Integration: „Nichts ist einfach in der Asylarbeit“

70 Mitglieder aus Freundeskreisen Asyl tauschen sich im Haus der Bildung in Schwäbisch Hall aus. Der Flüchtlingsrat will ein geweiteres Treffen anbieten.

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Beim Vernetzungstreffen am Samstag im Haus der Bildung sind (von links) Sadiq Zattila, Hanna Hald, Melanie Skiba von der Geschäftsstelle des Flüchtlingsrates, Bärbel Mauch, Ute Schlipf, Ali Soltani und Murtaza Moosavi dabei.  Foto: 

Warum sollten wir denselben Fehler zweimal machen? Oder besser ausgedrückt: Wir können voneinander lernen.“ Das antwortet Bärbel Mauch auf die Frage, warum sich ehrenamtlich Tätige in der Flüchtlingsarbeit vernetzen wollen. Die Reutlingerin ist stellvertretende Vorsitzende des Flüchtlingsrates Baden-Württemberg und engagiert sich wie etwa 70 andere Freiwillige in der Hilfe für Asylbewerber. So groß war die Gruppe, die sich am Samstag im Haus der Bildung in Schwäbisch Hall getroffen hatte. Darunter waren auch Vertreter von Initiativen aus Crailsheim, Mainhardt, Michelfeld und Schrozberg.

Probleme gibt es zuhauf

Mauchs Einschätzung, dass viele Mitglieder der Freundeskreise Asyl bei der täglichen Arbeit an ihre Grenzen stoßen und mitunter „Frust statt Perspektive“ verspüren, teilt Hanna Hald vom Haller Freundeskreis Asyl. Probleme gebe es zuhauf: Wohnen, Arbeitsmarkt, Ausbildung, der Umgang mit Behörden, Fragen zum Aufenthaltsstatus und, und, und. „Es gibt nichts Einfaches in der Asylarbeit“, sagt Hanna Hald. Da sei es sehr hilfreich, dass der Flüchtlingsrat aktiv auf die Initiativen zugehe. Offenbar mit großem Erfolg, wie sich in der ganztägigen Veranstaltung gezeigt hat. „Die Teilnehmer wollen, dass wir das noch einmal anbieten“, meint Melanie Skiba von der Geschäftsstelle des Flüchtlingsrates. Dem wolle man in etwa einem Jahr auch gern nachkommen. Von den anderen Mitgliedern des Flüchtlingsrates kommt zustimmendes Kopfnicken. Der Vernetzung komme große Bedeutung zu, „um den besten Weg zu finden“, sagt Ute Schlipf vom Sprecherrat.

Themen in Workshops vertieft

In Arbeitsgruppen wurden die Themen Organisation und Selbstverständnis der Initiativen, Wohnen, Bildung, Arbeit und Ausbildung, Lokalpolitik und Zusammenarbeit mit den Behörden, Rassismus und Rechtsextremismus sowie Abschiebung vertieft.

„Ablehnungsbescheide können auch falsch sein, das hat sich schon öfter gezeigt“, berichtet Ute Schlipf  Bleiberechtsregelungen, Härtefallanträge oder Duldungen für die Dauer einer Ausbildung seien verschiedene Optionen, die bei drohender Abschiebung in Betracht gezogen werden könnten. Hanna Hald ärgert es, dass die Stadt Schwäbisch Hall, wie viele andere Städte auch, die Mietpreise für die Anschlussunterbringung neu festlegen will.

Mieten sind zu hoch

In den Augen der Ehrenamtlichen könnte es für die Betroffenen zu teuer werden. „Es ist doch ein Unterschied, ob eine etwa gleich hohe Miete für eine eigene Wohnung oder ein Zimmer in einer Gemeinschaftsunterkunft mit Gemeinschaftsduschen und -küche bezahlt wird“, sagt sie. Doch diesbezüglich würden mit der Stadt und dem Jobcenter noch Gespräche geführt.

Ein anderes Problem, wenn auch nur für einen kleineren Kreis der Flüchtlinge, seien die Sprachkurse. Wer studieren wolle, müsse die C-1-Qualifikation nachweisen. Den Kurs dafür gebe es zwar am Goethe-Institut und einmal in der Woche an der Haller Volkshochschule. Doch werde ein Bildungsträger gesucht, der den Kurs kompakt anbieten könne. In Stuttgart würden ebenfalls C-1-Sprachkurse angeboten, aber auf der Fahrt dorthin würden die Teilnehmer viel zu viel Zeit auf der Straße verlieren.

Integration durch Arbeit

Der Flüchtlingsrat ist der Überzeugung, dass Integration über Sprache und Arbeit am besten gelingt. Flüchtlinge mit guten Qualifikationen hätten am Arbeitsmarkt zunehmend gute Chancen. Viele Betriebe würden das Potenzial erkennen und böten Jobs und Ausbildungsplätze an.

Ali Soltani hat es geschafft. Er ist seit etwa vier Wochen deutscher Staatsbürger. Der aus Af­ghanistan stammende Mann hat eine wahre Odyssee durch mehrere Länder Europas und über die Balkan-Route hinter sich. Er hat die mittlere Reife geschafft und arbeitet nach erfolgreicher Ausbildung als CNC-Fräser. Auch er engagiert sich im Flüchtlingsrat und versucht,  Menschen, die in ähnlicher Lage sind, zu helfen.

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