„Kein Palazzo Prozzo, sondern ein funktionales Gebäude“

Das „neue Globe“ auf dem Unterwöhrd kostet rund 2,3 Millionen Euro mehr als geplant. Das Land fördert mit einer Million Euro.

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Ein „neues Globe“ wird auf dem Unterwöhrd gebaut. Noch im März soll mit den Arbeiten begonnen werden. Ziel: zur Saison 2018 fertig sein. Die Kosten für den Neubau wuchsen von 5,2 Millionen auf 7,5 Millionen Euro. Das Land fördert mit einer Million Euro.  Foto: 

Die Kosten für das neue Theater auf dem Unterwöhrd steigen von 5,2 auf rund 7,5 Millionen Euro, informiert Hermann-Josef Pelgrim am gestrigen Montagnachmittag bei einer Pressekonferenz und erläutert die Gründe. Der Oberbürgermeister und Vorsitzende der Freilichtspiele nennt mehrere Kostenblöcke. „Allein für konjunkturelle Mehraufwendungen werden es in der Hochrechnung 500 000 Euro sein“, sagt Pelgrim.

Durch sehr gute Auslastung der Baufirmen seien konjunkturbedingt die Markpreise gestiegen. Hochbauamt und Freilichtspiele haben den Plan für den Theaterneubau in den vergangenen Monaten weiterentwickelt, die Baugenehmigung werde in den nächsten Tagen erteilt. Anfang bis Mitte März soll mit den Bauarbeiten auf dem Unterwöhrd begonnen werden, damit der Neubau zur Saison 2018 bespielt werden kann. Die Baustellenzufahrt führe für rund sechs Wochen vom Lindach zwischen den beiden Spielplätzen durch zum Theaterstandort auf dem Unterwöhrd.

Arbeitstitel „neues Globe“

Aus dem Arbeitstitel „neues Globe“ könne der dauerhafte Name fürs neue Theater werden, so Pelgrim. Neben konjunkturellen Mehrkosten werde es durch einige Veränderungen teurer, beispielsweise durch technische Ausstattung wie Verdunkelung und bessere Bühnentechnik. Dieser Kostenblock macht inklusive Raumakustik und Schallschutz rund 950 000 Euro aus. Außerdem kommen allgemeine Infrastrukturausgaben wie für eine
Toilettenanlage im Gebäude und zusätzliche Ausgaben für die Baustelleinrichtung dazu.

„Wie finanzieren wir das?“, fragt der Vorsitzende der Freilichtspiele. Die Stadt gebe einen Zuschuss von vier Millionen Euro, vom Land fließt eine Million Euro. Aus Eigenmitteln der Freilichtspiele und als Freundeskreis-Zuschuss rechnen die Verantwortlichen mit 500 000 Euro. Dieselbe Summe soll mit Sponsoring erzielt werden. Hauptsponsor sei nicht mehr die Bausparkasse, die aber weiter mit ihrem alten Beitrag unterstütze, sondern neue Sponsoren seien willkommen.

Besucher können zudem Stuhlpaten werden. Für 500 Euro trägt der Stuhl dann für zehn Jahre den Namen des Paten. Fehlt noch über eine Million Euro. Pelgrim denkt in diesem Zusammenhang auch an Schwarmspenden. Sein Rechenbeispiel: Weitere 650 000 Euro fließen, wenn in den nächsten Jahren 130 000 Theaterbesucher kommen und jeder fünf Euro geben würde.

„Das ist kein Palazzo Prozzo, sondern ein funktionales Gebäude“, betont Jutta Parpart. Die Geschäftsführerin der Freilichtspiele schaut voller „Stolz und Begeisterung“ aufs neue Theater und möchte Aufbruchstimmung verbreiten. Das Team der Freilichtspiele schaffe es auch, das Gebäude selbst zu bewirtschaften, dafür gebe es bereits eine Zusage, das finanziell zu begleiten.

Doll: Bei Shakespeare beginnen

Inhaltlich will der neue Intendant Christian Doll „nochmal bei Shake­speare beginnen“, es werde auch mal Julia auf einem Balkon des neuen Theaters stehen, zu der Romeo auf der Leiter klettert. Es sei aber auch Spielstätte fürs Kinder- und Jugendtheater. Doll will verstärkt mit freien Gruppen zusammenarbeiten, das Theater im Winter als Produktionsstätte nutzen.

Durch technische Ausstattung wie Verdunkelung werde es einfacher möglich, auch fremde Gastspiele nach Hall zu holen. Durch den größeren Foyerbereich, die Regensicherheit und die Bespielbarkeit im Winter entstünden viele weitere Nutzungsmöglichkeiten. „Es kostet ein bisschen mehr. Ich hoffe, der Gemeinderat geht den nächsten Schritt mit“, sagt Doll und warnt vor dem Neubeginn einer Grundsatzdiskussion. Das wäre frustrierend. Die zweite Spielstätte auf dem Unterwöhrd wird am Mittwochabend ab 18 Uhr im Gemeinderat öffentlich besprochen.

85 Prozent des Globe-­Theaters sind mittlerweile in Berlin. Was noch fehlt, sind die großen und tragenden Teile wie Dachplatten und Leimbinder“, informiert Christian Leonard, der Geschäftsführer der Globe Works GmbH. Die Firma hat das Haller Globe für einen symbolischen Euro gekauft. Das hölzerne Rund soll in der Bundeshauptstadt wieder auferstehen. Bevorzugter Standort: im Spreepark direkt am Wasser. Derzeit werde mit dem Park-Betreiber verhandelt, der den Spreepark quasi wieder eröffnen möchte, „allerdings erst im Jahr 2019“, macht Leonard deutlich. Deshalb brauche es eine Übergangslösung. Im Visier sei der Park am Gleisdreieck in der Nähe des Potsdamer Platzes. Sobald der Standort klar sei, sollen auch die restlichen Teile von der Spedition Kübler in Michelfeld-Erlin nach Berlin gebracht werden. Im Sommer soll im Globe gespielt werden. Für den Aufbau des Theaters rechnet die Globe Works GmbH mit rund 250 000 Euro Kosten, die über Sponsoring und Spenden finanziert werden sollen. Von der Stadt Schwäbisch Hall bekommt die Firma einen Zuschuss von 58 000 Euro, was in etwa den Abrisskosten entsprochen hätte.

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