„Tu’ langsamer“

Sina Mack aus Tiefenbach ist Bäuerin mit Leib und Seele – doch auch sie bringt der Alltag zwischen Stall, Küche, Büro und Kinderzimmer manchmal an ihre Grenzen.

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Der Wecker von Sina Mack klingelt um 5.30 Uhr. „Das geht“, sagt Sina Mack, 28 Jahre, zwei Kinder, Milchbäuerin. „Manche stehen früher auf.“ Sina Mack frühstückt und geht dann in den Stall. Um 6 Uhr schließt sie die Melkmaschinen an. „Melken mache ich am liebsten. Deshalb kommt mir auch kein Melkroboter in den Stall.“ Sie füttert die Kühe, „das mache ich auch sehr gerne!“, sagt sie. „Bei den Kühen hat man halt feste Zeiten, an die muss man sich halten.“ Doch auch die Mastbullen und das Jungvieh wollen versorgt sein.

Wenn Sina Mack aus dem Crailsheimer Teilort Tiefenbach mit der Stallrunde fertig ist, sind ihre beiden Mädchen, vier und zwei Jahre, meist schon wach. Sie haben sich nach dem Aufwachen zur Uroma getrollt, die mit ihnen gespielt oder ihnen vorgelesen hat. „Gegen acht komme ich zurück. Ich ziehe die Kinder an und mache Frühstück. Dann bringe ich Pia in den Kindergarten“, sagt Sina Mack. Vormittags ist sie im Haus oder Stall unterwegs.

Namen aller Kühe auswendig

Sina Mack ist Landwirtschaftsmeisterin und kümmert sich um die Kühe. „Das wollte ich schon immer. Schon als Vierjährige habe ich die Namen aller Kühe im Stall gekannt.“ Ihren Mann Philipp hat sie bei der Landjugend kennengelernt. Er stammt aus Mistlau. Den elterlichen Hof hat sein Bruder übernommen. Philipp Mack ist zu ihr gezogen. „Das ist bei uns in der Familie irgendwie immer so“, sagt Sina Mack. Schon der Vater kam zur Mutter auf den Hof, der lange im Nebenerwerb geführt wurde.

In diesem Moment schaut Ehemann Philipp Mack vorbei und teilt mit, dass er nicht zum Mittagessen kommt. „Aber kommst du abends in den Stall?“, fragt sie. Er kann es noch nicht sagen. „Dann schreib‘s mir“, sagt Sina, Philipp nickt, winkt den Töchtern zu und ist verschwunden. Er kümmert sich um die Putenställe, die die Familie in der Nähe gebaut hat. „Er wollte etwas Eigenes haben“, sagt Sina Mack, doch ihr Mann kümmert sich dazu um die Äcker. „Früher habe ich das auch gemacht. Jetzt schaffe ich das nicht mehr.“ Mit dem Vieh, dem Haushalt, dem Garten und nicht zuletzt mit den beiden Kindern ist sie voll beschäftigt. Und wenn man sich Sina Mack anschaut – klein, zierlich, blond –, dann kann man sich das Pensum kaum vorstellen, das sie täglich stemmt. Ob sie manchmal an ihre Grenzen kommt? „Ja, ich muss schon aufpassen. Ich neige dazu, zu viel zu machen. Aber dann sagt meine Mutter: ‚Tu langsamer.’“

Auch wenn sie für ihre Kinder und den Mann das Mittagessen selbst kocht, „denn wir essen getrennt“, so weiß sie doch, dass sie sich auf die Familie verlassen kann. Denn ohne deren Hilfe würde es nicht gehen, sagt sie. „Wir sind ein Familienbetrieb. Und das soll auch so bleiben.“ Selbstverständlich hilft der Bruder mit. „Er ist mir eine echte Stütze. Deshalb können wir alle auch mal in den Urlaub fahren.“

„Ich nehme mir ganz bewusst auch Zeit für die Kinder“, sagt Sina Mack. Einmal pro Woche geht sie mit der Kleinen in die Mutter-Kind-Gruppe, einmal ins Kinderschwimmen. „Aber sie müssen oft mit in den Stall. Im Sommer stelle ich ein Planschbecken vor den Stall. Und dann trinken wir eiskalte Milch aus dem Tank. Das ist immer schön.“

Nach dem Mittagessen geht es für Sina Mack natürlich weiter. Füttern, nach dem Rechten sehen. Und Hobbys? Die vier Hühner. „Ich kümmere mich einfach gerne um Tiere.“ Ob es denn auch etwas gibt, das sie nicht so gerne macht? „Das Büro“, sagt sie, denn sie ist keine Stubenhockerin. Sie ist eben lieber draußen und schafft.

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