Infrastruktur: „Hier fließt positive Energie“

Der Regionalmarkt Hohenlohe feiert bei seinem zehnjährigen Jubiläum die Erfolgsgeschichte eines mutigen Projekts. Heute ist die BESH-Filiale sogar ein touristisches Highlight.

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„Ich halte das Fass, und du haust drauf“: In Gemeinschaftsarbeit bringen BESH-Geschäftsführer Rudolf Bühler (mit Hut) und Wolpertshausens Bürgermeister Jürgen Silberzahn das Freibier für die Jubiläumsfeier des Regionalmarkts Hohenlohe zum Fließen.  Foto: 

Einst spendierten Fürsten und Könige bei großen Freudenfesten ihrem Volk freies Essen und Trinken. Zum zehnjährigen Geburtstag des Regionalmarkts Hohenlohe laden nun die Bauern gleich eine ganze Region ein: Jeder Besucher darf kostenlos soviel Schlachtplatte, Blootz, Weißwürste und hausgebackenes Holzofenbrot verdrücken, wie in ihn hineinpassen.Dazu fließt frisches Freibier der Löwenbrauerei in Strömen.

Die großzügige Geste der Bäuerlichen Erzeugergemeinschaft Schwäbisch Hall (BESH) lockt die Menschen in Scharen. Sogar die Sonne schiebt rasch den grauen Wolkenvorhang beiseite und schaut nach, was da los ist, am Rande von Wolpertshausen. Immerhin gehört sie zu den Partnern des Marktes: Sie beliefert hier schon seit Jahren die erste Solartankstelle der Region.

„Es war ein mutiges Projekt an diesem Standort“, erinnert Rudolf Bühler an die Anfänge des Lebensmittelmarktes mit eigenem Restaurant im Jahr 2007. Große Handelsgruppen, die damals für die Bereitstellung eines Zusatzsortiments aus Drogerie- und Haushaltswaren angefragt wurden, hätten wegen zu erwartender Unrentabilität abgewinkt.

Das Unternehmen Edeka sei schließlich mit dem Hinweis „Auf Ihre Verantwortung“ eingestiegen. Mit null Euro Förderung, nur aus „gutem, bäuerlichen Wirtschaften“ heraus, habe man allen Schwierigkeiten zum Trotz Erfolgsgeschichte geschrieben, so Bühler.

Mehr als 4000 Artikel

1460 Mitgliedsbetriebe füllen heute die Regale mit mehr als 4000 Artikeln aus heimischer Produktion. „Wir sind eine Plattform für ökologische, regionale Lebensmittel, und jeder Bauer kann hier seine Erzeugnisse abliefern“, betont der BESH-Gründer und -Geschäftsführer. Dass ganz Deutschland in den Genuss der hochwertigen Angebots kommt, ist dem Web-Shop zu verdanken, der seine Räume ebenfalls im Haus des Regionalmarkts hat. Der Internethandel laufe überraschend gut und bringe soviel Umsatz wie eine Filiale.

Die Gemeinderat von Wolpertshausen sei sofort von der Idee begeistert gewesen und habe sie umfänglich unterstützt, blickt Jürgen Silberzahn zurück. Darum gratuliert der Bürgermeister auch seiner Gemeinde zu dem Jubiläum. Im ländlichen Raum sei es gewiss nicht selbstverständlich, über eine so gute Nahversorgung zu verfügen. Dass regelmäßig Reisebusse aus ganz Europa vor dem kulinarischen Paradies Station machen, ist für das Gemeindeoberhaupt natürlich ein erfreulicher Nebeneffekt. Dazu passt die regionale Touristikzentrale, die im Haus des Regionalmarkts um Urlauber für den Landkreis wirbt.

Ratsbeschluss als Präsent

Der Bus-Tourismus funktioniere neuerdings auch in die andere Richtung: Durch die Flixbus-Haltestelle vor dem Markt sei Wolpertshausen direkt mit der Landeshauptstadt verbunden – und nicht nur das, wie Rudolf Bühler stolz hinzufügt: „Der Bus hält vor der Markthalle neun in Berlin-Kreuzberg, in der unsere bäuerliche Solidargemeinschaft ihren eigenen Stand betreibt.“

Zu jedem Jubiläum gehören Ehrungen. Beim Regionalmarkt sind es die Mitarbeiter und Zulieferer der ersten Stunde, die Bühler mit prall gefüllten „Fresskörben“, Wein und höchstem Lob beschenkt. Das Präsent von Jürgen Silberzahn an die BESH hat es in sich: Es ist der Beschluss seines Gemeinderats zur Ausgestaltung der Zugangswege für Fußgänger und Radfahrer über die Untere Straße.

Dass die Leute so gerne kommen, liegt nicht allein am anspruchsvollen Sortiment und der reichhaltigen, regionalen Küche. Die Räume verbreiten unbestreitbar eine besondere Wohlfühl-Atmosphäre.

Ihr Geheimnis: Bühler ließ sie nach den Harmonielehren des chinesischen Feng Shui und des indischen Vastu gestalten, mit denen er sich schon lange intensiv befasst. „Hier fließt viel positive Energie“, lächelt der große Mann mit Hut. Der riesige Feigenbaum im Restaurant zum Beispiel freut sich jeden Tag über das Dachfenster, das extra für ihn eingebaut wurde, damit er Blickkontakt zur Sonne halten kann.

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