"Grüße vom Schlachtfeld"

Es wird in Hall keine zentrale Gedenkveranstaltung zum Ersten Weltkrieg geben. Dafür werden Ausstellungen, Bücher und ein Symposium die Auswirkungen des Ersten Weltkriegs in der Region aufzeigen.

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303 Haller sterben in den Schützengräben, 13 werden vermisst, 6300 Verwundete werden im Diak und im städtischen Krankenhaus versorgt, rund 50 Gräber aus dem Ersten Weltkrieg sind heute noch auf dem Nikolaifriedhof zu sehen. Weltweit kamen - je nach Schätzung - bis zu 20 Millionen Soldaten und Zivilisten im "Großen Krieg", der erst später Erster Weltkrieg genannt wurde, ums Leben.

In Europa wird der "Urkatastrophe" ganz unterschiedlich gedacht. In England und Frankreich werden Feiern abgehalten. Als Zeichen der Versöhnung sind deutsche Politiker eingeladen. Die serbische Regierung stellt ein Denkmal für den Franz-Ferdinand-Attentäter Gavrilo Princip auf, der den Weltkrieg mit auslöste.

"In Deutschland ist alles überlagert von den Erfahrungen aus dem Zweiten Weltkrieg", erläutert Daniel Stihler vom Stadtarchiv die hiesige Erinnerungskultur. "Eine Gedenkveranstaltung, die sich ausschließlich mit dem 100-Jahr-Jubiläum zu Kriegsbeginn befasst, wird es nach heutigem Stand nicht geben. Aber es sind Sonderausstellungen geplant", teilt die Stadtverwaltung auf Nachfrage mit. Der Toten der beiden Weltkriege (und der Opfer der nationalsozialistischen Verbrechen) werde wie gewohnt am Volkstrauertag gedacht.

Information statt Gedenkfeiern: Derzeit bereiten rund zwölf Autoren einen Sammelband über die Auswirkungen des Kriegs in der Region vor. Die Geschichtswerkstatt wird ihn in Zusammenarbeit mit dem Stadtarchiv herausgeben.

Daniel Stihler ist einer der Autoren. Er wertete Feldpostbriefe von Robert Kraft aus Kupfer aus. Der 23-Jährige hatte viele der blutigen Schlachten im Osten wie Westen überlebt, stand nach dem Krieg als Wirt der Krone in Enslingen hinter dem Tresen.

"Was man in seinen Briefen von der Front sehen kann: Die Soldaten leiden oft seelisch mehr als körperlich", erläutert Stihler. "Am Schluss dokumentiert er seine Selbstaufgabe. Für ihn war klar, dass er sterben wird, nur eben noch nicht wann." Robert Kraft berichtet seiner Familie in Kupfer Schreckliches. Vor seinen Augen zerstückelten Geschosssplitter einen Freund. Ein anderer Kamerad stand in einem Gefechtsstand in Flammen. "Robert Kraft wollte ihn herausziehen, hatte aber nur noch Hautfetzen in der Hand", erläutert Stihler.

Sarkastisch drückt sich hingegen ein Soldat in einem Feldpostbrief aus, der in einer Ausstellung im Hohenloher Freilandmuseum Wackershofen zu sehen sein wird. "Herzliche Grüße vom Schlachtfeld", schreibt er nach Hause zu seiner Familie in Hohenlohe. Und so heißt auch die Ausstellung im Freilandmuseum. "Wir wählen diese Woche die Exponate aus", sagt Museumsleiter Michael Happe. Ernste Berichte überwiegen. In der Feldpost, die von Happe und seinen Kollegen gesichtet wurde, beschreiben Soldaten den Alltag des Tötens und Getötetwerdens. Das sei vergleichbar mit dem Erschlagen einer Fliege, die um den heimischen Mittagstisch schwirrt, steht in einem Brief.

Die Sicht der Franzosen auf den Krieg zeigt eine Ausstellung im Hällisch-Fränkischen Museum (HFM). "Auf den Bilderbögen aus Epinal wird Kriegspropaganda aufgezeigt", erläutert Herta Beutter vom HFM.

Ebenfalls über Ländergrenzen hinweg ist eine Tagung des Historischen Vereins für Württembergisch Franken angelegt. "Jedermann ist dazu eingeladen", sagt Vereinsvorsitzender Ernst Breit. Zehn Referate werden bei den Schöntaler Tagen gehalten. Zwei Professoren aus Frankreich sind dabei. "Wir hoffen auf 40 bis 50 Teilnehmer wie beim letzten Mal", sagt Breit. Die Vorträge werden anschließend im Jahrbuch des Vereins veröffentlicht.

Termine zum Jahrestag des Ersten Weltkriegs

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