„Ich habe mich in Vellberg verliebt“

Highlight der HT-Vor-Ort-Aktion in Vellberg ist das Interview mit Bürgermeisterin Ute Zoll. Sie erweist sich als eloquente und schlagfertige Gesprächspartnerin.

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    Einen spannenden Abend mit kommunalpolitischen Themen und Unterhaltung haben rund 120 Vellberger am Donnerstag im Städtle bei der Vor-Ort-Aktion des HT erlebt. Foto: 
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Schon weit vor dem offiziellen Beginn der Vor-Ort-Aktion des HT am vergangenen Donnerstag um 18 Uhr waren die Bierbänke im Städtle gut besetzt, über 120 Vellberger sind der Einladung gefolgt. Während Bürgermeisterin Ute Zoll noch von der Technik verkabelt wird – nachher wird sie mit HT-Chefredakteur Dr. Marcus Haas für ein Interview auf der Bühne stehen – begrüßt Anzeigenleiter Thomas Birnbaum das Publikum. Moderator Harald Grüßer stellt im Anschluss Mitarbeiter aus allen Abteilungen des HT persönlich vor. Lebhafte Unterhaltungen zeigen: Die Vellberger haben Freude an diesem sommerlichen Abend.

Viele fleißige Leser

„Schön, dass es voll ist“, so steigt Haas in das Gespräch mit der Bürgermeisterin ein. Diese bedankt sich für den Besuch der „Haus- und Hof-Zeitung der Vellberger“: „Wir sind alle fleißige Leser“, sagt sie, bevor es kurz um ihre Biografie geht. Im oberschwäbischen Ertingen ist die mittlerweile 55-Jährige in einer Landwirtsfamilie aufgewachsen. „Schaffen schadet niemandem“, das habe sie damals gelernt. Ursprünglich wollte sie Pharmazie studieren. Daraus wurde aber nichts, der Abi-Durchschnitt von 2,0 habe nicht gereicht. Nach der Ausbildung zur Inspektorenanwärterin ging es an die Verwaltungsfachschule in Ludwigsburg. Der Liebe wegen zog es sie dann nach Hohenlohe, Stationen waren das Landratsamt des Hohenlohekreises und die Stadt Neuenstein. Zoll hat zwei erwachsene Töchter und lebt mit ihrem Partner in Schwäbisch Hall. „Warum nicht in Vellberg?“, fragt Haas. Sie habe da lange mit sich gekämpft, gibt Zoll zu, immerhin habe sie im Wahlkampf versprochen, dorthin zu ziehen. „Ich brauche Raum zum Rückzug“, erklärt sie. Hall sei für sie eben die Schlafstadt. Einen Umzug ins Städtle schließt sie aber nicht aus. Im Gemeinderat sehe man das aber nicht so eng. „Uns ist egal, wo Sie schlafen, Hauptsache, Sie sind bei allen Festen dabei“, habe ihr Stellvertreter gesagt. Und das sei sie gern.

Überregional wahrgenommen

Die Bürgermeisterwahl vor sieben Jahren sei ja auch überregional wahrgenommen worden, merkt Haas an. „Ja, sicher“, sagt Zoll, es habe ja zwei Kandidatinnen gegeben. Das sei ungewöhnlich gewesen. Damals habe es im ganzen Land gerade mal 32 Bürgermeisterinnen gegeben, mittlerweile seien es über 80 – insgesamt gibt es 1101 Gemeinden in Baden-Württemberg. „Im Landkreis sind es fünf von 30 Gemeinden“, so Zoll, das sei gar nicht mal so schlecht. Die Entscheidung, sich damals zu bewerben, sei ihr leichtgefallen: „Ich habe mich in Vellberg verliebt.“

Zum Thema Bevölkerungsentwicklung Vellbergs stellt Zoll fest: „Wir dürfen nicht einseitig wachsen. Die Strukturen müssen auch stimmen. Wenn wir mehr Einwohner haben, muss die Infrastruktur auch mitwachsen.“ Das müsse aber auch finanziert werden können. Man sei allerdings ständig dabei, Baugebiete zu erschließen. „Wenn Kreuzäcker voll ist, kommt das Gebiet Sandheide“, so Zoll. Die größte Investition in der nächsten Zeit sei der Bau des Feuerwehrmagazins mit Bauhof. Rund  3,6 Millionen seien dafür vorgesehen.

