schade seien, Kunden am Schalter zu bedienen, wenn einer der beiden Mitarbeiter krank ist. „Wir kennen uns in allen Bereichen aus und können die Kunden sofort kompetent beraten. Da muss nicht erst ein Experte geholt werden“, meint er. Das sieht auch Andreas Stein so. „Es ist ein gutes Gefühl, wenn ich abends heimkomme und einem Unternehmer bei der Verwirklichung einer Investition geholfen habe. Ich kann in der Regel sofort sagen, ob der Kunde einen Kredit bekommt oder nicht.“

Auch beim Immobilienverkauf unterstützt Stein die Kunden. „Das ist Vertrauenssache, so etwas macht man ja nicht oft im Leben“, betont er.

Auch in Wolpertshausen, wo die Raiffeisenbank Tüngental seit Oktober 2016 an festen Wochentagen vor Ort ist, läuft das Geschäft. „Wir haben jetzt 109 Kunden beziehungsweise Mitglieder dort“, so Stein. Die Hemmschwelle für die Leute sei niedriger geworden, seit der Bankenwechsel einfacher geworden ist.

Der Kunde muss bei der kleinen Tüngentaler Bank auf nichts verzichten, was er von großen Banken kennt. „Wir haben die gleiche Technik und die gleichen Verbundpartner wie größere Raiffeisenbanken“, sagt Stein.

Stolze Mitglieder

Für ihn ist klar, dass es richtig war, unabhängig zu bleiben. „Unsere Mitglieder stehen hinter der Bank. Sie sind stolz, eine eigenständige Bank hier zu haben. Wir wollten beweisen, dass auch kleine Einheiten überlebensfähig sind.“ Damit hat er sogar den DZ-Vorstand beeindruckt. „Wir üben keinen Druck aus, zu fusionieren“, so Wolberg. Die Bank mache hier einen guten Job, sie sei gemäß der genossenschaftlichen Idee nah am Kunden und mit ihrer Geschäftsidee erfolgreich. „So lange Eigenkapital und Liquidität vorhanden sind und sie die Kredite sauber bearbeitet, kann sie die nächsten 100 Jahre so weitermachen“, sagt er augenzwinkernd.

Die Raiffeisenbank (Raiba)  Tüngental wurde 1900 gegründet. Ihre Bilanz lag zuletzt bei rund 30 Millionen Euro. Sie hat rund 900 Privatkunden und ist die viertkleinste Bank in Deutschland. Sie war auch schon Thema im Handelsblatt: In dem zweiseitigen Artikel vom Dezember 2016 begründet Vorstand Andreas Stein, warum er nichts von Fusionen zur Lösung der Bankenprobleme hält. siba

Die Raiffeisenbank  Tüngental wurde im Jahr 1900 gegründet. Ihre Bilanz lag zuletzt bei rund 30 Millionen Euro. Sie hat rund 900 Privatkunden und ist die viertkleinste Bank in Deutschland. Sie war auch schon Thema im Handelsblatt: In dem zweiseitigen Artikel vom Dezember 2016 begründet Vorstand Andreas Stein, warum er nichts von Fusionen zur Lösung der Bankenprobleme hält. siba

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