"Keine Zeit gehabt, alt zu werden"

Einen Tag ohne Arbeit, das kann sich Hans Schneider auch mit 90 Jahren nicht recht vorstellen. Am Sonntag hat der Senior-Chef der Firma Bremsen Schneider mit Familie, Freunden und Mitarbeitern gefeiert.

|
Beim Geburtstagsfest im "Bären" in Bühlertann nehmen die Geschwister ihren großen Bruder in die Mitte (von links): Lore Stegmaier, Maria Bronner, Hans Schneider, Josef Schneider und Lisbeth Nagel. Foto: pv

Fast jeden Tag ist er in der Firma in Sulzdorf: Mal eine Maschine reparieren, ein bisschen aufräumen, oder nach den Lehrlingen schauen - für Hans Schneider gibt es immer etwas zu tun. Und so hat er es seit jeher gehalten. Warum er auch mit 90 Jahren noch so fit ist? "Ich hab von Kindheit an schwer geschafft", erklärt er. Harte Arbeit und zäher Fleiß, das ist ihm bei seiner Geburt am 27. Januar 1923 in Bühlertann quasi schon in die Wiege gelegt worden. Als ältestes von acht Kindern lernte er auf dem elterlichen Bauernhof früh das Zupacken.

Jahrelang musste er auf dem Hof schuften. Bauer wollte er nicht werden. Also ging er nach Stuttgart und lernte dort den Beruf des KFZ-Mechanikers. Für ihn habe sich das fast wie Erholung angefühlt, erzählt er schmunzelnd: "Und die Stadtbuben waren mittags schon müde."

In seinem Lehrbetrieb gab es eine Spezialabteilung für Bremsen. Damit und mit der LKW-Reparatur befasste er sich besonders gern. Nach Krieg und Gefangenschaft kehrte Schneider zurück nach Stuttgart, legte 1949 die Meisterprüfung ab und machte sich 1951 selbstständig - als Ein-Mann-Betrieb in einer gemieteten Garage in Weckrieden. Nach zwei Wochen stellte er den ersten Lehrling ein, seinen Bruder Josef. Und 1954 baute Schneider die ersten eigenen Betriebsgebäude - ohne Kapital. Das Geld hat er von Verwandten und Bekannten geliehen, "sogar der Kaminfeger gab mir ein Darlehen". Der "Bremsen-Schneider" wuchs, 1981 wurde in Sulzdorf ein kompletter Neubau errichtet, später eine Filiale in Pfedelbach gegründet.

Hans Schneider agierte stets risikobereit, mit unternehmerischem Weitblick und auch mit "ein bisschen Naivität", das gehörte dazu. 1991 übergab er die Firma an seinen Sohn Hans Schneider junior.

Doch Vater Schneider war auch in der Kommunalpolitik aktiv - als Gemeinderat in Weckrieden, später bis 1975 im Haller Gemeinderat und bis 1985 im Ortschaftsrat von Weckrieden. Für Familie und Hobbys hatte er eher wenig Zeit, und seine Frau Rosl habe ihn zuweilen schon bremsen müssen, räumt er ein. Mit ihr ging er auch gerne auf Reisen - zum Beispiel nach Afrika, Indien, Nepal und Kanada. Viel Bewegung, immer unterwegs sein - "ich hab keine Zeit gehabt, alt zu werden", analysiert Schneider lachend. Und wenn alles klappt, will er wie 2012 auch in diesem Jahr wieder an Oldtimer-Fahrten teilnehmen - noch so eine Herzenssache des Bremsen-Schneider.

Abonnieren Sie das kostenlose Morning-Briefing aus der Chefredaktion
Damit starten Sie top informiert in den Tag. Außerdem im Newsletter: Die Wettervorhersage und die aktuelle Verkehrslage in der Region.
» zur Registrierung

Noch kein Kommentar

Schreiben Sie Ihren eigenen Kommentar

noch 3000 Zeichen
Mit Ihrem Kommentar akzeptieren Sie unsere Netiquette

Für registrierte Nutzer

Melden Sie sich an und schicken Sie Ihren Kommentar ab:

Für noch nicht registrierte Nutzer

Registrieren Sie sich kostenlos, um Ihren Kommentar abzuschicken:

Ich bin damit einverstanden, dass die Neue Pressegesellschaft mbH & Co. KG und ihre Tochterunternehmen mich schriftlich (per E-Mail oder Brief) oder telefonisch über ihre Medienangebote und kostenlose Veranstaltungen informieren dürfen. Meine Daten dürfen zu diesem Zweck gemäß den Bestimmungen des BDSG gespeichert, verarbeitet und genutzt werden. Die Einwilligung kann ich jederzeit widerrufen.
Ich bin mit den Datenschutzbestimmungen einverstanden. *

Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:

neu laden
Content Management by InterRed GmbH Logo
weiter zur Startseite

EBM-Papst hält an Ausstieg fest

Der Mulfinger Ventilatoren- und Elektromotorenspezialist betont, dass er das geplante Institut am Künzelsauer Hochschul-Standort nicht mitträgt. weiter lesen