„Neu ist nicht auch automatisch gut“

Möllky und Wikingerschach heißen zwei Outdoor-Spiele, die in skandinavischen Ländern populär sind. Es gibt noch mehr Spiele, die im Freien ausgeübt werden können.

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Peter Zielke kennt sich nicht nur mit Brett- und Gesellschaftsspielen aus. Der Haller weiß auch, welche Trends es bei Spielen im Freien gibt.  Foto: 

Es gab schon immer wenig, und es gibt immer noch zu wenig. Das ist eine Lücke, die wohl keiner so richtig schließen kann“, bedauert Peter Zielke. Er betreibt den Laden „Spielewahnsinn“ in Schwäbisch Hall und ist aus geschäftlichem, aber auch persönlichem Interesse immer auf dem Laufenden, was gerade im Trend ist oder neu auf den Markt kommt.

Deshalb weiß Zielke auch, dass der Markt klein, das Interesse jedoch groß ist. „Tatsächlich kommen die Leute und fragen gezielt, was es gibt, und leider muss ich ihnen sagen, dass das nicht viel ist“, so Peter Zielke.

Als großes Vorbild für das Spielen im Freien, das über Kicken mit dem Ball und Federball hinausgeht, nennt er die skandinavischen Länder, in denen Spiele wie Wikingerschach oder „Mölkky“ schon lange zum festen Spiele-Repertoire gehören.

In Deutschland bekannt gemacht, hat diese und andere Spiele die Sendung „Schlag den Raab“. Das bestätigt auch Peter Zielke. „Man könnte fast sagen, die Idee ,Spiele für Erwachsene im Freien’ war für viele so etwas wie eine Erleuchtung“, sagt er schmunzelnd.

Aus Raabs Sendung kennen viele auch Leitergolf, bei dem mit Bolas auf ein Leitergestell geworfen wird. In Kanada ist das ein bekanntes Spiel, das auch als Turniersport betrieben wird. Alles was man braucht, ist eine dreisprossige Leiter mit stabilem Standfuß und je Spieler oder Mannschaft drei gleichfarbige Bolas – also zwei mit einem Seil verbundene Bälle.

Diese werden auf die Sprossen der Leiter geworfen, wo sie idealerweise hängenbleiben. Je nach Konstellation werden dann unterschiedliche Punkte vergeben.  Der Preis für dieses Spiel beträgt zwischen 20 und 40 Euro. Es gibt aber auch einfache Bauanleitungen im Internet.

Aufschwung durch Fernsehshow

Auch das Frisbee erlebte durch Raabs Fernsehshow einen Aufschwung, auch wenn Zielke es als Dauerbrenner bewertet: „Eine einfache Sache, mit der man schnell viele Leute unterhalten kann“ – so fasst er das zusammen, um  von Wurfscheiben beziehungsweise Ringen zu schwärmen, die mehr als 100 Meter weit fliegen.

Einen neuen Trend macht Zielke bei Wasserspielzeug aus, das auch Erwachsene anspricht – egal, ob Rugby-Eier mit LED-Effekten oder Bälle, die wie Steine über die Wasseroberfläche flitschen.

Toll findet der Fachmann auch die neue „Generation“ der Spielbälle, die extrem leicht sind und sehr hoch springen – teilweise so hoch wie ein Haus. Eine Lanze bricht der Experte auch für die Outdoor-Klassiker, an die viele gar nicht mehr denken – etwa Indiaca oder jetzt, wo es auf den Herbst zugeht, das Drachensteigenlassen.

Die Deutschen selbst sind nach Meinung des Spiele-Experten nicht so kreativ, wenn es um Outdoor-Spiele geht. Doch dafür weiß er, dass viele bei Auslandsreisen die Augen offenhalten. „Die Deutschen reisen gerne und bringen aus dem Ausland Spiel-
ideen mit, die sie dort sehen. So ist Boule nach Deutschland gekommen, das ja mittlerweile richtig verbreitet ist hierzulande.“

Als wachsenden Trend sieht er Bogenschießen. „Man muss in keinen Verein, sondern kann das einfach bei sich im Garten oder auf dem Hof machen“, schwärmt er. Zwar gibt er lachend zu, dass Deutsche sich immer gern in einem Verein organisieren. Doch die meisten, die zu ihm kommen, suchen Unterhaltung für die ganze Familie – sozusagen Spiele, die Generationen verbinden.

