"Weg vom Klinkenputzen"

Schwäbisch Hall will sich verstärkt als Einkaufsstadt profilieren. Dazu sollen auch die Händler ihren Teil betragen, die Stadt hat dazu ein neues Vermarktungskonzept entwickelt. Noch ist die Teilnahme bescheiden.

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22 Monate ist es her, dass das Kocherquartier eröffnet worden ist: Die dortigen Händler warben damals unter anderem mit bunten Luftballons für sich. Am Stadtmarketing beteiligt sich dagegen kaum einer der Filialisten. Archivfoto: Weigert

Am Ende sah sich Oberbürgermeister Hermann-Josef Pelgrim genötigt, grundsätzlich zu werden: "Ich bitte doch zur Kenntnis zu nehmen, dass die Lage besser ist als in der Diskussion oft vermittelt wird." Zuvor hatten sich die Mitglieder des Verwaltungs- und Finanzausschusses die Köpfe heiß geredet über den Einzelhandel in Hall. Und auch über die Frage, ob und in welcher Form sich die öffentliche Hand am Marketing beteiligen soll - beziehungsweise muss.

Erste Bürgermeisterin Bettina Wilhelm sowie Silvia Wittmann und Janine Leonberger vom städtischen Eigenbetrieb Tourismus und Marketing (TM) hatten zuvor den Stadträten ihr neues Vermarktungskonzept vorgestellt und dabei auch die Probleme genannt. Die größte Schwierigkeit bisher: Die Haller Händler beteiligen sich nach wie vor finanziell nicht in dem Ausmaß, wie sich das die Stadt wünscht.

Um die Werbung für Aktionen wie den Haller Herbst, den Haller Frühling oder die Shopping Night zu machen, begaben sich die TM-Mitarbeiter bislang auf Betteltour durch die Haller Geschäfte. Mit bescheidenem Ergebnis: 2011, im Jahr der Groß-Kampagne für die Kocherquartier-Eröffnung, kamen 12000 Euro zusammen. "Wir wollen weg vom Klinkenputzen", sagt Bettina Wilhelm. Die Idee: Die Gewerbetreibenden sollen sich verlässlich und gestaffelt nach Betriebsgröße beteiligen - so zahlt ein Händler mit einer Ladenfläche von 100 Quadratmetern künftig 365 Euro pro Jahr, einer mit 1000 Quadratmetern 1825 Euro. Wenn er denn will: Bisher haben sich erst 44 Betriebe zur Teilnahme bereit erklärt, 19500 Euro kamen so zusammen - allein die Händlerinitiative "Hall aktiv" hat 178 Mitglieder, in der Innenstadt gibt es weit über 200 Betriebe. Vor allem Gastronomen und Filialisten (Bettina Wilhelm: "Wir beißen auf Granit") tragen kaum zum Stadtmarketing bei.

Ein Umstand, der nicht nur Silvia Wittmann vom Stadtmarketing ("Ich frage mich täglich, an was es liegt") verwundert. "Ich finde es schon ein bisschen schäbig von den Betrieben", meint Helmut Kaiser (SPD), "wer sich nicht einbringt, kann auch keine Ansprüche an die Stadt stellen". Ähnlich sieht es Hans-Peter Geisen (FWV). Es sei zu wenig, nur zu sagen: "Mach mal was für mich." Die Stadt könne sowieso nur ein gutes Umfeld bieten: "Die Einzelvermarktung ist die Sache der Händler." Kristian Neidhardt (FDP) empfindet ein Missverhältnis zwischen den Filialisten, die sich in Hall "nicht örtlich verbunden" fühlten und den alteingesessenen Familienunternehmen: "Sie haben oft nicht die Kraft und das Geld, hier groß einzusteigen." Das sieht auch Uta Rabe (CDU) so: "500 Euro sind für einen kleinen Händler viel Geld." Jutta Parpart (Bündnis 90/Die Grünen) wundert es, dass bei 178 Hall-Aktiv-Mitgliedern nur 44 hinter dem Marketingkonzept der Stadt stehen: "Das ist eine sehr kleine Zahl". Friedrich Waller (FWV) merkt an, dass die Nichtbeteiligung der großen Handelsketten für die Einzelhändler auch eine Chance sei, sich zu präsentieren. Und Andrea Härterich (CDU) macht den Damen vom zuständigen Eigenbetrieb zumindest Mut, nicht nachzulassen: "Sie sind auf dem richtigen Weg."

Dort sieht Oberbürgermeister Hermann-Josef Pelgrim Schwäbisch Hall auch. Die Entwicklung in den letzten 25 Jahren sei äußerst positiv, die Stadt werde wahrgenommen als Handelsplatz: "H&M, Müller, Ritter-Areal, Woha, Kocherquartier - es sind eine Vielzahl von Maßnahmen, die wirken." Pelgrim warnt davor, dass sich die Haller Händler selbst zerfleischen: "Es geht nicht um Schulgasse gegen Blockgasse oder Gelbinger Gasse gegen Marktstraße" - vielmehr müsse man sich gemeinsam im Wettbewerb gegen andere Städte sehen. Darüberhinaus seien auch die Mittel einer Stadt begrenzt: "Jeder Händler kämpft natürlich in erster Linie für sich selbst."

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