Goldene Hochzeit: „Ich bin Feuer, sie ist Wasser“

Ein Kilometer lag zwischen den Dörfern von Mato und Jelka Blazicevic. Kein Weg dazwischen. Er ging dennoch jeden Tag hinüber. Heute vor 50 Jahren heiratete das Paar.

|
Vorherige Inhalte
  • Ein kleines kroatisches Team, das irgendwann wieder in seine erste Heimat zurückkehren möchte: Jelka und Mato Blazicevic sind seit 50 Jahren miteinander verheiratet. 1/2
    Ein kleines kroatisches Team, das irgendwann wieder in seine erste Heimat zurückkehren möchte: Jelka und Mato Blazicevic sind seit 50 Jahren miteinander verheiratet. Foto: 
  • Vor einem halben Jahrhundert: Mato und Jelka Blazicevic, die heute in Sulzdorf wohnen. 2/2
    Vor einem halben Jahrhundert: Mato und Jelka Blazicevic, die heute in Sulzdorf wohnen. Foto: 
Nächste Inhalte

Wenn Mato und Jelka Blazicevic auf ihr Leben schauen, dann fällt ihnen vor allem eins ein: Freude über die gemeinsam großgezogenen zwei Kinder, die nicht auf irgendwelche Abwege geraten sind. Und dann ist da auch Stolz. Dass sie es geschafft haben, aus ihren ärmlichen Verhältnissen im damaligen Jugoslawien herauszukommen, in Deutschland eine gute Arbeit und eine zweite Heimat gefunden zu haben.

„Wir sind noch nicht lange hier“, sagt er, „erst 47 Jahre.“ Und lacht. Eine Frau aus seinem Ort kam damals aus Deutschland zurück und sagte, dort gebe es Arbeit auf einer Baustelle, sechs Monate lang, sechs Leute werden noch gesucht. Mato zögerte nicht lange und verließ Frau und Sohn, um ein halbes Jahr in der Nähe von Stuttgart zu arbeiten. Danach sagte man ihm, es gebe für ihn einen Job bei Recaro, und eine Wohnung könne man ihm auch besorgen. Er ist verheiratet? Für seine Frau gebe es auch einen Job.

Für Jelka war das schwer am Anfang. Vor allem die neue Sprache. „Wenn jemand auf der Straße ‚Grüß Gott‘ sagte, habe ich dieselben Worte zurückgesagt, ohne zu wissen, was sie bedeuten.“

„Ich war ein gutaussehender Mann“

40 Jahre lang war er Maschinen­einrichter bei Recaro, 43 Jahre arbeitete sie in der Vormontage derselben Firma. Sie waren in verschiedenen Abteilungen, haben in unterschiedlichen Schichten gearbeitet, auch, damit sich immer einer um die Kinder kümmern konnte.  „Wir waren das erste ausländische Ehepaar, das in Baden Württemberg in einer Firma arbeitete“, erzählt Mato.

Die beiden kommen aus zwei kroatischen Dörfern, nahe der ungarischen Grenze. Ein Kilometer lag dazwischen. Und es gab keinen Weg. „Ich war ein gut aussehender Mann und legte Wert auf mein Äußeres. Aber ich bin trotzdem jeden Tag durch den Dreck über das Feld gegangen, um zu ihr zu kommen.“ Sie hat ihm gefallen, weil sie gut erzogen war, anständig und ruhig. Sechs Wochen waren sie ein Paar, dann haben sie geheiratet.

Er erzählt, während sie kaum zu Wort kommt. Er lacht, während sie leicht die Mundwinkel hebt. Er rutscht auf dem Sofa unruhig hin und her, sitzt auf der Sofakante, ein Knie berührt den Boden. Sie bewegt sich kaum. „Es gibt auf der Welt Feuer und Wasser“, sagt er. „Ich bin Feuer, sie ist Wasser.“ Er rede nicht immer so viel wie heute, sagt Jelka. Und wenn, dann hört sie oft nicht hin. Ihr Mann sagt: „Ich rufe Jelka und dann kommt nichts. ‚Hast du mich nicht gehört?‘, frage ich dann. Und sie sagt: ‚Doch‘.“

Ein großer Teil in seinem Leben sind seit einigen Jahren Bingo und Bobby. Zwei Malteser-Pekinesen-Mischlingshunde, die ihm quasi vom Arzt gegen seine Hüftprobleme verordnet wurden. Am Vormittag ist er drei Stunden mit ihnen unterwegs. Sie macht dann den Haushalt. Er schnappt seine „beiden Kerle“ und geht aus der Tür – ohne Abschiedskuss.

Die beiden sind ein Team. Ein kroatisches kleines Team, 71 und 66 Jahre alt, das mittlerweile irgendwie in Deutschland übrig geblieben ist. Die Kinder und viele ehemalige Freunde sind wieder zurück gegangen. Auch Mato und Jelka haben in Rijeka,  einer großen Stadt in ihrem Heimatland, ein Haus gebaut. Zwanzig Jahre lang. Es steht bereit. Irgendwann, wenn die Zeit günstig ist, sie keine deutschen Ärzte mehr brauchen, dann werden sie in ihre erste Heimat zurückgehen. Und dann hat Mato noch eine großen Wunsch: Dass sein Enkel, einer von Vieren, der derzeit bei ihnen wohnt und die Sprache lernt, einmal bei Recaro zu arbeiten anfängt.

Abonnieren Sie das kostenlose Morning-Briefing aus der Chefredaktion
Damit starten Sie top informiert in den Tag. Außerdem im Newsletter: Die Wettervorhersage und die aktuelle Verkehrslage in der Region.
» zur Registrierung

Noch kein Kommentar

Schreiben Sie Ihren eigenen Kommentar

noch 3000 Zeichen
Mit Ihrem Kommentar akzeptieren Sie unsere Netiquette

Für registrierte Nutzer

Melden Sie sich an und schicken Sie Ihren Kommentar ab:

Für noch nicht registrierte Nutzer

Registrieren Sie sich kostenlos, um Ihren Kommentar abzuschicken:

Ich bin damit einverstanden, dass die Neue Pressegesellschaft mbH & Co. KG und ihre Tochterunternehmen mich schriftlich (per E-Mail oder Brief) oder telefonisch über ihre Medienangebote und kostenlose Veranstaltungen informieren dürfen. Meine Daten dürfen zu diesem Zweck gemäß den Bestimmungen des BDSG gespeichert, verarbeitet und genutzt werden. Die Einwilligung kann ich jederzeit widerrufen.
Ich bin mit den Datenschutzbestimmungen einverstanden. *

Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:

neu laden
Content Management by InterRed GmbH Logo
weiter zur Startseite

Kartellamt hat Holzverkauf im Visier

Spätestens im Juli 2019 sind neue Vermarktungswege für den Staatswald nötig. weiter lesen