„Heterogenität ist nichts Neues“ – Brigitte Gronbach is Schulleiterin in Wolpertshausen

„An einer kleinen Schule lässt sich viel bewegen“, sagt die Pädagogin. Die Integration von Flüchtlingskindern sieht sie als Herausforderung und Chance.

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Mitten im  Schuljahr eine neue Leiterin vorgesetzt zu bekommen, sei für die Lehrer nicht einfach, räumt die fast 57-jährige Pädagogin ein. Doch die Bedingungen stimmen: „Der Schulträger ist sehr bemüht und großzügig, die Eltern sind engagiert und die Kollegen starke Persönlichkeiten – das ist gut so “, sagt sie. Wenn an einer kleinen Schule jeder Verantwortung übernehme und sich voll einsetze, steigere das die Qualität – ein Grund, dass sie gern an der Dorfschule mit etwas über 80 Kindern ist.

Respekt und Toleranz im Umgang miteinander sind ihr wichtig. Und dabei schließt sie selbstverständlich Eltern, Schüler und alle sonstigen Mitarbeiter, die beispielsweise in der Nachmittagsbetreuung aktiv sind, mit ein. Das sei die Grundlage für Lernerfolg. „Die Kinder spüren, wie die einzelnen Personen zusammenarbeiten“, weiß sie.

Flüchtlingskinder strahlen ihre Rektorin an

Das individuelle Lernen liegt ihr besonders am Herzen. Dass manche Lehrer über heterogene Klassen stöhnen, lässt sie nicht gelten. „Heterogenität ist nichts Neues“, stellt Gronbach klar, die lange Zeit an der Schmerachschule in Oberaspach, wo Kinder mit geistiger und körperlicher Behinderung gemeinsam mit nicht beeinträchtigten Kindern lernen, gearbeitet hat. „Die guten Schüler dürfen wir dabei nicht vergessen“, mahnt sie. Für das Schulamt in Künzelsau setzt sie sich als Fachberaterin für Lehrer unter anderem für das individualisierte Lernen ein und gibt Fortbildungen, um den neuen Bildungsplan, der hier einen Schwerpunkt hat, in der Praxis umzusetzen.

Die Leitung der Schule sei noch einmal eine Herausforderung. „Das passt für mein Alter“, meint die jugendlich und offen wirkende Frau. Aus ihrer Sicht sind die vier Flüchtlingskinder aus Syrien und dem Irak, die seit Kurzem die Schule besuchen, auch eine Bereicherung. „Sie zwingen zum Individualisieren“, betont sie. Sie zu integrieren, führe bei den Schülern zu ganz tollem Sozialverhalten. Dann erzählt sie, wie die Flüchtlingskinder ihr jeden Morgen die Hand reichen und sie anstrahlen. „Da geht Kommunikation erst einmal nur so“, stellt sie klar und lächelt. Doch die Kinder machen auch dank der Lesepaten schnell Fortschritte. Denen habe sie einen Schrank voll Material zum Deutschlernen zur Verfügung gestellt. „Sie machen das ganz toll“, freut sie sich und stellt der Autorin die Mutter einer Schülerin vor, die mit einem Mädchen Deutsch übt.

Anfangs gehe es für die Lehrer darum, die Flüchtlingskinder einzuschätzen, in welche Klasse sie passen, dabei aber auch flexibel zu bleiben, um Entscheidungen zu korrigieren. „Das betrifft auch unsere Kinder. Auch sie haben ganz unterschiedlichen Hintergrund“, betont sie. Letztendlich ist ihr Ziel, die Kinder, egal woher sie kommen, zu Persönlichkeiten zu erziehen, die ihre Stärken wahrnehmen und sich dadurch sicher fühlen. „Den Umgang mit ihren Schwächen müssen die Kinder aber auch lernen“, unterstreicht sie.

Bürgermeister Jürgen Silberzahn freut sich über die neue Schulleitung. „Wir hoffen, dass wir die Grundschule Wolpertshausen gemeinsam mit Rektorin Gronbach, dem Lehrerkollegium und dem Elternbeirat weiterhin positiv entwickeln können.“

Alois Schmitt vom Schulamt Künzelsau bescheinigt Brigitte Gronbach hohe pädagogische Kompetenz und reiche Erfahrung.
 

Zur Person

Brigitte Gronbach 1959 in Schwäbisch Hall geboren, Mutter zweier erwachsener Kinder, Studium in Schwäbisch Gmünd, Referendariat in Kirchberg/Jagst; Förderschule Gaggstatt, danach Kinderzeit und Montessori-Diplom. 15 Jahre Leitung der Schmerachschule in Oberaspach; seit 10 Jahren Fortbildungen für das Staatliche Schulamt zur Unterrichtsentwicklung; seit Mai 2016 Leitung  Grundschule Wolpertshausen.

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