„Garde – das bin ich“

Fastnacht: Sie sind zwischen 5 und 33 Jahre alt, ausdauernd, beweglich und ehrgeizig. Ihr Lachen kommt von Herzen und gehört zu jedem Auftritt dazu, wie die Tanzstiefel, die Uniform und der Hut. Jede von ihnen hat es geschafft, ist eine von 105 Tänzern der Bühlertanner Gardegilde.

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  • In Bühlertann tanzen 105 Tänzer in sieben Garden: Daniel Eckhardt bei den Fastnachtsprinzen, Luisa Nagel in der Garde Goldzauber, Lena Gaugel in der Garde Samtrot, Anna Wratschko bei den Bühlertalsternen, Maja Hannemann bei den Tanzmäusen, Romy Stirner in der Garde Smaragd und Jule Gürth in der Zwergelgarde.  1/2
    In Bühlertann tanzen 105 Tänzer in sieben Garden: Daniel Eckhardt bei den Fastnachtsprinzen, Luisa Nagel in der Garde Goldzauber, Lena Gaugel in der Garde Samtrot, Anna Wratschko bei den Bühlertalsternen, Maja Hannemann bei den Tanzmäusen, Romy Stirner in der Garde Smaragd und Jule Gürth in der Zwergelgarde.
  • Bei der Prunksitzung 2017 nehmen Bürgermeister und Schirmherr Michael Dambacher und Fastnachtspräsident Felix Pfitzer die Grande Dame der Bühlertanner Garde, Renate Wengert, zum Schunkeln in ihre Mitte. 2/2
    Bei der Prunksitzung 2017 nehmen Bürgermeister und Schirmherr Michael Dambacher und Fastnachtspräsident Felix Pfitzer die Grande Dame der Bühlertanner Garde, Renate Wengert, zum Schunkeln in ihre Mitte.
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Lena Gaugel (23) tanzt seit 20 Jahren in der Garde. Sie hat alles erreicht, was sich eine Gardetänzerin wünschen kann. Und ein Leben, das sie mit niemandem tauschen möchte. Mit drei Jahren betrat Lena bei der Prunksitzung 1997 in der rot-weißen Uniform der Zwergelgarde zum ersten Mal eine Fastnachtsbühne. Sie war ein Naturtalent, hatte Taktgefühl und beherrschte auf Anhieb die kompliziertesten Schritte. „Von Meli, meiner großen Schwester, die hat den ganzen Tag nichts anderes gemacht als im Wohnzimmer Garde getanzt“, lüftet Lena das Geheimnis. Zu Fleiß kam Talent dazu und eine überwältigende Ausstrahlung. Ihr Lachen ist ehrlich und ansteckend. Es zeigt, wie viel Spaß sie beim Tanzen hat.

Für die Zwergelgarde zu gut, für die Tanzmäuse zu jung, schlüpft Lena in eine Zwischenrolle und wird Tanzmariechen. Ihre Paradedisziplin ist der Männerspagat, den nur wenige Gardetänzerinnen beherrschen. Ihr Sponsor wird Christian von Stetten. Viele Jahre eröffnet sie in der Rolle der Faschingsprinzessin an der Hand von Faschingsprinz Marco Wengert die Prunksitzung und tanzt später zusammen mit Christina Janocha als Tanzmariechen. 2005 geht sie zur Garde Samtrot, wo sie heute noch tanzt. Zusammen mit ihrer kleinen Schwester
Michelle, die ebenfalls Tanzmariechen war. „Und in der Gardeuniform meiner großen Schwester Meli“, schließt die Industriemechanikerin den Familienkreis. Trainiert wird die Garde von Melanie Scheuermann, Tänzerin der legendären Roten Funken. Der Showtanz „Dos Bros“ der Garde Samtrot auf ein BossHoss-Medley kommt bei den Prunksitzungen gut an. Wie Lena, die nach dem Auftritt glückselig strahlt: „Mich verzaubern die Halle, wie sie geschmückt ist, die Lichter, die Leute, alle sind gut gelaunt, alle schauen nach oben, das ist wie ein Zauber. Für mich ist Fasching nur Prunksitzung.“