„Wir tun alles, um das hinzubekommen“, sagt Zoll auf die Frage nach dem Gesundheitszentrum. Der Mediziner Dr. Jürgen Fenzel könne das Projekt zurzeit leider nicht mehr realisieren. Die Bürgermeisterin prognostiziert aber trotzdem, dass es dafür eine Lösung geben werde.

„Wann kommt welche Ortsumfahrung?“, fragt Haas. Gegen die Teilumfahrung habe es Proteste gegeben, antwortet Zoll. Man sei politisch aktiv, um die große Lösung umzusetzen. „Für mich gibt es da keine Alternative zu“, sagt sie. Zahlen müsste das Land, erste Schätzungen gingen von einer Investitionssumme von bis zu 18 Millionen Euro aus. Ein weiteres Verkehrsthema ist die Teilumfahrung von Großaltdorf. Die K 2668 sei die schlechteste Straße im Kreis, sagt Zoll, das sei hinlänglich bekannt. „Der Landkreis ist aber dran, es werden Zuschüsse vom Land benötigt.“ Sie ist sich sicher: „Das wird kommen.“

Ein „touristisches Riesenpotenzial“ sieht Zoll in der Entdeckung der 240 Millionen Jahre alten Urzeit-Kröte. Erst vor kurzem seien Fördermittel bewilligt worden, man plane einen Themenweg und eine Ausstellung im Heimatmuseum.

Warum es nicht noch einen Lebensmittelmarkt in Vellberg gebe, will ein Leser wissen. „Das reglementiert der Regionalverband“, erklärt Zoll. Man habe mit dem Edeka schon einen Vollsortimenter, darüber solle man froh sein. Zur Nahversorgung in Talheim, um die es nach der Schließung einer Bäckerei und einer Metzgerei nicht mehr so gut bestellt ist, sagt Zoll: „Ich habe mir da schon die Finger wundtelefoniert. Aber erzwingen kann man die Ansiedlung von Betrieben eben nicht.“

„Bei Tempo 30 in Wohngebieten, da tut sich die Gemeinde schwer“, sagt Haas und zitiert eine weitere Leserfrage. Da habe die Stadt wenig Einflussmöglichkeiten, antwortet Zoll: „Das muss die Verkehrsschau entscheiden.“

Stadt und Kreis gestalten

„Meine Liebeserklärung an Vellberg geht an Sie alle“, sagt Zoll und spricht ihr Publikum direkt an. „Für mich gibt es nichts Schöneres als Vellberg.“ Welches ihrer zahlreichen Ehren­ämter das wichtigste sei, will Haas wissen. Zoll zögert nicht und nennt den Kreistag. „So wie man im Gemeinderat die Gemeinde entwickeln kann, so kann man es im Kreistag für den Kreis machen“, sagt sie. Als Parteilose ist sie über die CDU-Liste in das Gremium gewählt worden.

Ihr wichtigstes Ziel für die Zukunft fasst Zoll kurz und knapp zusammen: „Ich will mit den Bürgern und dem Gemeinderat gemeinsam gestalten und voranbringen.“ Selbstverständlich werde sie im kommenden Jahr wieder kandidieren, wenn die nächste Bürgermeisterwahl ansteht.

Zum Abschluss des Abends gibt Moderator Harald Grüßer noch den Harald Juhnke und bringt zwei eingedeutschte Swing-Klassiker zum Besten. Viele Besucher bleiben noch eine Weile sitzen, unterhalten sich und genießen einen angenehmen Sommerabend im historischen Städtle.

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