„Lärm und Abgase reduzieren“

Die Stadtverwaltung lehnt Tempo 30 für die Tüngentaler Straße und für die Straße Langer Graben ab. Grundlage dafür bilden Daten zur Verkehrsbelastung und eine bestehende Tempo 40-Regelung.

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Ein Passant überquert die Tüngentaler Straße an der Ampel vor dem Gebäude des Gymnasiums bei St. Michael. Die zwei Wagen müssen auf ihrer Route über die Schenkenseestraße ebenfalls die Tüngentaler Straße kreuzen.  Foto: 

Lärm- und abgasgeplagte Anwohner der Tüngentaler Straße wollen seit Jahren ein Durchfahrtsverbot für Schwerlastverkehr und eine Tempo-30-Zone. „Diese Proteste kommen von einzelnen. Daraus können keine Verallgemeinerungen gezogen werden“, sagt Fachbereichsleiter Manfred Gentner im Ausschuss für Verwaltung und Finanzen. Es gebe unterschiedliche Perspektiven der Anwohner. Manche würden Tempo 50 als ausreichend und die Verbannung von LKWs und Traktoren als weltfremd sehen.

Die Problematik wird Thema im Ausschuss, weil Fraktionen nachgelegt haben. Die Grünen fordern Tempo 30 in der Tüngentaler Straße. Es geht um den Bereich Abzweigung Ellwanger Straße bis zum Ortsausgang. „Wir sollten von den neuen Möglichkeiten in der Straßenverkehrsordnung Gebrauch machen, wie andere Kommunen Verkehrssicherheit erhöhen, Lärm und Abgase reduzieren“, fordert Andrea Herrmann.

Neue rechtliche Regelung

Die Fraktionsvorsitzende der Grünen spricht eine Änderung im Paragraf 45 der Straßenverkehrsordnung an. Die Verwaltung soll sich einen Ruck geben und von der Neuregelung Gebrauch machen. Dadurch werden innerörtliche Begrenzungen auf Tempo 30 möglich, wenn diese direkt bei Kindergärten oder Schulen liegen. Dazu erläutert Oberbürgermeister Hermann-Josef Pelgrim, dass die neue Regelung lediglich für eine Entfernung von 300 Metern und nur zu den Öffnungszeiten der Einrichtungen greife – Tempo 30 würde nur in der Zeit von 7 bis 17 Uhr gelten. Außerhalb dieser Zeit und das ganze Wochenende hinweg könnte dann wieder 50 gefahren werden.

Die SPD-Fraktion beantragte verdeckte Geschwindigkeitsmessungen in der Tüngentaler Straße, um die Verkehrssituation beurteilen zu können. „Nun liegen die Messungen vor und die Daten sind eindeutig, sie lassen wenig Spielraum“, sagt Pelgrim. Die Daten liefert Gentner. „Das Aufkommen des Verkehrs liegt in der Tüngentaler Straße bei 3950 pro Tag. Im Vergleich zur Messung vor rund vier Jahren ist die Steigerung von täglich nur 627 Fahrzeugen kaum spürbar. Zudem sind die LKW-Fahrten von 591 auf 187 pro Tag zurückgegangen“, erläutert der Fachbereichsleiter. Die Geschwindigkeitsüberschreitung liege bei 4,4 Prozent, in der Salinenstraße stadtauswärts seien es beispielsweise rund zehn Prozent.

„Damit hat sich das Thema aus Sicht der Verwaltung erstmal erledigt,“ macht Gentner zur Tüngentaler Straße deutlich. Das Land empfehle erst bei über 8200 Fahrzeugen pro Tag Gegenmaßnahmen, ergänzt OB Pelgrim. Wenn nun bei der Tüngentaler Straße Tempo 30 eingeführt werden soll, dann gebe es Legitimationsschwierigkeiten mit vielen anderen Bereichen in Hall. Crailsheimer Straße, Steinbacher Straße oder Neue Reifensteige hätten dann beispielsweise mit Blick auf die Verkehrsbelastung Vorrang.