Peter Zielke würde sich wünschen, dass mehr kreative Spiel-
ideen für „draußen“ auf den Markt kommen. Auch er hält stets die Augen offen, um neue Ideen zu bekommen. Bevor er Spiele empfiehlt, durchlaufen sie allerdings eine Probephase bei ihm, denn sein Motto lautet: „Neu ist nicht automatisch auch gut.“ Nur was Spaß und Sinn macht, empfiehlt er weiter – zum Beispiel auch Crossboccia. Der Clou bei diesem Spiel: Beginnt es zu regnen, kann man im Haus weiterspielen. Ein anderes Spiel heißt „Dropin Hood“. Aus drei unterschiedlich langen Bändern wird ein Zielfeld abgesteckt, auf das jeder Spieler aus zehn bis 15 Metern Entfernung je drei Pfeile werfen darf. Gewertet wird je nach Abstand zum Zielfeld.

Ziel: 50 Punkte erreichen

Wer zuerst 50 Punkte erreicht, gewinnt das Spiel. Da „Dropin Hood“ am besten auf weichem Untergrund gespielt wird, damit die Pfeile sicher landen, ist es besonders geeignet für die Wiese oder den Strand. Da mit Pfeilen gespielt wird, ist das Spiel eher für Erwachsene oder große Kinder zu empfehlen. Die Kosten für „Dropin Hood“ betragen  etwa 30 Euro.

Beim Wikingerschach spielen zwei Mannschaften gegeneinander. Jedes Team besteht aus bis zu sechs Personen. Die Spieler versuchen, die Holzklötze der Gegenpartei mit einem Wurfholz umzuwerfen. Der König, der in der Mitte des Spielfelds steht, muss zuletzt getroffen werden. Wer zuerst alle Klötze der Gegenpartei und den König getroffen hat, gewinnt das Spiel. Der Preis für dieses Spiel beträgt zwischen zwölf und 40 Euro je nach Holzqualität.

Crossboccia wird mit jeweils drei Stoffsäckchen pro Spieler gespielt – nach den erweiterten Grundregeln des Boule-Spiels. Es geht also darum, sein Säckchen möglichst nahe an einer Zielkugel zu platzieren. Der Clou ist, dass es kein abgestecktes Spielfeld gibt. Crossboccia kann überall gespielt werden, also auch in der S-Bahn oder auf der Treppe, im Haus oder im Garten. Denn der Raum wird dreidimensional genutzt. Der Preis beträgt zwischen 20 und 30 Euro.

Beim Geschicklichkeitsspiel „Mölkky“ sind drei bis sechs teilnehmende Personen sinnvoll. Mit einem Wurfholz, dem „Mölkky“, wird auf zwölf hochkant stehende Spielhölzer geworfen, die mit Zahlen versehen sind. Gewertet werden die Punkte der umgeworfenen Hölzer. Ziel des Spiels ist, durch cleveres Umwerfen und Kopfrechnen exakt fünfzig Punkte zu erreichen. Inzwischen gibt es das Spiel auch als Mini-Version für Innen (Preis: zwischen 12 und 40 Euro).

Beim „Aerobie“-Spiel wird der drei Millimeter dicke Wurfring aus Polycarbonat geworfen, ähnlich wie ein Frisbee. Er hat aber eine geringere Masse und einen stabileren Flug als die Scheibe.  Zudem kann das „Aerobie“ leicht verbogen werden, um die Flugeigenschaft zu verändern. Wegen seines geringen Luftwiderstands und des stabilen Flugverhaltens kann es viel weiter als ein Frisbee geworfen werden. Die Ringform erleichtert das Fangen (Preis: etwa zehn Euro).

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