Musikvereins-Vorsitzender: „Geselligkeit ist wichtig“

1817 hat sich der Musikverein Schwäbisch Hall gegründet. Das 200-Jahr-Jubiläum feiern die Sänger des gemischten Chores am Wochenende des 13. und 14. Mai. Mit dabei sind Doris und Klaus Eisenmann aus Hall.

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Fürs Foto spontan etwas singen? Kein Problem für das fröhliche Ehepaar. Zärtlich legt Klaus Eisenmann den Arm um seine Frau Doris, und beide stimmen das Lied an, das sie extra fürs 200-Jahr-Jubiläum gedichtet haben.  Foto: 

An manchen Tagen wacht Doris Eisenmann auf und hat eine Melodie im Kopf. „Dann singe ich schon morgens los“, erzählt die 68-Jährige. Wer glaubt, dass ihr Mann Klaus, der ebenfalls leidenschaftlich gerne ein Liedchen trällert, dann mit einstimmt, der täuscht sich. Denn der 72-Jährige ist ein kleiner Morgenmuffel. „Ich brauch’ nach dem Aufstehen eine Stunde lang meine Ruhe“, sagt er und lächelt dabei so sympathisch, dass man ihm den Muffel kaum abnimmt. „Doch, wirklich“, meint er. „Ein Überbleibsel meines Berufslebens.“ Klaus Eisenmann war Briefträger, bis er vor sieben Jahren in Ruhestand ging. „Er hat seinen Beruf geliebt“, sagt seine Frau, die als Bürokauffrau arbeitete.

Im Ruhestand genießen die beiden ihr Leben, freuen sich an ihren zwei Kindern und ihren vier Enkeln, fahren Rad, wandern – und schätzen die Geselligkeit. Auch im gemischten Chor des Musikvereins Schwäbisch Hall, dem sie seit vielen Jahren angehören, ist ihnen das Miteinander wichtig. Alle 14 Tage wird im Haus der Vereine geprobt. Nach jeder zweiten Probe sitzen die Sänger beisammen und trinken gemütlich etwas. 30 Sänger sind es an der Zahl – allesamt Laien.

„Früher durfte man auch mal während der Probe schwätzen“, erinnert sich Doris Eisenmann an ihre Zeit im Singkranz Cröffelbach, dem sie gleich nach der Konfirmation beigetreten ist. „Aber der Chorleiter war Schreiner, also ein musikalischer Laie“, fügt sie erklärend hinzu. „Unsere jetzigen Chorleiter haben das studiert. Die erwarten natürlich ein gewisses Niveau und wollen bei der Probe absolute Ruhe.“

Der Musikverein Schwäbisch Hall, der vor 200 Jahren gegründet wurde, ist nach eigener Aussage einer der ältesten Gesangvereine Deutschlands. Klaus Eisenmann trat ihm im Jahr 2005 bei. Im April 2008 übernahm er das Amt des ersten Vorsitzenden, weil er wollte, dass der Chor auf jeden Fall bis zum 200-Jahr-Jubiläum zusammenbleibt und sich nicht vorher auflöst. Dies war angesichts des Durchschnittsalters der Sänger von stolzen 73 Jahren keineswegs selbstverständlich. Der älteste Sänger ist Günter Limbacher (83), die Jüngste ist Elli Günther (50). „Wir haben einige Sänger mit über 80 Jahren dabei, die regelmäßig kommen und singen, weil sie das Jubiläum unbedingt erleben möchten“, erzählt Doris Eisenmann, die dem Chor im Jahr 2009 beigetreten ist. Sie hofft, dass die große Jubiläumsfeier am Wochenende neuen Schwung bringen könnte – womöglich sogar neue Mitglieder.

„Wir tun einiges dafür, dass es weitergeht“, sagt ihr Mann. Das Auto der Eisenmanns ist nahezu bei jeder Probe voll besetzt – immer nehmen sie ein paar Sänger mit, die sonst auf den Bus angewiesen wären. Für ihn als Vorsitzenden ist das selbstverständlich. Zudem wirbt das Paar für den Chor, wo es kann. „Ich spreche sogar Fremde in der Kirche an, wenn die schön singen“, erzählt Doris Eisenmann schmunzelnd. Immerhin zehn neue Mitglieder haben die beiden in den vergangenen drei Jahren gewinnen können.

Die Arbeit als Vorsitzender ist zeit- und arbeitsintensiv, gerade vor einem Großereignis wie dem 200-Jahr-Jubiläum. Räume mussten gesucht, Einladungen geschrieben werden. „Das schafft einer nicht allein“, sagt Klaus Eisenmann. Die Stadt Hall habe ihn und seine Frau sehr unterstützt. Zudem muss der Vorsitzende Ausflüge organisieren, an Geburtstage der Chormitglieder denken, Fahrdienst leisten und so weiter. Nach dem Jubiläum möchte er deshalb den Vorsitz abgeben. „Seit ich in Chören singe, habe ich immer geschafft“, erzählt er. „Ich möchte einfach mal nur singen.“

Wie viele Vereine tut sich auch der gemischte Chor schwer damit, junge Mitglieder zu gewinnen. „Das liegt auch daran, dass wir deutsche Volkslieder singen“, sagt Doris Eisenmann. „Fast nichts Englisches.“ Die meisten Chorsänger hatten kein Englisch in der Schule gehabt und tun sich einfach schwer mit der Sprache. „Das wäre dann nicht authentisch“, sind sich beide einig.

Doris Eisenmann wurde am 18. Juli 1949 in Hall geboren und wuchs in
Cröffelbach auf. Die gelernte Bürokauffrau hat 23 Jahre lang bei der Sparkasse gearbeitet. Sie hat schon immer gerne gesungen – und begeisterte auch ihren Mann für dieses Hobby, der früher lieber Fußball spielte. Klaus Eisenmann wurde am 24. April 1945 in Ilshofen geboren, wo er auch aufgewachsen ist. Er lernte den Beruf des Automechanikers, wechselte aber nach dem Wehrdienst zur Post, wo er bis zu seinem Ruhestand als Briefträger arbeitete. Das Ehepaar ist seit 48 Jahren verheiratet, hat zwei Kinder und vier Enkelsöhne und lebt in Hall.

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