Elfi Dominik ist gestorben

Gesellschaftstanz und ihre Heimat Ostpreußen sowie ihre Mitmenschen lagen Elfi Dominik am Herzen. Am Sonntag ist sie mit 87 Jahren gestorben.

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Ihr Leben lang hat Elfi Dominik gekämpft. Zum Beispiel im Berufsalltag für die Gleichberechtigung von Frauen und Männern und auch als Betriebsrätin für die Belange der Mitarbeiter. Als leidenschaftliche Tänzerin setzte sie sich für die Gründung der Hohenloher Seniorengruppe für Gesellschaftstanz ein – und musste wieder kämpfen, nachdem dutzende Gastronomen ihr einen Raum verweigert hatten mit der Begründung: „Das lohnt sich nicht, Senioren verzehren nichts.“ Elfi Dominik strafte sie alle Lügen, denn die Tanzgruppe bestand fast 25 Jahre lang. Auch gegen ihre Krankheit hat sie zuletzt gekämpft. Im Februar hatte sie die Diagnose Bauchspeicheldrüsenkrebs erhalten. Doch diesen letzten Kampf hat sie verloren. Elfi Dominik starb am 7. Mai im Alter von 87 Jahren.

„Bis zum Schluss hat sie gehofft, aber die Kraft war nicht mehr da“, sagt ihre Nichte Margret Zeh aus Hall. Sie war die einzige Verwandte, die Elfi Dominik noch hatte. Für Margret Zeh, ihren Mann Wolfgang und die beiden Kinder Hanna und Patrick gehörte Elfi zur Familie. Eigene Kinder hatte sie nicht. An Weihnachten oder an anderen Festtagen war sie immer mit dabei. Die Kinder ihrer Nichte behandelte Elfi Dominik wie ihre eigenen. „Sie war die dritte Oma“, sagt Margret Zeh. „Immer ist sie dagewesen, wenn man sie brauchte.“ Sicher, auch ein wenig eigensinnig sei sie gewesen, manchmal auch anstrengend.

Das Kümmern war Elfi Dominiks Art. Unter Leuten fühlte sich die umtriebige Hallerin wohl. Am Herzen lagen ihr ihre Heimat Ostpreußen, das Tanzen und die Bausparkasse, bei der sie bis zu ihrem Ruhestand im Jahr 1987 in der Buchhaltung tätig war. 1990 gründete Elfi Dominik die Haller Kreisgruppe der Landsmannschaft Ost- und Westpreußen sowie Pommern. Jedes Jahr organisierte sie ein Grützwurstessen in Hall, zu dem bis zu 100 Gäste kamen. Seit 1992 organisierte sie jährlich eine Fahrt in die alte Heimat, erzählt Ursula Gehm, die fast drei Jahrzehnte lang die Haller Kreisgruppe geleitet hat. Regelmäßig wurden Hilfsgüter mitgenommen. Einmal zum Beispiel war der Bus voll mit Einwegspritzen, Medikamenten und Bettwäsche. Das Geld für die humanitären Hilfstransporte nahmen Elfi Dominik und ihre Mitstreiter etwa durch Verkäufe von Leckereien aus ihrer Heimat auf dem Haller Weihnachtsmarkt ein. „Elfis Spezialität war der selbstgemachte Bärenfang“, erzählt Ursula Gehm – ein Likör aus Honig, Gewürzen und hochprozentigem Alkohol. „Diese Frau war sich für keine Arbeit zu schade.“ Nachts Brote schmieren für die Ostpreußen-Fahrt? Kein Problem.

So war es für die in Preußen und Pommern geborenen Haller selbstverständlich, zuletzt täglich für Elfi Dominik da zu sein. „Wir haben einen Besuchsdienst organisiert, damit immer jemand von der Gruppe nachmittags bei ihr war“, sagt Ursula Gehm. Sie selbst habe Elfi Dominik am Freitag vor ihrem Tod zum letzten Mal besucht. „Sie wollte sich unbedingt im Bett aufsetzen, obwohl sie schon so schwach war. Als ich sie umarmt habe, sagte sie zu mir: Weißt du, auf was ich jetzt Appetit hätte?“ – Nein, auf was denn?, fragte Ursula Gehm. „Auf eine Spargelsuppe“, antwortete Elfi Dominik. Am Montag wollte Ursula Gehm ihr eine Suppe ins Krankenhaus bringen. Doch am Tag zuvor erreichte sie die Nachricht vom Tod ihrer Freundin. „Wir haben uns als Kreisgruppe zwar aufgelöst“, meint Ursula Gehm, „aber sie wird uns trotzdem vorne und hinten fehlen.“

Auch Reinhard Freitag aus Hall kannte Elfi Dominik gut. Die beiden teilten dasselbe Hobby: Tanzen. Zusammen gründeten die beiden im Ruhestand die Seniorentanzgruppe und leiteten sie mehr als 22 Jahre lang. „Eine wie Elfi trifft man nicht alle Tage“, sagt Freitag. „Sie hat das Unmögliche möglich gemacht.“ Am Donnerstag vor ihrem Tod, als er sie im Krankenhaus besuchte, packte er seine Mundharmonika aus und spielte „Tanzen möcht’ ich“. Sie habe gelächelt und ihn gebeten, weiterzuspielen. Das tat er. Mit Musik im Herzen schlief Elfi Dominik drei Tage später ein.

Info Die Beerdigung findet an diesem Donnerstag, 11. Mai, um 14 Uhr auf dem Schwäbisch Haller Waldfriedhof statt.

Elfi Dominik wurde am 15. Oktober 1929 in Alt-Keykuth in Ostpreußen geboren. Bis sie 14 Jahre alt war, lebte sie in dem Dorf, das heute zu Polen gehört. 1945 wurde der Ort von der Roten Armee eingenommen, und die Familie flüchtete nach Thüringen. Als der Vater starb, flohen Elfi Dominik und ihre Mutter in den Westen, nach Hannover. Von dort ging es weiter nach Hall. Elfi Dominik nahm einen Job bei der Bausparkasse an und arbeitete bis zu ihrem Ruhestand im Jahr 1987 in der Buchhaltung. Außerdem kümmerte sie sich im Betriebsrat um die Belange der Mitarbeiter. Sie war nie verheiratet und hatte keine Kinder. Ihr langjähriger Lebensgefährte Fritz Stier, den sie Anfang der 90er-Jahre beim Tanzen kennengelernt hatte, starb 2013. Elfi Dominik hatte sowohl die Hohenloher Seniorengruppe für Gesellschaftstanz gegründet als auch die Haller Kreisgruppe der Landsmannschaft Ost- und Westpreußen sowie Pommern. Beide Vereine haben sich zwischenzeitlich mangels Nachfolger an der Spitze aufgelöst. Bis zuletzt hielt Elfi Dominik Kontakt zu ihren Tänzern und auch zu ihren Landsleuten. Sie starb am Sonntag, 7. Mai, an den Folgen einer Krebserkrankung. buf

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