Früh übt sich, wer ein Meister werden will, denkt Jule Gürth (6), während sie sich für ihren dritten Auftritt bei der Prunksitzung warm macht. Vor zwei Jahren hatte sie noch eine Statistenrolle inne, um Bühnenluft vor ausverkauftem Haus zu schnuppern. Jetzt tanzt sie in der ersten Reihe. „Mit Rädle und gestrecktem Bein“, zählt sie die Schwierigkeitsstufen in ihrer Altersklasse auf. Und muss sich darum dehnen, damit gleich auf der Bühne alles rundläuft. Der Fototermin mit dem Zeitungsfotografen kommt ihr da denkbar ungelegen. Wer hat schon Zeit für so was, wenn gleich der James zum Einmarsch klingelt, verrät ihr ungläubiger Blick in die Kamera.

Über 70 Prozent der Bühlertanner Tänzerinnen entstammen der Zwergelgarde. Dort lernen die Fünf- bis Siebenjährigen die Grundschritte des Gardetanzes und erste Kombinationen mit einfachen akrobatischen Elementen. Vor allem aber Pünktlichkeit und Zuverlässigkeit, denn Gardetanz ist eine Mannschaftssportart.

Maja Hannemann (11) tanzt eine Garde über Jule. Auch sie fing bei den Zwergeln an, stieg vor zwei Jahren aber zu den Tanzmäusen auf. Maja liebt die neue Herausforderung. Ohne die Kleinen ist der Schwierigkeitsgrad jetzt gestiegen: Die Gardemusik wird schneller, die Schrittkombinationen komplexer, das Rädle ein­armig. Neu hinzu kommen Spagat und Fußfangen. „Gardetanzen ist das Schönste, was es gibt“, bekennt die Kottspielerin. Der Trainingsfreitag sei ihr persönlicher Sonntag. Ist sie verletzt, muss Mama Heike sie trotzdem ins Training nach Bühlertann fahren. „Weil ich den Tanz auch durch zugucken lerne“, erklärt die Sechstklässlerin. Der Taxidienst aus dem vier Kilometer entfernten Teilort funktioniert problemlos. Denn Heike Hannemann weiß, um was es geht, war 1988 selbst Gardetänzerin in Bühlertanns erster Zwergelgarde. Übrigens bei der selben Trainerin.

Zu Spitzenzeiten sechs Garden trainiert

Die Rede ist von Renate Wengert (71), der Grande Dame der Garde. Seit 35 Jahren im Dienst der Bühlertanner Fastnacht, gibt es nur wenig Gardetänzerinnen, die nicht bei ihr zur Schule gingen. Zu Spitzenzeiten hatte die temperamentvolle Bayerin sechs Garden unter sich. Die drei Nachwuchsgarden trainiert sie heute noch.

Darunter fallen auch die Bühlertal­sterne. Hier tanzt im vierten Jahr Anna Wratschko (14). Die Neuntklässlerin wurde dieses Jahr für zehn Jahre Garde geehrt. „Ich hab mich so auf diesen Orden gefreut. Weil Garde – das bin ich. Das mach ich, seit ich fünf bin“, sprudelt es aus Wratschko heraus. Die Bühlertalsterne sind eine von zwei Garden, die einen eigenen Sponsor haben. „Er heißt Christian Elbert, hat eine Firma die CEM heißt, das steht hier links auf meinem Hut, wohnt in Höfingen bei Leonberg, und ist in Holenstein geboren“, gibt Wratschko Auskunft über den Sponsor, der die blau-gelben Uniformen bezahlt habe. „Und unseren mega Umhang“, lobt sie das Lieblingsteil der 18 Mädchen, die zwischen 14 und 18 Jahre alt sind. Einmal im Jahr sehen die Bühlertalsterne ihren Sponsor, der sich den Gardetanz seiner Mädchen bei der Prunksitzung nicht entgehen lässt.

