Wolfgang Reimer: „Sieht ja super aus hier bei Ihnen“

Regierungspräsident Wolfgang Reimer besichtigt am Mittwoch die Fortschritte in Braunsbach. Im Anschluss treffen sich das Führungsteam des RP, des Landratsamtes und Bürgermeister Harsch zum Arbeitsessen.

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Regierungspräsident Wolfgang Reimer (rechts) gestern bei der Ortsbesichtigung in Braunsbach. Ihn begleitet Dr. Kurt Mezger, Abteilungsleiter für den ländlicher Raum (links). Mit vor Ort auch Landrat Gerhard Bauer (zweiter von links). Bürgermeister Frank Harsch erklärt unterhalb des Marktplatzes, wie in der Nacht zum 30. Mai das Geröll und das Hochwasser die Häuser beschädigten.  Foto: 

Es ist fast, als würden sich alte Freunde treffen: Gestern Mittag, kurz bevor Regierungspräsident Wolfgang Reimer  am Braunsbacher Rathaus ankommt, plaudern Dr. Kurt Mezger und Michael Knaus über ihre Erlebnisse als Pennäler von St. Michael in Schwäbisch Hall. Sie reden von damals, als sich die Haller Gymnasiasten für die Tanzstunde noch eine „Backfischklasse“ im Mädchengymnasium am Haal anschauten. Die beiden waren zwei Jahre auseinander, waren in unterschiedlichen Klassen. Die gemeinsame Vergangenheit scheint Schmierstoff für ein gutes Verständnis zu sein, um die heute anstehenden Aufgaben zu meistern.

Michael Knaus, Erster Landesbeamter im Landratsamt, und Kurt Mezger, Leiter der Abteilung für den Ländlichen Raum, stehen beim gestrigen Rundgang durch Braunsbach hierarchisch gesehen in der zweiten Reihe. Im Rampenlicht stehen Regierungspräsident Wolfgang Reimer, Landrat Gerhard Bauer und Bürgermeister Frank Harsch. Aber auf der Arbeitsebene laufen bei Knaus und Mezger viele Fäden zusammen. Mezger wie auch Knaus sind deshalb beim Arbeitsessen, das nach der Ortsbesichtigung mit Wolfgang Reimer im Schlosshotel Döttingen anstehen wird, mit dabei.

Man duzt sich

Die Zusammenarbeit mit Bürgermeister Frank Harsch scheint unkompliziert und vertrauensvoll zu sein: Fast alle Beteiligten in der Runde duzen sich. Kurt Mezger lobt:  „Es ist enorm, was die Gemeinde Braunsbach im vergangenen Jahr geleistet hat. Der Bürgermeister hat es fertig gebracht, bis Mitte August 54 unterschriftsreife Anträge für das Entwicklungsprogramm Ländlicher Raum vorzulegen. Es war eine Herkulesarbeit, die hier geleistet wurde.“  Über das sogenannte ELR-Programm bekommen Privatleute und Betriebe Fördergelder für Investitionen. Im Frühsommer hatte das Land eine Sonderlinie Unwetter aufgelegt. Von den 76 Anträgen, die im Regierungspräsidium Stuttgart dafür eingingen, kamen 54 allein aus Braunsbach. Diese wurden vergangenes Jahr bewilligt. „Jetzt stehen Wasser, Abwasser und die Wildbachverbauung an“, sagt Mezger und zeigt auf den Orlacher Bach, der oberhalb des Marktplatzes munter im Bachbett plätschert. „Die Pläne sind fertig, die Ausschreibungen gehen jetzt raus“, sagt Kurt Mezger.

Wolfgang Reimer war noch vergangenen Juni vor Ort. Der frühere Grünen-Politiker aus Reippersberg kennt Braunsbach gut.  „Das sieht ja super aus hier bei Ihnen“, sagt Reimer, als er den neugestalteten Lebensmittelladen Schwarz betritt. Hatte das frühere Geschäft noch den Charme der 70-er Jahre, strahlt es jetzt Stadtflair aus. „Ist die Straße jetzt endgültig frei?“, fragt Reimer vor dem Laden stehend, als einige Fahrzeuge hoch nach Orlach fahren. „Nein“, sagt Knaus. Ende dieses Jahres, Anfang nächsten Jahres werde sie geöffnet. Aber, wie während des weiteren Rundgangs zu beobachten ist, scheint die Sperrung  doch ignorierbar zu sein.

Bürgermeister Harsch führt die Herrenriege weiter. Zu jedem Haus kann er Geschichten erzählen, berichtet, was geplant ist. Aufbau, Umbau, Abriss. Persönliche Schicksale. Und Aufgaben, bei denen er als Vermittler auftreten will:  „Hier möchte ein Investor seniorengerechtes Wohnen ermöglichen“, erzählt er auf halber Höhe der Straße. Doch ob das Projekt was wird, ist offen. Der Investor bräuchte dazu die Grundstücksfläche eines Hauses. Dessen Eigentümer möchte jedoch nicht verkaufen.

Laufend Förderung

Reimer zeigt sich beeindruckt: „Was ich hier sehe, macht Hoffnung. Es ist schon viel passiert.“  Braunsbach werde angesichts dieser außergewöhnlichen Belastung auch über die Sonderförderungen hinaus unterstützt. So würden im laufenden Etat einige Projekte aus anderen Regionen zurückgestellt, um den Wiederaufbau  zu ermöglichen. „Braunsbach wird gewinnen“, zeigt sich Reimer überzeugt.  Durch das Unglück habe der Ort die Chance, schlechte Bausubstanz zu ersetzen und über eine neue Infrastruktur mehr Lebensqualität zu bekommen.

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