Gentner nennt Erkenntnisse, die er vor Ort gewonnen hat. Im Bereich der Kindertagesstätte Fuchsbau gebe es keine speziellen Gefahren, die Tempo 30 rechtfertigen würden. Leiterin Gudrun Feger habe erklärt, dass sie sich aber eine Beschränkung auf Tempo 40 vorstellen könnte.

Kein Handlungsbedarf

Mit Blick aufs Schulzentrum Ost verweist Genter auf zwei Fußgängerampeln. Der Leiter des Gymnasiums bei St. Michael, Frank Nagel, sehe keinen Handlungsbedarf. Fazit: Für die Tüngentaler Straße sei auch mit Blick auf die neue Rechtslage keine Beschränkung auf Tempo 30 notwendig.

Wie von Anwohnern bereits vorgeschlagen, sollte innerorts auf Straßenbegrenzungspfähle sowie Straßengräben verzichtet und stattdessen eine Straßenbeleuchtung angebracht werden.

„Wir haben die Daten erst heute bekommen, wollen uns damit inhaltlich beschäftigen, nach weiteren Möglichkeiten und Kompromissen suchen“, sagt SPD-Fraktionsvorsitzender Helmut Kaiser. FDP-Stadtrat Kristian Neidhardt schlägt für die Tüngentaler Straße Tempo 40 und eine Ampel vor, die auf rot schaltet, wenn der Autofahrer zu schnell unterwegs ist. Solche Ampelschaltungen seien mittlerweile nicht mehr zulässig, antwortet Gentner.  FWV-Stadtrat Friedrich Waller bemängelt in Teilen eine zu enge Fahrbahn – zum Nachteil für Radfahrer, die dann auf den Gehweg wechselten.

CDU-Fraktionsvorsitzender Ludger Graf von Westerholt regt in Richtung Baubürgermeister Peter Klink an, über eine Querverbindung von der Tüngentaler Straße zur Bühlertalstraße nachzudenken. Klink verweist auf einen größeren Entwicklungsprozess, den Generalverkehrswegeplan. Dabei gehe es dann auch um solche Querverbindungen. Außerdem soll ein Lärmaktionsplan mit Umlandgemeinden wie Rosengarten und Michelfeld entwickelt werden.

Die Grünen fordern Tempo 30 auch für die Straße Langer Graben. Fachbereichsleiter Manfred Gentner erläutert, dass das Verkehrsaufkommen mit 20 163 Fahrzeugen pro Tag deutlich höher liege, als in der Tüngentaler Straße. Seit Jahrzehnten gelte aber bereits zwischen der Einmündung der Gelbinger Gasse und der Gymnasiumstraße Tempo 40. Das habe sich bewährt. Wo Verkehrsteilnehmer die Gefahr erkennen, gebe es höchste Aufmerksamkeit, passiere am wenigsten. Das bestätige auch Grundschulleiterin Gabriele Schindler. OB Pelgrim verweist zudem auf die Unterführung und gibt zu bedenken, dass die Tragfähigkeit der Straße bei einer Reduzierung von Tempo 40 auf 30 nicht mehr gewährleistet sei. Die Stadtverwaltung zieht für die Straße Langer Graben dasselbe Fazit wie für die Tüngentaler Straße: keine Notwendigkeit für Tempo 30. Gentner nennt ein anderes Problem: Radfahrer, die entlang der Crailsheimer Straße mit hoher Geschwindigkeit auf dem Gehweg nach unten rasen würden. Der Gehweg sei nur in Schrittgeschwindigkeit für Radfahrer freigegeben. Die Schnellradler sollten auf der Straße bleiben. FDP-Stadtrat Kristian Neidhardt macht auf ein weiteres Problem im Langen Graben aufmerksam: „Der rauhe Fahrbahnbelag verursacht Fahrgeräusche. Das ist nicht angenehm für die Anwohner“. Der Belag könnte bei der nächsten Erneuerung verbessert werden, so Pelgrim. cus

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