"Limpurger Rind gehört hierher" Justizministerium und Bauern streiten um Verbleib der Tiere von der Kleincomburg

Die JVA-Außenstelle Kleincomburg wird aufgelöst. Einige der von den Gefangenen betreuten Tiere werden in diesen Wochen zum Hohrainhof bei Heilbronn gebracht. Die Kritik: Die Tiere verlassen damit ihre Heimat.

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Die Limpurger Rinder verlassen in den nächsten Wochen die Kleincomburg. Sie wurden bisher von Gefangenen versorgt. Jetzt reißen sich einige Landwirte um die Tiere. Die Nachfrage nach dem hochwertigen Fleisch sei vorhanden.  Foto: 

Der Bauer Klaus Süpple aus Schrozberg-Bossendorf ist sauer: "Das Limpurger Rind gehört hierher." Doch das Justizministerium will einen Teil der Herde von der Kleincomburg nach Heilbronn bringen (siehe Info). Ein Landstrich, in dem die traditionsreichen Tiere nie heimisch waren. "Mehrere besorgte Bauern, Züchter und Halter der bedrohten Landrasse Limpurger Rind sind hilfesuchend auf die Bäuerliche Erzeugergemeinschaft zugekommen als öffentlich bekannt wurde, dass die bedeutendste Herde Limpurger Rinder aus ihrem angestammten Zuchtgebiet deportiert werden soll", schreibt Rudolf Bühler, Chef der Bäuerlichen Erzeugergemeinschaft.

Es zählen ideelle Werte, aber offensichtlich auch materielle. "Hier geht Wertschöpfung verloren", argumentiert Süpple. Er ist schmackhaft, bringt dem Bauern 6,50 Euro statt 4 Euro pro Kilogramm Fleisch beim Schlachter, wird gerne auf Gourmet-Messen und in Tourismus-Prospekten präsentiert: Der Weideochse vom Limpurger Rind. Jahrelang hat es gedauert, die Europäische Union zu überzeugen, es als "Geschützte Ursprungsbezeichnung" zu adeln. Das geografische Ursprungsgebiet umfasst die Heimat des gelb-rötlichen Tieres im Limpurger Land sowie angrenzende Gebiete, in denen es zwischen 1850 und 1897 besonders häufig gehalten wurde. Einst waren es 56000 Tiere. Von 56 Kühen im Jahr 1987 - als die Züchtervereinigung gegründet wurde - ist die Zahl der Tiere auf heute 525 Tiere gestiegen, sagt Zuchtleiter Dieter Kraft vom Landwirtschaftsamt. Mit der "Geschützten Ursprungsbezeichnung" verbunden ist: Die Rinder müssen in ihrer Heimat geboren werden, aufgewachsen sein und auch dort vermarktet werden. Grasen die Weideochsen bei der JVA-Außenstelle am Neckar, erhält man nur noch 1800 statt 2500 Euro pro geschlachtetem Tier, rechnet Süpple beispielhaft vor. Mehr noch: Alle Neugeborenen können nicht mehr "Weideochsen vom Limpurger Rind" werden.

Was Süpple und Bühler besonders aufregt: Zuchtleiter Dieter Kraft, der sich seit Jahren beispielhaft für die Rasse einsetzt - was beide lobend anerkennen -, habe dem Ganzen zugestimmt.

Beim Pressegespräch im Landratsamt bestätigt das Dieter Kraft. Er habe aber gute Gründe dafür: "Unser Anliegen ist es, dass die Herde zusammenbleibt." Als Zuchtleiter müsse er die Kontrolle der Milchleistung im Blick behalten. Nur so lässt sich die verbessern. Das sei auf dem staatlichen Hohrainhof bei Talheim gewährleistet, auf den der Kern der Herde gebracht wird. Ihm sei nicht bekannt, dass ein Bauer aus der Umgebung die komplette Herde übernehmen wollte. Den Vorwürfen einzelner Landwirte widersprechen Kraft, Erster Landesbeamter Michael Knaus, Amtsleiter Helmut Hessenauer und Pressesprecher Steffen Baumgartner beim Gegespräch energisch. "Es ist überhaupt kein Problem für einen Landwirt, eine Herde wie die auf der Comburg in den nächsten Jahren aufzubauen", argumentiert Kraft. Das gehe zwar nicht mit einem Fingerschnippen. Kraft vermittle aber ständig Tiere weiter. "Wir können es verschmerzen", sagt er über den Almabtrieb von der Kleincomburg. Sicherlich hätte die Herde dort eine perfekte Heimat gehabt, sie gehöre aber nun mal dem Land. 10 der 80 Betriebe, die Limpurger Rinder halten, lägen ebenfalls außerhalb des geografisch definierten Gebietes, würden aber wichtige Beiträge zur Zucht leisten. Die Rechnung mit dem verlorenen Geld durch die Weideochsen würde nicht stimmen, meint Amtsleiter Hessenauer: "Jährlich werden nur 40 Weideochsen vermarktet." Es würden aber 150 bis 200 Bullenkälber im Schutzgebiet leben. Wer also Ochsen mästen wolle, sie nicht auf die Tiere von der Kleincomburg angewiesen.

Ministerium will Ochsen an Bauern vor Ort verkaufen

Tierverkauf 60 Tiere umfasst die Herde der Kleincomburg. Das Justizministerium hat vier Milchkühe, fünf Rinder, vier kastrierte Bullenkälber und ein Bullenkalb an Familie Jäger vom Uhlbachhof in Sulzbach-Laufen verkauft. Die Weideochsen sollen auf Wunsch der Züchtervereinigung im Stammland veräußert werden, teilt das Justizministerium auf Anfrage mit.

Bestandserhalt 17 Milchkühe werden nächste Woche auf den Hohrainhof - eine Außenstelle der JVA Heilbronn gebracht. Rund 13 Rinder werden folgen. Besonders die 20 milchgebenden Kühe seien für den Erhalt der Herde maßgeblich - das sei in ihrer neuen Heimat gesichert.

Landwirtschaft Die JVA-Außenstelle schließt zum 1. Mai, der landwirtschaftlicher Betrieb endet spätestens am 30. September. Über die Zukunft der Gebäude und Flächen wurde noch nichts entschieden, teilt das Ministerium mit.

SWP

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