Der Sponsor der Garde Goldzauber, besser bekannt als Kärcher-Garde, ist vor Ort. Seit 1995 befindet sich die 18 Mädchen große Garde im Sozialsponsoring des Unternehmens mit dem größten Werk im Bühlertal. Als Kärcher 2013 die Farben seiner Profilinie in Anthrazit ändert, profitierten auch die Tänzerinnen vom neuen Farbsystem und wurden kurzerhand neu eingekleidet. „Weil Profis in Anthrazit glänzen“, lobte Hartmut Jenner bei der Prunksitzung 2014 seine Garde mit dem Werbeslogan der neuen Reinigungsgeräte. Luisa Nagel (19) tanzt seit zwölf Jahren Garde. 2013 stieg sie zusammen mit ihrer Freundin Leonie zu Goldzauber auf. „Das war mein Ziel. Von Anfang an. Ich wollte es bis zu Goldzauber schaffen. Dafür hab ich alles gegeben, hab täglich bei jedem Wetter das Rädle auf dem Trampolin geübt, bis es auf beide Seiten klappte“, beschreibt die Bürokauffrau den mühevollen Weg zum Erfolg. Der sich gelohnt habe. Garde, das sei ihr Hobby, ihr Leben, nicht nur an Fastnacht, sondern eigentlich das ganze Jahr.

Die Garde Goldzauber wird federführend von zwei Tänzerinnen aus den eigenen Reihen trainiert: Sophia Lang und Carolin Brenner. Die Tänzerinnen sind zwischen 18 und 24 Jahre alt und somit berufstätige junge Frauen oder Studentinnen. „Wir trainieren sonntags. Weil viele von uns nicht mehr in Bühlertann wohnen, aber trotzdem noch tanzen möchten. Weil Garde – dafür lebt man, das kann man nicht einfach so aufgeben nur wegen einem Job.“

Versuchskaninchen für neue Schritte

Romy Stirner (12) wurde 2005 am Abend der Generalprobe für die Prunksitzung geboren. Heute tanzt sie in der Garde Smaragd, die von ihrer Mutter Manuela Stirnen trainiert wird. Auch schon vor zwölf Jahren. Der Großteil von Romys Tanzpartnerinnen ist knapp zehn Jahre älter als sie. Was nicht auffällt, da Romy mit 1,65 Meter groß gewachsen ist. Auch tänzerisch steht sie nicht hinten an. „Ich tanze jeden Tag“, erzählt sie fröhlich. Was daran liege, dass der Tanz bei ihr zu Hause entstehe, und sie das Versuchskaninchen für die neuen Schritte sei. „Außerdem bin ich im Kunstturnen in Obersontheim. Da hab ich Bogengang, Handstand, Flickflack und Radwende gelernt“, zählt sie auf.

Davon sind die Bühlertanner Fastnachtsprinzen weit entfernt. Sie stehen noch am Anfang und kämpfen mit den Schritten. „Wir sind im echten Leben Fußballer und keine Prinzen“, sagt Daniel Eckhardt (33). Aber die Battement-Reihe hätten sie drauf. „Sogar mit Popo zeigen, unserem stärksten Element“, versichert der Maschinenbau-Techniker grinsend. Eckhardt ist von Anfang an dabei, als die Männer 2012 beim Rosenmontagsball in schwarz-orangenen Garderöcken auf einen französischen Cancan debütierten. „Ich könnte dem FKB die Füße küssen, weil sie uns jetzt Hosen und Frack gesponsort haben“, sagt er erleichtert. Die Frauenröcke seien als Gag okay gewesen, „wir trainieren aber nicht ein Vierteljahr, um uns dann auf der Bühne zum Affen zu machen“. Trainerin Melanie Ziegele ist gerührt ob soviel Verantwortungsbewusstsein. Melanie Ziegele, ist das nicht die Schwester von Lena Gaugel? Eckhardt nickt. „Wir wollten die Beste. Bis 2014 hat sie selbst bei den Roten Funken getanzt. Jetzt macht sie aus uns Gardestars.“

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