„Voll enthemmt auf Kukident“

Die Haller Krimiautorin Tatjana Kruse hat den ersten Fall der „Schnüffel­schwestern“ veröffentlicht. Soviel sei gesagt: „Der Gärtner war‘s nicht“.

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Kennen Sie das Phänomen? Man liest oder hört etwas und summt dann den ganzen Tag vor sich hin. So kann es dem Leser mit dem neuesten Kriminalroman „Der Gärtner war‘s nicht“ von Tatjana Kruse gehen. Titel und Inhalt beziehen sich auch auf das Lied „Der Mörder ist immer der Gärtner...“ (1971) von Reinhard Mey.

„Es ist da!!! 299 Gramm schwer, 19 Zentimeter groß, Mutter und Kind wohlauf!“, freute sich Autorin Tatjana Kruse vor wenigen Tagen auf Facebook über die Buchgeburt im Berliner Insel-Verlag. Es ist ein neuer Verlag – und mit ihm kommen neue Protagonisten. Denn weder Pauline Miller noch Siegfried Seifferheld, dafür aber die K&K-Schwestern Konny und Kriemhild ermitteln. Sie führen eine Frühstückspension in der Provinz – genauso wie Kruses Mutter einst in Schwäbisch Hall. Mit dabei: Ein Hotelkritiker, eine Band und unerwartete Gäste. Dazwischen die Schwestern, ein nackter Kater und der Gärtner Herr Hirsch.

Falsche Fährten

Wie es sich für einen klassischen Kriminalroman gehört, gibt es falsche Fährten, Missverständnisse und ungeahnte Wendungen. Fast alle Beteiligten hätten Motiv und Möglichkeit zum Mord. Außer dem Nacktkater Amenhotep – und: Der Gärtner war es wirklich nicht, wie es bereits im Titel heißt.

So mancher Witz und auch der szenische Aufbau sind altbewährt, wie „Kruse-Kenner“ feststellen können. Statt Polizeiberichten gibt es Kummerkasten-Tanten-Ratschläge von Konny. Statt Mops oder Hovawart-
Rüde nun eine groteske Sphinx-Katze in der tierischen Hauptrolle, unterstützt von Schafen. Der humorige Schlagabtausch und die teils derben Sprüche reizen weiterhin zum Lachen – doch diesmal in einer feineren Dosis. Es werden zwar stark überzeichnete Situationen und Protagonisten beschrieben, und doch ist es kein bloßer aneinandergereihter Slapstick: Es bleibt beim Lesen Zeit zum Genießen im Nachgang.

Auch darf man wieder über die Rolle einer Gummipuppe, sowohl schon bei Tom Sharpes „Puppenmord“ als auch bei Kruse bewährt, schmunzeln. Und Hohenlohe und Schwäbisch Hall bleiben Handlungsorte wie bei vielen ihrer mittlerweile über 20 Kriminalromanen. Allerdings für Ortsfremde nicht offensichtlich: das Restaurant Eisenbahn, ein Ringhotel in der Stadt, die Adretta-Reinigung, das Diakonie-Krankenhaus oder ein Verweis auf die Unwetterkatastrophe in Braunsbach fallen, der Stadtname hingegen nicht.

In „Der Gärtner war‘s nicht“ werden die Wechseljahre, Pros­tata- oder Potenzprobleme thematisiert. „Voll enthemmt auf Kukident“ heißt eines der grotesk-komischen Kapitel mit nicht jugendfreiem Inhalt. Veganer werden ebenso wie Frauen und Männer allgemein oder Stammtisch- und Märchenweisheiten auf die Schippe genommen. Dazwischen geht es auf die lebensgefährliche Suche nach dem Mörder eines Gasts – erfolgreich, versteht sich.

Die scheinbar willkürlich gesprochenen Worte des Gärtners, der oft mit dem Aufsitzrasenmäher unterwegs ist,  verblüffen durch ihre Absurdität. Der Aphasiker hat nach einem Schlaganfall ein gestörtes Sprachzentrum. Ein Zitat gefällig? Bitte sehr: „Wichtelmännchen“, sagte Herr Hirsch. „Gesäßfurunkel“, gab ihm Klaus recht. „Schnabeltasse“, freute sich Luigi. Eine lockere Unterhaltung für alle Fans von Tatjana Kruse, die wissen, worauf sie sich einlassen.

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