"Hohenlohe ist zauberhaft"

Der Ministerpräsident ist auf Sommertour und wandert durchs Ländle. Dieser Tage hat er den Landkreis Hall beehrt. Vor 34 Jahren hat dies auch Bundespräsident Karl Carstens getan - allerdings im Winter.

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  • Bereits am 8. Februar 1981 erreicht Karl Carstens (rechts) auf seiner Tour den Kreis Hall und wird beim Zollhaus an der B290 von Landrat Roland Biser begrüßt. 1/3
    Bereits am 8. Februar 1981 erreicht Karl Carstens (rechts) auf seiner Tour den Kreis Hall und wird beim Zollhaus an der B290 von Landrat Roland Biser begrüßt. Foto: 
  • Auch Demonstranten begleiteten Carstens beim Wandern. 2/3
    Auch Demonstranten begleiteten Carstens beim Wandern. Foto: 
  • Eintrag ins Goldene Buch in Vellberg, rechts Bürgermeister Hermann Frank. 3/3
    Eintrag ins Goldene Buch in Vellberg, rechts Bürgermeister Hermann Frank. Foto: 
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Seine Vorliebe fürs Wandern hat Karl Carstens (1914 - 1992) während seiner Amtszeit als Bundespräsident von 1979 bis 1984 auch den Titel "Wanderpräsident" eingebracht. Am liebsten erkundete er das Land zu Fuß. Etappenweise marschierte er durch Deutschland, um Land und Leute kennenzulernen. Im Februar 1981 kam er auf Schusters Rappen auch in den Kreis Hall.

Carstens hat es vorgemacht, mancher Minister machte es gerne nach - und nun geht auch Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann auf Wanderschaft. Am Dienstag und Mittwoch war der grüne Landesvater rund um Hall und Langenburg unterwegs. Allerdings konnte er im Kreis mit seiner Sommertour offenbar nicht so viele Menschen mobilisieren, wie es vor 34 Jahren Bundespräsident Carstens gelang - und zwar im Wintermonat Februar. Abschnittsweise rund 1000 Hohenloher hätten ihn damals begleitet, ist in Zeitungsberichten nachzulesen. Am 8. Februar 1981 wurde das Staatsoberhaupt von Landrat Roland Biser beim Zollhaus an der B290 im Kreis Hall begrüßt. Über Bartenstein und Herrentierbach, wo es zur Mittagsrast Gulaschsuppe gab, ging es zum Etappenziel nach Gerabronn.

Wartende zittern in der Kälte

Drei Wochen später setzte Carstens gemeinsam mit seiner Frau Veronica die Wanderung durch Hohenlohe fort - mit der 15. Etappe seiner Tour "Von der Ostsee zu den Alpen". Bevor es auf die 27 Kilometer lange Strecke ging, machte der Bundespräsident noch Abstecher nach Hall, Braunsbach und Langenburg. Als er in Gerabronn zum Wanderstart ankam, hätten die Wartenden bereits in der Kälte gezittert - nun, es war der 28. Februar. Allerdings sei der Wandertross nicht nur auf "geglätteten" Straßen und Wegen unterwegs gewesen, sondern musste allerlei holprige Schleichpfade bewältigen. Teils war die Strecke noch vereist. An besonders kniffligen Stellen lauerten "kamerabewaffnete Mitwanderer, um einen eventuellen ,Fehltritt des ersten Mannes im Staate" festzuhalten - vergebens.

In Ilshofen, wo sich Carstens auch ins Goldene Buch der Stadt eintrug, ließ sich der Bundespräsident zu einer veritablen Liebeserklärung hinreißen: "Hohenlohe ist zauberhaft." Beim Marsch zum Burgberg begleiteten ihn rund 1000 Menschen aus allen Teilen des Landkreises. Auf dem Weg zum Etappenziel nach Hellmannshofen schüttelte Carstens ungezählte Hände und gab Autogramme. In Vellberg, wo das Präsidentenpaar übernachtete, wurde es abends nicht nur von hunderten Schaulustigen, sondern auch von Gotthilf Fischer und rund 350 seiner Sänger erwartet. Der Eintrag ins Goldene Buch durfte freilich nicht fehlen.

Carstens wurde von Demonstranten begleitet

Bei diesen Politik-Wanderungen werden aber auch unterschiedliche Auffassungen deutlich: So wie Winfried Kretschmann auf seiner aktuellen Tour am Mittwoch in Langenburg auf Gegner eines Windparks im Brüchlinger Wald stieß, wurde auch Carstens vor 34 Jahren auf seiner Hohenlohe-Etappe von Demonstranten begleitet. Der Protest richtete sich 1981 gegen das Atomkraftwerk Brokdorf in Schleswig-Holstein. Dennoch wurde es 1986 in Betrieb genommen. Immerhin: Die endgültige Abschaltung des Kernkraftwerks Brokdorf muss laut Atomgesetz spätestens am 31. Dezember 2021 erfolgen.

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