"Seid nicht feige!"

"Mit dem Auto gehen wir alle zwei Jahre zum Tüv, warum nicht mit unserem Körper zur Vorsorge?", fragte Patient Gerhard Winkler. Bei einem Infotag ging es in der Hospitalkirche um Darmkrebsvorsorge.

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26000 Menschen sterben pro Jahr in Deutschland an Darmkrebs. Das müsste nicht sein. Foto: Doc Rabe Media/Fotolia

"Wäre ich mit 45 Jahren zur Vorsorge gegangen, hätte ich mit 49 Jahren keinen Krebs bekommen", berichtete Gerhard Winkler. Der Sprecher der "Ilco"-Regionalgruppe outete sich kürzlich vor zahlreichen Besuchern in der Hospitalkirche als Betroffener.

Um das Thema Vorsorge und Behandlung in die Öffentlichkeit zu tragen, hatten die Selbsthilfegruppe, das Darmkrebszentrum am Diak und die Kreisärzteschaft zu einer Veranstaltung eingeladen. Winkler berichtete da von seiner Darmkrebserkrankung: Bei ihm liege mit einer familiären Anfälligkeit die Anlage zur Erkrankung vor.

Darmkrebs sei die zweithäufigste Krebsart. Männer erkrankten noch häufiger an Prostata-Krebs, Frauen an Brustkrebs. 30 Prozent der Darmkrebs-Erkrankten würden sterben, das seien rund 26000 Menschen im Jahr in Deutschland. Lediglich zwei Prozent der Bevölkerung lasse eine Darmspiegelung vornehmen, wurde berichtet. Und das, obwohl die Krankenkasse die Darmspiegelungen bezahlten.

Dr. Markus Klostermann erläuterte in einem Referat, bei 70 Prozent der Betroffenen entstehe die Erkrankung spontan, sieben Prozent litten an einem genetischen Defekt, 18 Prozent seien familiär vorbelastet, fünf Prozent hätten eine chronische Darmentzündung. Die Risiken für Darmkrebserkrankung seien Übergewicht, Darmpolypen, falsche Ernährung, zu viel Alkohol oder Nikotin, zu viel rotes Fleisch, zu viel fett- und kohlenhydratreiche Nahrung, zu wenig Ballaststoffe. Ebenso fördere Bewegungsmangel eine Erkrankung. Vor allem Personen über 45 Jahren seien gefährdet.

Der Haller Gastro-Enterologe Dr. Markus Klostermann zeigte auf, wie eine Darmspiegelung durchgeführt wird. "Darmkrebs kann durch entsprechende Früherkennung nahezu komplett verhindert beziehungsweise geheilt werden", sagte er. Professor Dr. Markus Golling, Chefarzt der Chirurgie am Diak, stellte die operative Therapie vor. Internist Chefarzt Dr. Thomas Geer referierte über neue Ansätze der Tumortherapie. Der Humangenetiker Dr. Robert Hering informierte über die, allerdings nicht so häufigen, genetischen Defekte.

Die Vorsitzende der Haller Kreisärzteschaft, Dr. Elisabeth Körber-Kröll, hatte schon in ihrem Grußwort zu Beginn gesagt: "Leute seid nicht feige, bleibt euren Angehörigen erhalten, geht zur Darmspiegelung, das ist die einzige und beste Vorsorge."

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